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NewsHub Irakische Truppen haben nach Regierungsangaben einen Großangriff auf die IS-Hochburg Mossul gestartet. Die “Zeit des Sieges” sei gekommen, verkündete Ministerpräsident Abadi im Staatsfernsehen. Mossul ist die letzte größere irakische Stadt, die noch vom IS kontrolliert wird.
Die irakische Armee hat die Offensive zur Rückeroberung von Mossul gestartet. “Die Zeit des Sieges ist gekommen und die Operationen zur Befreiung von Mossul haben begonnen”, sagte Abadi in einer Ansprache im irakischen Fernsehen. “Heute erkläre ich den Beginn dieser siegreichen Operation, um Euch von der Gewalt und dem Terror von Daesch zu befreien”, sagte er an die Einwohner von Mossul gewandt unter Verwendung der arabischen Bezeichnung für die IS-Miliz. Neben der irakischen Armee sind auch schiitische und kurdische Milizen beteiligt.
Peschmerga-Kämpfer hätten östlich von Mossul eine Operation begonnen, teilte das Generalkommando der Peschmerga mit. Bis zu 4000 Kämpfer sollten vom IS kontrollierte Orte einnehmen. Östlich von Mossul liegen mehrere ursprünglich christliche Dörfer.
Es wird mit erbitterten Kämpfen gerechnet. Der IS ist im Irak und in Syrien immer wieder mit brutaler Härte vorgegangen. In Mossul und im Umland sollen sich noch rund 4000 IS-Kämpfer aufhalten. Diese haben nach verschiedenen Berichten in der Stadt tiefe Gräben und ein Tunnelsystem ausgehoben, um sich zu verteidigen. Außerdem ist damit zu rechnen, dass Straßen und Gebäude mit zahlreichen Sprengfallen versehen sind, was einen Vormarsch auf die Stadt erschweren könnte.
Der Sturm auf die zweitgrößte Stadt des Irak und letzte Bastion der Extremistenmiliz “Islamischer Staat” wird auch von den USA unterstützt. Es könnte einer der größten Militäreinsätze im Irak werden seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein 2003. “Wir sind stolz, bei diesem historischen Einsatz an Eurer Seite zu stehen”, teilte der US-Beauftragte für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, zum Start der Offensive per Twitter mit.
Die US-Regierung sprach von einem “entscheidenden Moment” im Kampf gegen die Terrormiliz. “Die Vereinigten Staaten und der Rest des internationalen Bündnisses stehen bereit, um die irakischen Sicherheitskräfte, Peschmerga-Kämpfer und das irakische Volk in dem schwierigen Kampf zu unterstützen, der ihnen bevorsteht”, sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter. Ziel sei es, den IS dauerhaft zu besiegen.
Die Dschihadisten hatten die Stadt unweit zur Grenze der Türkei im Sommer 2014 in einer Blitzoffensive erobert, ohne dass die irakische Armee nennenswerten Widerstand leistete. Von Mossul aus überrannte der IS weite Teile des Landes. Inzwischen hat er viele dieser Gebiete wieder eingebüßt.
Vor der Einnahme durch den IS lebten in der nordirakischen Metropole knapp zwei Millionen Menschen. Derzeit sollen es bis zu 1,5 Millionen sein. Mossuls Bewohner sehen die UN nun in höchster Gefahr. So rechnet die Hilfsorganisation UNHCR mit bis zu einer Million Flüchtlingen aus der Stadt, von denen bis zu 700.000 humanitäre Hilfe benötigen könnten. “Familien sind einem extremen Risiko ausgesetzt, in die Schusslinie zu geraten oder von Scharfschützen ins Visier genommen zu werden”, sagte UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien. Zehntausende Menschen könnten belagert oder als menschliche Schutzschilde festgehalten werden.
Die Offensive auf Mossul war lange erwartet worden. Die Armee und die beteiligten Milizen zogen zuletzt den Ring um Mossul enger. Das Militär eroberte kürzlich wichtige Positionen bei Kajjarah rund 60 Kilometer südlich von Mossul, während die kurdischen Peschmerga-Milizen von Osten vorrückten.
Wie aus Dokumenten des Militärs hervorging, sollten noch vor der Abenddämmerung Zehntausende Flugblätter über Mossul abgeworfen werden. Darin werde der Bevölkerung erklärt, dass der Vormarsch samt Luftangriffen keine Zivilisten zum Ziel habe. Die Einwohner sollten zu Hause bleiben und sich von bekannten Orten der radikal-islamischen Kämpfer fernhalten.
Die IS-Miliz erlitt am Wochenende in Syrien eine symbolträchtige Niederlage, als die Stadt Dabik an von der Türkei unterstützte syrische Rebellen fiel. Die Stadt in der nordsyrischen Provinz Aleppo ist militärisch weitgehend unbedeutend, doch wird dort einer islamischen Überlieferung zufolge zum Ende aller Zeiten eine wichtige Schlacht zwischen den Muslimen und ihren christlichen Gegnern stattfinden. Auch eine IS-Propagandazeitschrift ist nach Dabik benannt.
© Source: http://www.tagesschau.de/ausland/mosul-offensive-101.html
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