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In Mossul rief der IS einst sein “Kalifat” aus – nun gilt die Stadt als letzte Bastion der Terrormiliz im Irak. Nach den ersten militärischen Erfolgen gestern wollen die irakische Armee und die kurdische Peschmerga ihre Offensive heute fortsetzen. Helfer befürchten eine humanitäre Katastrophe.
Die irakische Armee und die kurdischen Peschmerga wollen ihre Großoffensive auf Mossul heute fortsetzen – die Stadt gilt als letzte Bastion der Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) im Irak. Die Angriffe hatten am Montag begonnen. Dabei eroberte die Armee südlich von Mossul zwölf Orte, während die Kurden sieben Dörfer östlich der Stadt einnahmen.
“Die Einheiten nähern sich Mossul mit großen Schritten”, berichtet ARD-Korrespondentin Anna Osius. Nach Medienangaben soll die Anti-IS-Allianz über rund 30.000 Kämpfer verfügen. Der “Islamische Staat” komme hingegen nur auf 4000 Mann.
Werde Mossul erobert, “dann wäre das ‘Kalifat’ gescheitert”, sagt ARD-Korrespondent Volker Schwenck in den tagesthemen. Allerdings sei zu befürchten, dass sich die IS-Kämpfer in den Untergrund zurückzögen. Das mache sie nicht weniger gefährlich. Denn es brauche “relativ wenig Ressourcen, um weltweit Terroranschläge zu verüben”.
Auch der EU-Sicherheitskommissar Julian King warnte vor neuen Terrorattacken. “Die Rückeroberung von Mossul kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen”, sagte King der “Welt” (Dienstagausgabe). Dies sei eine sehr ernste Bedrohung. Allerdings gehe er von keinem “Massenexodus von IS-Kämpfern nach Europa” aus.
Hilfsorganisation befürchten unterdessen eine humanitären Katastrophe. So rechnet das UN-Flüchtlingshilfswerk mit bis zu 700.000 Flüchtlingen aus Mossul, sollten die Kämpfe zunehmen. Einem solchen Ansturm seien die Helfer nicht gewachsen. Das Rote Kreuz forderte die Konfliktparteien auf, die Zivilisten zu schonen. Man stehe bereit, bis zu einer Million Flüchtlingen in den nächsten Tagen und Wochen beizustehen.
Amnesty International betonte, dass Menschenrechtsverletzungen nicht nur vom “Islamischen Staat” verübt würden. So drohten sunnitischen Arabern – auch wenn sie vor dem IS geflohen seien – “brutale Vergeltungsschläge durch (vornehmlich schiitische) Milizen und Regierungstruppen”.
Mit einem schnellen militärischen Erfolg der Anti-IS-Allianz sei trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit nicht zu rechnen, sagt Korrespondentin Osius. So hätten auch die USA betont, dass sich die Kämpfe womöglich über Wochen hinziehen könnten.
Der Zeitpunkt der Offensive – kurz vor der Wahl eines neuen US-Präsidenten – dürfte dabei kein Zufall sein: Laut politischen Beobachtern war es Amtsinhaber Barack Obama wichtig, im Kampf gegen den IS noch einmal politische Tatkraft zu demonstrieren.
Heikel ist derweil die Rolle Ankaras in dem Konflikt. Gegen den Willen der irakischen Regierung hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eigene Soldaten nahe Mossul stationiert. Dies könnte zur Belastungsprobe für die Internationale Anti-IS-Koalition werden.

© Source: http://www.tagesschau.de/ausland/mossul-171.html
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