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Die Rede war der erste Auftritt eines kanadischen Premiers im Europaparlament. Justin Trudeau sieht CETA als Blaupause für künftige Abkommen.
Straßburg – Nach der Zustimmung des Europaparlaments zum Freihandelsabkommen CETA hat Kanadas Premierminister Justin Trudeau vor den EU-Abgeordneten für enge Beziehungen zu seinem Land geworben. „In diesen Zeiten müssen wir uns dafür entscheiden, die internationale Wirtschaft anzuführen statt einfach Gegenstand ihrer Launen zu sein“, sagte Trudeau am Donnerstag, in Straßburg. Die Rede war der erste Auftritt eines kanadischen Premiers im Europaparlament
An die Kritiker gewandt, die befürchten, dass das Abkommen nicht nur Zölle abbaut, sondern auch negative Folgen für den Verbraucherschutz sowie Sozial- und Umweltstandards haben könnte, sagte er: „Handel muss für die Menschen arbeiten.“ Dieser müsse zu besseren Jobs führen und das Leben der Menschen erschwinglicher machen. Er stehe dafür ein, dass das auch geschehe. „Wenn wir erfolgreich sind, kann CETA die Vorlage für alle ehrgeizigen zukünftigen Handelsabkommen werden, wenn nicht, könnte es das letzte sein.“
„Das beste wird noch kommen“
Die Rede war der erste Auftritt eines kanadischen Premiers im Europaparlament. Trudeau nannte CETA, das voraussichtlich ab April vorläufig in Kraft treten wird, erst den „Anfang“. „Für Kanada und die Europäische Union wird das beste erst noch kommen“, sagte er. „Die strategische Partnerschaft zwischen Kanada und der EU wird für immer auf gegenseitigem Respekt gründen und dabei in die Zukunft blicken.“
Trudeau baut auf eine starke Europäische Union. „Die ganze Welt profitiert von einer starken EU“, sagte er bei einer Rede am Donnerstag im Europaparlament in Straßburg. Kanada wisse, dass eine „effiziente Stimme“ Europas in der Welt „nicht nur wünschenswert, sondern unverzichtbar“ sei, betonte Trudeau.
„Blaupause“ für weitere Verträge
Die EU sei ein „noch nie dagewesenes Beispiel für friedliche Zusammenarbeit“. Kanada und die EU seien „Freunde und Alliierte“, sagte der Premierminister. Die langjährigen guten Beziehungen zwischen beiden Ländern basierten auf gemeinsamen Werten. „Wir glauben an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“, an Menschenrechte und daran, alle Menschen „in unsere Gesellschaft mit einzubeziehen“, ergänzte Trudeau.
Kanadas Premier sieht im Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und seinem Land eine „Blaupause“ für weitere Verträge. Dafür müsse der Vertrag aber auch funktionieren, sagte Trudeau am Donnerstag bei einer Rede vor dem Europaparlament in Straßburg. Andernfalls könnte CETA „das letzte Abkommen für Freihandel“ sein.
„Ceta ist ein Meilenstein“
Die 2009 begonnenen und im vergangenen Jahr abgeschlossenen Verhandlungen umschrieb Trudeau als „langwierig“. „Es war nicht einfach, es ging hin und her.“ Dadurch sei es jedoch gelungen, ein „ehrgeiziges“ Abkommen zu schließen. Es sei „viel leichter, auf Probleme zu verweisen, als sie zu lösen“ und „viel schwieriger, etwas aufzubauen als abzureißen“. Mit dem Freihandelsvertrag hätten beide Seiten „etwas aufgebaut“. CETA sei ein „Meilenstein“.
Mit dem Abkommen fallen nach Angaben der EU-Kommission 99 Prozent der Zölle. Trudeau warb damit, dass „warme Winterstiefel aus Manitova“ nun „wesentlich preiswerter“ für Verbraucher in der EU erhältlich seien – „wenn sie denn wollen“. Trudeau verwies aber auch auf Chancen für junge Unternehmen und neue Produkte, denen durch das Abkommen nun Türen geöffnet würden.
Für den Premierminister stand aber im Mittelpunkt, dass der Freihandel zwischen der EU und Kanada das „Leben der Menschen verbessere“ – durch die Schaffung von Arbeitsplätzen, Nachhaltigkeit und sichere Lebensmittel in einer „globalen Wirtschaft, die sich ständig entwickelt“. Die Ratifizierung von CETA sei „nur der Anfang für Kanada und die EU“, betonte Trudeau. „Das Beste wird noch kommen.“
Dem Freihandelsabkommen müssen aber noch die nationalen Volksvertretungen zustimmen. Dafür haben sich die Mitgliedstaaten ein Jahr Zeit gegeben. Der Prozess könnte aber wegen möglicher Referenden mehr Zeit in Anspruch nehmen. (APA, AFP, TT.com, dpa)

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