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“Wenn es drauf ankommt, sind wir da”: Das 5:1 gegen einen wehrlosen FC Arsenal ist ein Statement des FC Bayern. Es ist den Münchnern verdammt ernst mit der Champions League.
Die Pointe des Abends lieferte natürlich Thomas Müller, wer auch sonst. Wenn es ums Wort zum Sonntag geht, ist der Müllerthomas ja ein Ass. Und so rief er dem Männerpulk an Reportern auf dem Heimweg noch zwei Sätze zu, damit in ihren Blöcken auch von ihm was Verwertbares zu diesem 5:1 (1:1) des FC Bayern gegen den FC Arsenal auftauchte. “Das will man auch mal still genießen”, war der eine Müller-Satz. Er meinte seinen Treffer zum 5:1, über den er lieber schweigen wollte. Und: “Wir waren nicht ganz so schlecht heute! ”
Zwei Erkenntnisse blieben also hängen von dieser Achtelfinal-Nacht, auf die aus Bayern-Sicht durchaus das Volksmund-Prädikat “rauschend” zutrifft. Erstens: Thomas Müller hat mal wieder ein Tor geschossen. Das ist per se schon eine Nachricht, denn so oft kommt das in dieser Saison ja nicht vor. Zweitens: Der FC Bayern fühlt sich nach einem Rumpelstart ins Jahr 2017 endlich wieder wie der FC Bayern. Er fühlt sich sogar so gut wie lange nicht. “Nicht ganz so schlecht”, diese Beobachtung von Müller war ja herrlichste Kleinrederei. Er hätte es auch sagen können wie Arjen Robben: “Also wenn das heute kein Statement war? Man hat gesehen: Wenn es drauf ankommt, sind wir da. ”
Wenn Fußballspiele wie Ansprachen wirken, dann lässt sich tatsächlich feststellen: Die Münchner haben mit dieser Leistung endgültig bekräftigt, dass es ihnen immer noch verdammt ernst ist mit der Champions League. So ernst, dass nun die komplett wehrlosen “Gunners” aus dem Londoner Norden als Prügelvieh herhalten mussten. Zwei Niederlagen in der Vorrunde, gegen Atlético Madrid und Rostow, hatten Carlo Ancelottis Team offenbar so angestachelt, dass eine Vorführung im Großbuchstabentonfall folgte: NICHT OHNE UNS, EUROPA!
Vieles, was in dieser Testosteron-getränkten Partie passierte, lässt sich über Willensleistungen einzelner Bayern-Protagonisten erzählen. Und über einen Gegner, der chancenloser war, als jeder Bundesliga-Kontrahent der Münchner in dieser Saison. “Die Mannschaft ist zu solchen Spielen in der Lage”, sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mit roten Genusswangen, “sie kann sich auf den Punkt konzentrieren. ” Exemplarisch standen dafür Robert Lewandowski und Robben: Der Pole erreichte vor der Pause kaum einen Ball – und wenn er ihn mal traf, erwischte er den Gegner.
Unter Höllengetöse (das Stadion kann das ja, wenn es muss) führte ein Klärungsversuch des Stürmers gegen Laurent Koscielny im eigenen Sechzehner zu einem Elfmeter für Arsenal, den Alexis Sanchez im Nachgang an eine Neuer-Großtat verwandelte (30. Minute). Es war der Moment, in dem dieses Spektakel kurzzeitig zu kippen drohte. Robbens robbentypisches Nach-links-abbiegen-und-schlenzen-Galerietor zum 1:0 (“es funktioniert halt immer noch”) war egalisiert – und plötzlich schwappten Wellen von Arsenal-Kontern auf Mats Hummels und seine Abwehrkollegen zu. “Wir hatten einen kleinen Einbruch, wo wir nachlässiger wurden”, fand Hummels.
Die Kollegen sprachen wahlweise von 20, 15 oder zehn Minuten, in denen auch ein ganz anderes Ergebnis möglich schien. “In dieser Phase hätte es auch scheppern können”, räumte Philipp Lahm ein. Aber die Bayern drehten die Nummer mit ihrer “sehr guten Mentalität” (Hummels). Sie kramten vergessen geglaubte Methodiken heraus: Haltung, eine gewisse Walzenhaftigkeit und ihre immer noch bemerkenswerten Einzelkönner. Während die Londoner mit dem Verletzungs-Aus ihres einzigen brauchbaren Abwehrmannes (Koscielny, 49.) in sich zusammensackten wie ein angepiekster Luftballon, attackierten die Bayern. Ein bayerisches Wolfsrudel mit Blutdurst machte sich über Arsenal her – und die Truppe von Trainer Arsène Wenger ließ es über sich ergehen.
Der aufgekratzte Robben, irgendein 25-jähriger Lahm-Klon und der neue Anführer Lewandowski inszenierten einen Angriff von solcher Schärfe, dass der Kopfball des Polen fast zwangsläufig zum 2:1 einschlug (53.). “Wir wollten immer weiter spielen. Weitere Tore erzielen. Wir haben einfach nicht genug gekriegt”, lobte Lewandowski die Münchner Gier. Und dann brachte dieser Abend noch einen Entfesselten hervor: Thiago, den Ancelotti als Zehner aufgeboten hatte – und der nie wieder woanders spielen sollte.
Der Spanier veredelte einen Fersenpass von Lewandowski zum 3:1 (56.), knallte einen Rechtsschuss zum 4:1 (63.) ins Arsenal-Tor und legte schließlich dem eingewechselten Müllerthomas das 5:1 (88.) auf, damit auch dessen Stürmerseele heilt. “Thiago hat großartig gespielt”, befand Ancelotti, “er hat Räume geschaffen für andere und selbst viel gemacht. ” Nur an einem scheiterte Thiago: Er schaffte es nicht vor Mitternacht, seinen Beitrag zur Dopingprobe zu leisten. Aber da waren alle Pointen ja längst ausgesprochen.

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