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Die Vorsitzende verzichtet auf eine Spitzenkandidatur, um die AfD wieder unter Kontrolle zu bringen. Und ihr ein bürgerliches Image geben. Glaubwürdig ist dieses Taktieren nicht.
Die Vorsitzende verzichtet auf eine Spitzenkandidatur, um die AfD wieder unter Kontrolle zu bringen. Und ihr ein bürgerliches Image geben. Glaubwürdig ist dieses Taktieren nicht.
Vier Jahre gibt es die AfD nun, und die politisch geschmeidige Populistin Frauke Petry hat als Vorsitzende schon viele Rollen ausprobiert. Mit viel Raffinesse blieb sie immer ganz oben dabei, bisher. Nun sieht es auf den ersten Blick auf, als ob die AfD-Vorsitzende sich zurück ziehen wollte, weil die Partei sich am Wochenende in Köln gegen sie stellen könnte. Doch dieser Verzicht auf die Spitzenkandidatur der AfD zur Bundestagswahl ist kein Rückzug. Es ist – wie so oft bei Petry – eine taktische Volte.
Es ist der Versuch, in allerdings bedrängter Lage, einen Befreiungsschlag zu landen. Niemand sollte übersehen, dass sie keineswegs auf die Parteiführung verzichtet und, selbstverständlich, weiterhin in den Bundestag will. Auf den Führungsanspruch in einer möglichen AfD-Fraktion dort hat Petry nicht verzichtet.
Wofür die AfD-Vorsitzende inhaltlich genau steht, wissen selbst Weggefährten in der Partei nicht immer. Ihre parteiinternen Kontrahenten spotten gern, Petry ginge es immer nur um Petry. Die politischen Inhalte könnten sich bei ihr so schnell ändern wie das Auftreten und wie auch die Bündnispartner in der Partei ausgewechselt werden. Auf Taktik und Machtspiele versteht sie sich. Petry zeigt sich gern mal charmant, dann wieder zuspitzend scharf – ob nun in der Talkshow oder bei Parteifehden.
So gab sie anfangs die moderate Nebenvorsitzende an der Seite des Mitgründers Bernd Lucke. Sie zeigte sich loyal, bis sie ihn stürzen konnte. Dafür schmiedete sie Allianzen mit Rechtsauslegern wie jenem Björn Höcke, mit dem sie nun nichts mehr zu tun haben will. Wenn es dem Erfolg der AfD zu nutzen schien, schlug sie in den letzten Monaten selbst derbe Töne an, setzte gern auf Provokationen.
Jetzt also versucht Petry in Bedrängnis eine neue Rolle. Sie will nun für einen bürgerlichen Kurs stehen und dafür eine Richtungsentscheidung erzwingen. Dafür verzichtet sie auf die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl. Sie erklärt, dass die von nicht so großer Bedeutung ist. Sie weiß vor allem, dass sie in diesem Wettstreit hätte verlieren können oder sich auf Allianzen mit ihren Kontrahenten einlassen müssen.
Stattdessen soll nun alles soll auf dem Parteitag in Köln auf eben diese die Richtungsentscheidung hinauslaufen. Für Petry geht es dabei erst einmal darum, die Kontrolle über die Partei zurück gewinnen, die ihr zu entgleiten droht. Sie sagt freilich, dass es um ein höheres Ziel geht: Sie will die AfD so aufstellen, dass die Partei 2021 – welch eine Selbstüberschätzung – als “Seniorpartner” Deutschland regieren kann. Darauf müsse man sich ab jetzt vorbereiten.
Und dafür soll die AfD nun wieder anders auftreten. Sie soll jenes düstere Image ablegen, für das Petry doch maßgeblich mitverantwortlich ist. Denn sie hat gern zugelassen und dazu beigetragen, dass die AfD sich weiter und weiter nach Rechts bewegte. Sie hat gern bei Wahlen davon profitiert. Jetzt sieht sie, dass genau dieses düstere Image der Partei schadet.
Sie selbst spricht offen die schlechten Umfragewerte an. Dass sie dabei an den Rand geraten könnte, erwähnt Petry nicht. Aber es ist offenkundig taktisch und mit der Sorge um die Macht begründet, wenn ihr das eigene Produkt auf einmal nicht mehr gefallen will. Selbst die eigenen Parteifreunde misstrauen ihrem Ruf nach einer Richtungsentscheidung, vor allem: Viele wollen ihn einfach nicht.
Das ist der Haken bei Petrys Volte: Die Rückkehr zu einem bürgerlichen Tonfall würde aus dieser AfD keine bürgerliche Partei machen. Davon hat man sich unter ihrer Verantwortung weit entfernt.

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