SHARE

Merkel bangt noch, Erdogan hat schon gewonnen. Über sechzig Prozent der Türken haben in Deutschland für den Bosporus-Sultan gestimmt. Ein Traumergebnis wie aus 1001 Nacht. Das Thema bei „Maybrit
Merkel bangt noch, Erdogan hat schon gewonnen. Über sechzig Prozent der Türken haben in Deutschland für den Bosporus-Sultan gestimmt. Ein Traumergebnis wie aus 1001 Nacht.
Das Thema bei „Maybrit Illner“: „Erdogans deutsche Fans – stolz, frustriert und fremd“. Sie geniessen die Demokratie und sehnen sich nach einem Despoten.
► Die Gäste
• Bülent Bilgi, Generalsekretär des Erdogan-Fan-Union Europäisch-Türkischer Demokraten. Wenn er Demokratie buchstabiert, kommt Erdokratie heraus.
• Ali Toprak, CDU, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde in Deutschland. Für ihn ist Erdogans Partei AKP die „türkische Pegida“.
• Serap Güler, sitzt im Bundesvorstand der CDU und wird von Erdogan-Fans als „Arschleckerin der Deutschen“ beschimpft.
• Alexander Graf Lambsdorff, FDP, Vizepräsident des EU-Parlaments, fordert: „Milliarden-Zahlungen an die Türkei stoppen!“, EU-Beitrittsverhandlungen abbrechen!
• Mustafa Karedeniz, deutsch-türkischer Unternehmer, hat gegen Erdogans Verfassungsentwurf gestimmt, seine Frau dafür. Warum, wird er uns später sagen.
• Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der Linken, war als EU-Wahlbeobachter in der Türkei: „Das waren weder freie noch faire Wahlen.“
Wenn bei dieser Debatte das Zoff-O-Meter nicht glüht, sind wir im falschen Film.
Die Debatte hat noch gar nicht angefangen, schon fordert der Chef der Erdogan-Fan-Union: „Bitte mehr Respekt vor Erdogan!“ – Der Mann ist empfindlich. Er ruft schon „Aua“, bevor ihn einer piekt.
Wahlbeobachter Hunko wurde von der türkischen Polizei stundenlang am Besuch eines Wahllokal gehindert. Sein Urteil: „Zwei Millionen ungestempelter Wahllokale öffnen der Manipulation Tür und Tor.“
Bilgi legt auf den Linken Hunko an: Der sei ein „Terrorist“, andere Wahlbeobachter ebenso. Bilgi drängelt sich mit einem Foto in die Kamera: Da posiert der Linke vor einer Fahne der Terror-Bande PKK. Doch das war zu einer Zeit, als Erdogan selbst noch mit der PKK verhandelte.
CDU-Frau Güler ist sich sicher: Eine Anfechtung der Wahl vor Gericht wird nichts bringen. FDP-Mann Lambsdorff trocken: „Die Richter-Positionen hat Erdogan schon besetzt.“
Jetzt schlüpft Bilgi in die Opferrolle: „In Deutschland war das kein fairer Wahlkampf“. Türkische
Minister durften nicht reden. Die Stimmung war so aufgeheizt, dass Bilgis Fan-Verein Werbeveranstaltungen absagen musste, „um des gesellschaftlichen Friedens willen“. Armer Bilgi. Jetzt sind die Deutschen schuld, dass Erdogan hierzulande nur 60 Prozent der Stimmen bekam.
„Ich weiss nicht“, blickt der Kurde Toprak in die Runde, „ob ich nun mit Herrn Bilgi diskutieren oder laut lachen soll?“ – Der preist die neue Türkei-Verfassung inzwischen als superdemokratisch. Hoffentlich schaut Erdogan zu. Fleisskärtchen sind Bilgi schon sicher.
Bilgi baggert weiter: Leider „haben die Ja und Nein-Sager sich nicht um die Inhalte gekümmert, sondern nur nach Sympathie entschieden.“ Jetzt kommt der Hammer: Denn hätten „die Neinsager den Verfassungsentwurf gelesen, hätten sie wahrscheinlich auch mit ‘Ja’ gestimmt“.
Wenn das so weiter geht, kommt Erdogan hier bald auf 90 Prozent.
Illner beim Kopfrechnen: von dreieinhalb Millionen Türken in Deutschland, haben letztlich nur 14 Prozent für Erdogan gestimmt.
Lambsdorffs Schlussfolgerung: „Wir dürfen die türkische Community nicht über einen Kamm scheren. Es darf keine antitürkische Stimmung entstehen.“ Appell angekommen!
Aber warum haben die 14 Prozent pro Erdogan gestimmt?
Der Unternehmer Karadeniz: „Weil sie glauben, er macht die Türken gross und stark.“
Und was hat sich Frau Karadeniz dabei gedacht: „Er sieht gut aus, er ist ein guter Vater, so einen Schwiegersohn wünscht man sich.“ Familienkrach gab es trotzdem nicht.
Das nächste Referendum kommt bestimmt. Erdogan will über die Todesstrafe abstimmen lassen. Auch in deutschen Stimmlokalen?
Güler kommt in Fahrt: „Die Bundesregierung darf nicht zulassen, dass in Deutschland über die Todesstrafe abgestimmt wird.“ Und vielleicht noch das: Erdogan wirbt auf deutschen Marktplätzen für seine Kopf-ab-Politik?
„Kinder wurden in den Islamschulen gefragt, was ihre Eltern wählen.“ (Karadeniz)
„Die Türken in Deutschland sind kein Block von Erdogan-Fans.“ (Lambsdorff)
Das war ein Talk der Kategorie: Viel erfahren, doch kein Problem gelöst.
Folgen Sie BILD_LA auf Twitter

© Source: http://www.bild.de/politik/inland/talkshow/illner-erdogan-und-todesstrafe-51378892.bild.html All rights are reserved and belongs to a source media.