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Macron und seine ihm ergebene Politikbewegung “La République en Marche” haben das etablierte Parteiensystem des Landes auseinandergesprengt. Die Unterstützung für Macron ist aber nicht so gewaltig, wie ihre absolute Mehrheit vermuten lässt, meint Michael Strempel.
Macron und seine ihm ergebene Politikbewegung “La République en Marche” haben das etablierte Parteiensystem des Landes auseinandergesprengt. Die Unterstützung für Macron ist aber nicht so gewaltig, wie ihre absolute Mehrheit vermuten lässt.
Der Mann hat nicht nur einen kräftigen Händedruck – der Mann hat Sprengkraft. Diese Wahl ist eine kleine Explosion. Emmanuel Macron und seine ihm ergebene Politikbewegung “La République en Marche” haben das etablierten Parteiensystem Frankreichs auseinander gesprengt. Auf dem Trümmerfeld liegen zuerst die Sozialisten. Bislang Mehrheitspartei im Parlament, befinden sie sich nun am Boden. Ihr politisches Überleben ist momentan höchst ungewiss.
Die konservativen Republikaner leben noch, aber auch sie sind ramponiert und zerstritten in der Frage, wie sie mit der neuen Regierung umgehen sollen. Macron war geschickt genug, mit Edouard Philippe einen konservativen Premierminister zu ernennen. So hat er den Spaltpilz in die Reihen der Republikaner getrieben. Schließlich scheint der Höhenrausch von Le Pens Front National vorerst gestoppt – zumindest in der Nationalversammlung werden die Rechtsradikalen keine größere Rolle spielen.
Ganz Frankreich also Macron-Wunderland? Nein! Die Unterstützung für Macron und “La République en Marche” ist nicht so gewaltig, wie ihre absolute Mehrheit vermuten lässt. Weit über 50 Prozent der Franzosen haben nicht gewählt. Eine herbe Niederlage für die Demokratie.
Und das heißt noch lange nicht, dass diese Nichtwähler auch zu Hause bleiben, wenn der Kampf um Macrons Reformprojekte losbricht. Flexiblere Arbeitszeiten, mehr Selbstbestimmung in den Betrieben – Vorschläge, die Frankreich wettbewerbsfähiger machen sollen. Französische Gewerkschafter bringen sie aber schnell auf die Palme und ihre Gefolgschaft auf die Straße. Mögen die etablierten Parteien am Boden liegen, die politischen Gegensätze sind in Frankreich noch lange nicht aufgehoben.
Die entscheidende Schlacht beginnt für Macron erst jetzt. Er muss beweisen, dass er, anders als seine Vorgänger, sein widerspenstiges Land wirklich reformieren kann.
Und gerade Deutschland sollte ihm dabei Erfolg wünschen. Denn es braucht dringend wieder einen starken Partner in einer schwächelnden EU.

© Source: http://www.tagesschau.de/kommentar/wahl-frankreich-171.html
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