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Ist Einkaufen inzwischen eine Art Freizeitgestaltung, genauso wie ein Schwimmbad- oder Museumsbesuch? Ja, meint eine Initiative aus großen Handelsunternehmen und fordert, was für Kino, Schwimmbad und Zoo schon lange gilt: Kaufhäuser und Läden auf – an allen Sonntagen im Jahr. Von Sandra Stalinski.
Ist Einkaufen inzwischen eine Art Freizeitgestaltung, genauso wie ein Schwimmbad- oder Museumsbesuch? Ja, meint eine Initiative aus großen Handelsunternehmen und fordert, was für Kino, Schwimmbad und Zoo schon lange gilt: Kaufhäuser und Läden auf – an allen Sonntagen im Jahr.
In Restaurants oder Bars wird sonntags gekocht und serviert, Schwimmbäder, Museen und andere Freizeiteinrichtungen sind geöffnet, doch Geschäfte und Kaufhäuser bleiben am Sonntag geschlossen. Dabei gehöre Einkaufen längst zur Freizeitgestaltung, finden Kaufhauskonzerne wie Karstadt und Kaufhof.
Gemeinsam mit der KaDeWe-Group und einem Shoppingcenter-Betreiber haben sie deshalb die Initiative “Selbstbestimmter Sonntag” ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, an Sonntagen generell öffnen zu dürfen, um die “bestehende Wettbewerbsverzerrung abzubauen, die Entscheidungsfreiheit für Verbraucher zu erhöhen und die Attraktivität der Innenstädte weiter zu steigern”, sagt Kaufhof-Verkaufschef Armin Devender gegenüber tagesschau.de.
Vor allem gegenüber dem Onlinehandel und dem benachbarten Ausland fühlen sich die Einzelhandelsunternehmen benachteiligt. Outlet-Center in Grenzregionen würden Kaufkraft aus deutschen Innenstädten abziehen. Im eCommerce sei der Sonntag der stärkste Umsatztag, dadurch käme es zu einer Wettbewerbsverzerrung mit dem Einzelhandel.
Was die Handelskonzerne dabei verschweigen: Zwar bestellen Kunden tatsächlich bei Onlineplattformen wie Amazon sonntags mehr als an Werktagen, doch auch hier wird sonntags – zumindest in Deutschland – nicht gearbeitet. “Die Kunden können zwar rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche bestellen, bearbeitet und versendet werden die Bestellungen aber erst am folgenden Werktag”, sagt Amazon-Sprecher Stephan Eichenseher im Gespräch mit tagesschau.de.
Dem Wunsch der Einzelhänder nach generell verkaufsfreien Sonntagen steht die verfassungsrechtlich garantierte Sonntagsruhe entgegen. “Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt”, heißt es in Art. 139 der Weimarer Reichsverfassung, den das Grundgesetz so übernommen hat. Der Sonntag sei der einzige Tag in der Woche, an dem Familien verlässlich zusammensein können, Freunde treffen, gemeinsam Freizeit verbringen können, argumentieren Kirchen und Gewerkschaften.

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