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Bei der Wahl zur französischen Nationalversammlung haben etwa 57 Prozent der Wahlberechtigten den Urnengang verweigert.
Frankreich hat zwei historischen Rekorde zu vermelden: Die Franzosen verweigerten mit klarer Mehrheit die Teilnahme an dieser eigentlich nicht ganz unwichtigen Wahl. Meinungsforscher sehen die Wahlbeteiligung über den Tag gerechnet bei 42 bis 43 Prozent. Das wäre ein neuer Tiefstand in der Geschichte der 1958 gegründeten Fünften Republik. Zur Wahl aufgerufen waren 47 Millionen Franzosen.
Die zweite Novität: Es gewann eine „Bewegung“ von Emmanuel Macron, die quasi aus dem Nichts kam, sich neu nennt, aber im wesentlichen aus Vertretern der alten Parteien besteht, die ihre ehemaligen Gesinnungsgemeinschaften einfach hinter sich ließen. Die Bewegung war von langer Hand geplant und bereits in der Amtszeit von Macron als Wirtschaftsminister von Francois Hollande in die Wege geleitet worden.
Sein Programm ist ausgesprochen wirtschaftsliberal und bankenfreundlich, durchaus militaristisch und mit einer entsprechenden Prise Heuchelei gewürzt: Als eine der ersten Maßnahmen will Macron ein Gesetz für mehr Moral in der Politik durch die Nationalversammlung bringen. Er selbst war kurz unter Druck geraten, weil einer seiner engsten Vertrauten in eine Immobilien-Affäre verwickelt sein soll.
Macron kann sich der Zustimmung vieler Medien gewiss sein, insbesondere derer, die von französischen Steuergeldern finanziert werden: Die AFP bezeichnet die verheerend niedrige Wahlbeteiligung als „Schönheitsfehler“, der jedoch bald „vergessen sein“ werden.

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