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Gerät die Lage in Syrien außer Kontrolle? Nach dem Abschuss eines Assad-Kriegsflugzeug durch einen amerikanischen Jet am Sonntagabend in Syrien, haben russische Politiker und Schlüsselministerien am
Gerät die Lage in Syrien außer Kontrolle?
Nach dem Abschuss eines Assad-Kriegsflugzeug durch einen amerikanischen Jet am Sonntagabend in Syrien, haben russische Politiker und Schlüsselministerien am Montag mit militärischer Vergeltung gegen die US-Truppen im Land gedroht.
„Es ist inakzeptabel, Flugzeuge abzuschießen – sie werden einen Vergeltungsschlag bekommen“, drohte der erste Vizevorsitzende des russischen Föderationsrats für internationale Angelegenheite, Wladimir Jabbarow im russischen Staatsfernsehen .
Der russische Senator machte mit Blick auf die in Syrien stationierte Hightech-Flugabwehr klar: „Die syrische Armee hat die S-300, unsere S-400 steht. Darum kann das in einen großen Konflikt münden.“
Das russische Verteidigungsministerium erklärte zudem, Flugzeuge der Koalition (also bspw. amerikanische oder deutsche) , „die sich westlich des Euphrat-Flusses aufhalten, werden (ab sofort, d. Red.) als Luftziele angepeilt von russischen Boden- und Luft-Verteidigungssystemen“
Ein weiterer einflussreicher russischer Senator, Aleksei Pushkow, legte bei Twitter nach: „Der Abschuss einer syrischen Su-22 über Rakka ist ein weiterer Akt des Krieges gegen Syrien. Was für eine ‘Verteidigung’? Rakka ist eine syrische Stadt, keine amerikanische“.
Video: Eine Su-22 der Assad-Luftwaffe greift im April Wohngegenden bei Damaskus an
Das Pentagon bestätigte am späten Sonntagabend, für den Abschuss eines Kriegsflugzeugs des Assad-Regimes verantwortlich zu sein. Der Kampfjet vom Typ Suchoi Su-22 der syrischen Streitkräfte habe Stellungen der von der Koalition unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) in der Nähe von Rakka angegriffen. Daraufhin sei er umgehend von einer F/A-18E abgeschossen worden.
Der russische Außenministerium äußerte sich vorsichtiger zu den Konsequenzen des Abschusses. Sergej Lawrow betonte, die USA müssten die „territoriale Integrität Syriens beachten“. Mit einem Seitenhieb auf die vom US-Verbündeten SDF gehaltenen Gebiete fügte er hinzu, dies gelte „besonders, wenn es um die Besetzung von Gebieten in Syrien geht, jene Gebiete einbezogen, die Fragen über die wahren Absichten ihrer Besatzer aufwerfen.“
Im Klartext: Russland sieht die kurdisch-dominierten SDF-Einheiten, die weite Teile Nordsyriens beherrschen und unter US-Führung ISIS aus tansenden Quadratkilometern verdrängten, lediglich als „Besatzer“ und damit Feinde seines Verbündeten Assads.
Russlands Vize-Außenminister Sergej Ryabkow zeigte sich angriffslustiger: Bei dem Abschuss des Assad-Fliegers handele sich um „einen Akt der Aggression“ und eine „eine Verletzung internationalen Rechts“, die Terroristen unterstütze, erklärte er am Mittag in Moskau.
Doch werden Russlands scharfen Worten und Drohungen auch Taten folgen? Eher nicht, meint Syrien-Experte Kyle Orton von der britischen Denkfabrik „Henry Jackson Society “: „Es ist unwahrscheinlich, dass den wütenden Worten aus Moskau mehr als das folgt“, sagte Orton zu BILD. Der Kreml würde verstehen, dass er „eine Konfrontation mit den USA in Syrien verlieren würde.“ Gleichzeitig warten Orton, Moskau fühle sich bestärkt in Syrien zu tun, was es wolle, „da die Amerikaner ihnen bislang nicht die Rechnung für die Kosten ihrer Taten präsentiert haben“.
Dies könnte dazu geführt haben, dass Moskau seinen Verbündeten Assad am Sonntag nicht zur Mäßigung aufrief, obwohl die USA mehr als eine Stunde vor dem Angriff auf das Regime-Flugzeug Moskau dringend aufforderten, die Assad-Truppen zurückzurufen.
Orton stellte klar, dass der Abschuss des Assad-Flugzeugs trotzdem „einen klaren Politikwechsel“ unter Donald Trump darstelle. Ex-Präsident Obama sei nicht willens gewesen, Assads Vorstöße mit militärischer Gewalt zu konfrontieren. Trumps Truppen hätten nach dem Angriff auf eine syrische Militärbasis nach dem Gaseinsatz im März nun bereits ein zweites mal gezeigt, dass sie Aggressionen des Regimes nicht tatenlos hinnehmen würden. Der Abschuss habe klargemacht, dass die USA „ihren Boden verteidigen und ihre Verbündeten schützen“ würden.
Trotzdem solle man die Rolle Donald Trumps nicht überbewerten, warten Orton gegenüber BILD: Trump habe „den direkten Befehl zum Abschuss wohl nicht gegeben“, wohl aber „seine Generäle dazu ermächtigt, ihre Verbündeten zu verteidigen“.
Ebenfalls am Sonntagabend – nur etwa zwei Stunden nach dem US-Angriff auf das Assad-Flugzeug – schoss der Iran erstmal Mittelstreckenraketen von einer iranischen Armeebasis aus in Richtung Syrien ab. Sie trafen eine von ISIS gehaltene Stadt in der Region Deir Ezzor, erklärten Aktivisten.
Damit habe der Iran einerseits einen Vergeltungsschlag nach dem ISIS-Angriff in der letzten Woche in Teheran geben wollen, sagte Orton zu BILD. „Aber die Angriffe sind klar gegen mehr als nur ISIS gerichtet.“ Der Iran sei entschlossen, die USA aus Syrien und der gesamten Region zu vertreiben „und die Ausbreitung seines kontrollierten Imperiums von Teheran bis zum Mittelmeer zu komplettieren.“
Der Raketenangriff vom Sonntag sollte den USA daher wohl auch zeigen, dass man willens und technisch in der Lage ist, Ziele in Syrien von iranischem Gebiet aus zu bekämpfen, gleich um welchen Feind im Land es sich handelt. „Eine amerikanische Präsenz in der Einflusssphäre (in Syrien, d. Red.) ist eine Behinderung des Langzeitprojekts des Irans.“
Unterdessen hat in Berlin eine ganz besondere Aktion begonnen, um ein Stück Gerechtigkeit im Syrien-Krieg zu erreichen.
Bereits im vergangenen Jahr hat die UN-Vollversammlung beschlossen, die Kriegsverbrechen in Syrien unabhängig untersuchen zu wollen. Doch seit Monaten fehlt das nötige Geld dafür. Während Deutschland sich mit mehr als einer Million Euro (der insgesamt 13 Millionen benötigten Euro) an der Finanzierung beteiligt, ignorieren viele andere Nationen ihre Zusagen.
Darum sammeln ab heute unter dem Motto #crowd4justice syrische und deutsche Menschenrechtsorganisationen auf der Webseite Geld, damit die UN-Untersuchungen endlich beginnen können.
Ferdinand Dürr, Geschäftsführer der deutsch-syrischen Solidaritätsinitiative „Adopt a Revolution“, die Crowdfunding-Kampagne #crowd4justice initiiert hat, sagte zu BILD: „Es ist ein Skandal, dass Gerechtigkeit für Syrien ausgerechnet am Geld scheitern könnte! Die Bundesregierung geht mit einem Beitrag von 1 Millionen Euro zwar mit gutem Beispiel voran – aber sie kann noch deutlich mehr tun.“
Außenminister Gabriel solle nach Aussage Dürrs Druck auf die EU ausüben, damit diese die Finanzierungslücke von knapp vier Millionen Euroe schließe. Auch andere Staaten rief er auf, den vergleichsweise kleinen Betrag zur Verfügung zu stellen: „Zum Beispiel die USA, die haben noch gar nichts eingezahlt.“
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© Source: http://www.bild.de/politik/ausland/syrien-krise/syrien-kriegsverbrechen-52219646.bild.html
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