Markus Söder hält seine erste große Rede als designierter bayrischer Ministerpräsident. “Berliner Verhältnisse” will er nach der Landtagswahl nicht haben.
So eine Grippe ist eine hässliche Sache, aber manchmal passt’s scho. Dem Horst Seehofer passt die Influenza ganz entschieden. Der politische Aschermittwoch war ihm immer eine Tortur; diese langen Reden, die ganzen Leute, die auf deftige Sprüche zum Bier lauern, und außerdem wär’ er zum letzten Mal hier in allen seinen Würden als Chef und als Landesvater in Abdankung – nein, es ist besser so. Schaut er lieber fern. „Du brauchst dir keine Gedanken machen“, versichert ihm sein Generalsekretär Andi Scheuer im Grußwort. „Wir machen das schon hier.“
Die Saalkamera kann sich beim Einzug in die Dreiländerhalle also ganz auf den Neuen konzentrieren. Markus Söder lächelt sein Wolfslächeln, stiefelt breitbeinig voran und winkt in die Biertischreihen hinein. Der Saal ist wieder rappelvoll – „gefühlte Zehntausend“ hat Scheuer gezählt. Die Tribüne haben sie mit ländlichen Holzgeländern verziert, von wegen der Heimat. Die hat ja nicht nur in der auslaufenden Vergangenheit des Finanz- und Heimatministers Söder eine zentrale Rolle gespielt, sondern soll auch sein Leitmotiv für den Landtagswahlkampf werden.
Aber Söder muss warten mit dem heimatpolitischen Teil der Veranstaltung, erst liefert Scheuer quasi namens des Chefs den bundespolitischen Part. Der ist diesmal einfach. Vor einem Jahr klang der gleiche Scheuer recht angestrengt in seinem Spott über diesen Martin Schulz, dem sie ein paar Kilometer weiter in Vilshofen ein Zelt aufstellen mussten, um den Andrang zu dem plötzlichen Messias zu fassen. Diesmal reichen zweieinhalb Sprüche über die „Selbstzerfleischende Partei Deutschlands“ und den „neuen Draußenminister“ Schulz.
Ohnehin steht die CSU im Moment komfortabel da. Sie hat die heftigen Aufwallungen im Erbfolgekrieg vorerst hinter sich. Der verbliebene Konflikt um Seehofers Nachfolge im Parteivorsitz ruht. Seit der Alte sein Austragshäusel im Bundesheimatinnenbauministerium in Berlin vorläufig sicher hat, scheint auch die Gefahr gebannt, dass er zur Unzeit wieder aufbricht. „Wir haben eine Neuaufstellung geschafft“, sagt Söder, als er endlich auf dem Podium steht. Dem kann niemand widersprechen. „Bei der SPD findet Neuaufstellung jeden Tag statt!“ Auch das ist kaum zu bestreiten.

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