Es ist der erste Auftritt als designierte SPD-Chefin, im tiefsten Westfalen.
Schwerte (dpa) – Sie hat fast keine Stimme mehr, Andrea Nahles könnte nun bei ihrer kleinen Tochter in der Eifel sein. Stattdessen beginnt ihre neue Zeit als designierte SPD-Chefin hier in einem Waldgebiet bei Schwerte, dort steht der “Freischütz”, ein Ausflugslokal.
Lange vor dem Koalitions- und SPD-Drama in Berlin hatte Nahles den Genossen in Westfalen zugesagt zum Politischen Aschermittwoch. Und so ist sie da.
Tag eins ohne Martin Schulz, der ist nun Geschichte. Die Big Band spielt, SPD-Vize Olaf Scholz übernimmt kommissarisch bis April, doch Nahles ist jetzt schon die Chefin in spe. Das Publikum, viele weiße Haare, von den tausenden neu eingetretenen jungen Mitgliedern sind kaum welche zu finden. Mettigel, Frikadellen, Pils, viel alte SPD.
Nahles will ab sofort eins: Eine Fastenzeit für den Personalstreit, neues Selbstbewusstsein. Als erste Frau an der Spitze der fast 155 Jahre alten Partei soll die SPD da sein, wenn Kanzlerin Angela Merkel (CDU) abdankt. In der Abizeitung nannte Nahles als Berufswunsch: “Hausfrau oder Bundeskanzlerin”. Sie krächzt, sie kommt auf ihre schweren Hüftprobleme mit 16 zu sprechen. Sie nutzt das Beispiel, um über das Pflegekapitel im von ihr mit CDU und CSU ausgehandelten Koalitionsvertrag zu sprechen. Wie wichtig es sei, 8000 neue Pfleger einzustellen. Das allein sei ein Grund zuzustimmen. Das kommt an bei der Basis hier.
Es ist ein erster Stimmungstest für die 47-Jährige auf dem Weg bis zum 22. April, wo ein Sonderparteitag in Wiesbaden sie zur SPD-Chefin wählen soll. Sie setzt auf Attacke. Eine Kuschelkoalition wird es mit ihr nicht geben. “Die Göttinnendämmerung hat längst begonnen.” Merkel werde angezählt von ihren Leuten – vor allem weil die SPD ihr sechs Ministerien mit einem Wahlergebnis von 20 Prozent abgetrotzt hat, darunter die Ressorts Außen, Finanzen und Arbeit/Soziales.

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