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Oscars 2018: Bleibt alles anders

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Wer einen Abend im Lichte von #MeToo erwartet hatte, wurde enttäuscht. Dafür waren die Oscars ein Fest des mexikanischen Kinos. “Shape of Water” war verdienter Gewinner.
Gut möglich, dass die 90. Oscar-Verleihung später weniger als Fest der Frauen in Erinnerung bleiben wird, wie es manche erwartet hatten, denn als mexikanische Fiesta. Denn mit Guillermo del Toro holte sich nach 2014 ( Gravity), 2015 ( Birdman) und 2016 ( The Revenant) bereits der dritte Filmemacher aus dem US-amerikanischen Nachbarland den Oscar für die Beste Regie. Del Toros Film Shape of Water wurde außerdem auch als Bester Film ausgezeichnet, für die Beste Musik und das Beste Production Design. Vier Oscars also für ein Fantasy-Liebesmärchen. Nach 13 Nominierungen war das zwar keine Überraschung mehr, aber nichtsdestotrotz hochverdient.
Del Toro ist ein cinematografischer Zauberer. Er entführt seine Zuschauer in das Reich seiner scheinbar unerschöpflichen Fantasie. Nein, er verführt sie, denn wer würde sich sonst in ein meergrün durchleuchtetes Amerika des Jahres 1963 begeben, um dort so etwas Abstrusem zu folgen wie der Liebesgeschichte zwischen einer stummen Prinzessin, die als Putzkraft für die amerikanische Regierung arbeitet, und einem geheimnisvollen Kiemenwesen, dem der sichere Tod durch rassistische Agenten droht. Seine blühende Fantasie hat del Toro ganz offensichtlich im Kino genährt: Das fischschuppige Monster ist ein gottähnlicher Wiedergänger der Creature of the Black Lagoon von 1954; in dem Kinosaal, über dem die Heldin Elisa wohnt, wird das Musical Mardi Gras gespielt; und im Fernseher ihres schwulen Nachbarn Giles steppen Fred Astaire und Shirley Temple.
Shape of Water ist nicht nur eine Geschichte über die grenzenlose Kraft der Liebe, nicht nur ein zeitgemäßer Kommentar gegen die Ausgrenzung von Andersartigen, sondern auch eine Hommage an Hollywood. Und solche Filme feiert die Academy immer besonders gerne. Del Toro wuchs in Guadalajara in Mexiko auf, wo er später Film studierte. Erst Ende der Neunzigerjahre, mit Mitte 30, zog er in die USA. In seiner Dankesrede Sonntagnacht erinnerte er an diese Herkunft: wie wichtig sie ihm sei und wie sie ihn geprägt habe. Was er dabei unterschlug: Wie sehr das Land seiner Herkunft inzwischen auch das US-amerikanische Kino prägt.
Tatsächlich ist die mexikanische Filmszene derzeit eine der lebendigsten. Einige Regisseure sind inzwischen Weltstars, wie Alejandro González Iñárritu, der nach seinem ersten großen Erfolg Amores Perros die oscarprämierten Filme Babel, Birdman und The Revenant drehte.

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