Schon wieder Gold mit dem Speer. Eine Europameisterin, die den ganzen Abend nicht lächelte. Und viele Brüder auf der Laufbahn. Alles Wichtige vom Leichtathletik-Samstag
Was war das Highlight des Abends?
Dafür musste man nicht mal allzu angestrengt durch die deutsche Brille schauen: Christin Hussong, die Speerwerferin aus Zweibrücken, hat mal so richtig einen rausgehauen, wie die Werfer gerne sagen. Sie gewann ihren Wettkampf mit mehr als sechs Metern Vorsprung. 67,90 Meter, so weit warf noch nie eine Frau bei einer EM. Für Hussong, die von ihrem Vater Udo trainiert wird, ist es die erste internationale Medaille. Nach der Goldmedaille von Thomas Röhler am Donnerstag ist Speerwerfen also nun endgültig deutsches Kulturgut geworden, wie Kuckucksuhren, Abgasschummelei und das Handtuch auf der Strandliege.
Wer hat sich so gar nicht gefreut?
Keine springt so elegant wie sie, aber keine schaut auch so grimmig drein. Wenn Marija Lassizkene im Hochsprung anläuft, dann erkennt man sofort, warum Leichtathletik noch immer die Menschen fasziniert. Mühelos sieht der Sport bei ihr aus. Nicht wie Hochsprung, sondern wie Hochflug. Die Russin, die wegen des russischen Staatsdoping-Programms nur als autorisierte, neutrale Sportlerin antreten darf, wirkt stets so, als ob sie nicht die geringste Lust auf das hätte, was sie da tut. Während des gesamten Wettkampfs schaffte sie es, nicht einmal zu lächeln. Selbst als sie Gold schon sicher hatte, schlug sie vor Wut mit der Hand gegen einen Metallständer und auf ihre Trainingstasche ein. Wohl, weil sie 2,04 Meter nicht geschafft hatte. Die Russin steht mit ihrer Drei-Tage-Regenwetter-Attitüde damit in einem herrlichen Kontrast zu den Bestrebungen der Organisatoren, aus der Leichtathletik ein Popkonzert machen zu wollen.
Was haben die Deutschen noch so gemacht?
Es war der Tag der deutschen Frauen.

Continue reading...