Home Deutschland Deutschland — in German Der Einheit des Westens zuliebe würde Merkel auf Nord Stream verzichten

Der Einheit des Westens zuliebe würde Merkel auf Nord Stream verzichten

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Über Jahre blieb Angela Merkel eisern: Das Erdgas-Projekt Nord Stream 2 steht nicht zur Disposition. Die mutmaßliche Giftattacke gegen den russischen Oppositionsführer Alexej Nawalny aber ändert die Lage. Auch die Kanzlerin schließt nicht mehr aus, die Pipeline zu überdenken. Warum war sie ihr so wichtig?
Die Kritik am Projekt Nord Stream 2 kam früh, die Kritik kam immer wieder. Von vielen, vielen Seiten. Ein Dauer-Streitthema in Schlaglichtern: Die Ukraine fürchtete um Transiteinnahmen – Angela Merkel sprach mit Präsident Wladimir Putin. Europäische Nachbarn meldeten Bedenken an, sogar Lieblingspartner Frankreich gab zwischenzeitlich kontra. Auch Parteifreunde der Kanzlerin wie der Außenpolitiker Norbert Röttgen (CDU) äußerten wiederholt Zweifel an der Pipeline. US-Präsident Donald Trump, der sich über das Projekt – auch wegen üppiger amerikanischer Gas-Angebote – mächtig aufregte, setzte Sanktionen in Gang. US-Senatoren packten später mit Drohungen noch eins drauf. Es passiert vieles – nur eines eben nicht: Dass Angela Merkel ihre zustimmende Haltung änderte. Erst vor wenigen Tagen noch hatte die Kanzlerin bei einem Besuch in ihrem Wahlkreis auf Rügen bekräftigt: Sie will, dass auch die letzten etwa 150 Kilometer der rund 1200 Kilometer langen Pipeline durch die Ostsee verlegt werden. Jetzt aber ist die Sache nicht mehr so sicher. Der Fall Alexej Nawalny, der mutmaßliche Giftanschlag gegen ihn, stellt bisherige Gewissheiten in Frage. Merkel will „gemeinsame Reaktion” Vor wenigen Tagen hatte die Kanzlerin in einer ungewohnt scharfen Reaktion auf die Giftfunde im Körper des Oppositionspolitikers betont, Deutschland werde mit EU und Nato „gemeinsam“ über eine „angemessene Reaktion“ entscheiden. Genau diesem Ziel einer geschlossenen Reaktion könnte sie am Ende auch ihren Widerstand gegen ein Bau-Stopp oder eine Bau-Pause unterordnen.

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