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"Wir wollen keine Alkoholbomben": Eine Winzerin erzählt, wie der Klimawandel unseren Wein verändert

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Frau Eller, auf Instagram zeigten sie sich vor wenigen Tagen aus sonnigen Weinbergen. Das sieht zauberhaft aus, doch eigentlich sollte es ja langsam kalt werden. …
Frau Eller, auf Instagram zeigten sie sich vor wenigen Tagen aus sonnigen Weinbergen. Das sieht zauberhaft aus, doch eigentlich sollte es ja langsam kalt werden. Letztes Jahr blieb es dauerhaft mild. Es war der erste Winter, in dem es keinen Eiswein aus Deutschland gab. Ist zu befürchten, dass das in Zukunft häufiger der Fall sein wird? Definitiv. Mein Vater hat 2003 das letzte Mal Eiswein gemacht. Wir benötigen minus 7 Grad, wenn die Trauben vom Weinberg zur Kelterhalle transportiert und dort abgepresst werden. Das ist bei uns nicht mehr der Fall. Aus wirtschaftlichen Gründen ist die Herstellung von Eiswein deshalb immer risikoreicher. Denn um ihn zu produzieren, muss man die Traube – und die ist für uns bares Geld – am Stock hängen lassen. Und mit Pech sind die Trauben am Ende nichts mehr wert, weil man auf niedrige Temperaturen hofft und wartet. Im schlimmsten Fall ist dann ein Jahr Arbeit umsonst gewesen. Ihr Vater besaß vor Ihnen das Weingut. Wie nimmt er den Klimawandel wahr? Zwischen mir und meinem Vater liegen 30 Jahre. Damals fand die normale Ernte noch im November statt, manchmal musste sogar der Schnee von den Trauben geschüttelt werden. Mittlerweile ernten wir die Trauben im T-Shirt bei 30 Grad im September! Dieses Jahr war es erneut zu trocken, viele Trauben hatten Sonnenbrand. Wir mussten die Ernte manchmal sogar abbrechen aufgrund der hohen Temperaturen. Und die Zeit für die Ernte wird immer knapper. Wir müssen alles in vier Wochen erledigen, früher hatte man doppelt so lange Zeit. Durch den Klimawandel bleiben die Winter nicht nur mild, der Frühling setzt auch früher ein. Das Wachstum der Triebe an den Reben beginnt früher. Wenn dann nochmal die Eisheiligen im Mai kommen, können dadurch alle kleinen Triebe erfrieren und kaputtgehen. Das heißt für uns kein weiteres Wachstum, also keine Ernte der Trauben. Das wirtschaftliche Risiko steigt. Perspektivisch dürfte sich das bei den guten, handwerklichen Weinen wie den Ihrigen im Preis niederschlagen, oder? Um das auf Dauer stemmen zu können, muss man langfristig versuchen die Preise anzuheben. Weintrauben sind sehr empfindlich gegenüber klimatischen Veränderungen. Deshalb zeigen sich die Folgen des Klimawandels bei ihnen besonders früh. Mindestens die Hälfte der Anbaugebiete weltweit sei in Gefahr, berichten Forscher im Fachblatt “Proceedings of the National Academy of Sciences”. Winzer könnten die Entwicklung allerdings teilweise aufhalten, wenn sie die Weinsorten wechseln.

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