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Chinas Ex-Präsident Jiang Zemin mit 96 Jahren gestorben – einer der letzten Kritiker von Staatschef Xi Jinping

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Chinas Ex-Präsident Jiang Zemin ist gestorben. Er hatte das Land nach dem Blutbad auf dem Tiananmen-Platz 1989 übernommen und führte es zurück in die Welt.
Erstellt: 30.11.2022Aktualisiert: 30.11.2022, 15:09 Uhr
Von: Christiane Kühl
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Im Alter von 96 Jahren ist Chinas Ex-Präsident Jiang Zemin gestorben. Er hatte das Land nach dem Blutbad auf dem Tiananmen-Platz 1989 übernommen und führte es zurück in die Welt. Viele Menschen trauern.
Peking/München – Der Shanghaier Parteichef Jiang Zemin wurde im Sommer 1989 in einer Nacht- und Nebelaktion aus seiner Hafenmetropole nach Peking geflogen, um Generalsekretär der Kommunistischen Partei zu werden. Einer Partei, die gerade im Herzen der Hauptstadt Hunderte von Demonstrierenden hatte töten lassen. Die Welt wandte sich entsetzt ab. Doch nur zwölf Jahre später führte Jiang China die Welthandelsorganisation WTO und ließ mit Chinas reichen Selfmade-Unternehmern den einstigen „Klassenfeind“ in die Partei. Auch die Rückkehr der britischen Kronkolonie Hongkong nach China fiel in seine Amtszeit – sowie 2001 der Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele in Peking sieben Jahre später.
Jiang Zemin internationalisierte das Land trotz des Makels, den es durch das Massaker an der Demokratiebewegung erhalten hatte, in rasantem Tempo; er setzte auf Wachstum und lockerte die Zügel der Wirtschaft. Die Welt begann auf wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Riesenland zu setzen, das Blutbad verschwand aus der Tagespolitik. Jiang empfing schon bald Staatenlenker aus aller Welt; unter anderem traf er mehrfach die damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder. Die Chinesinnen und Chinesen wurden ermutigt, Fremdsprachen und vor allem Englisch zu lernen. Viele studierten im Ausland. Eisern aber blieb Jiang ebenso wie die meisten KP-Granden beim Herrschaftsanspruch der Partei. Politische Reformen oder mehr Meinungs- und Pressefreiheit waren für ihn tabu: „Chinas politisches System darf niemals erschüttert werden.“ Das Thema Menschenrechte bestimmte auch damals immer wieder die Beziehungen zum Westen.
Am Dienstag nun ist Jiang Zemin – Parteichef von 1989 bis 2002 sowie Staatspräsident von 1993 bis 2003 – mit 96 Jahren gestorben. Bis zuletzt soll er versucht haben, hinter den Kulissen Strippen zu ziehen, doch sein Einfluss sank parallel zum Machtzuwachs des heutigen starken Mannes Xi Jinping, der seit 2012 im Amt ist. Xi, so erscheint es derzeit, dreht vieles von dem wieder zurück, das Jiang und sein Ministerpräsident Zhu Rongji zur Jahrtausendwende angestoßen hatten: große Freiräume für Privatfirmen, Schließung maroder Staatsfirmen, größere individuelle Freiheiten – etwa bei Berufswahl oder Heirat, worüber in der Mao-Ära noch die Partei gewacht hatte. Heute bemüht sich die KP unter Xi, wieder mehr Einfluss zu bekommen auf Unternehmen und auf das Leben der Menschen. Wohin das führt, ist ungewiss.
Seit Monaten kursierten immer wieder Gerüchte um einen baldigen Tod Jiangs, zuletzt in der vergangenen Woche.

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