Der US-Präsident erklärt in einem desaströsen Interview, Mays Gegenspieler Boris Johnson würde einen tollen Premierminister abgeben.
US-Präsident Trump hatte die Briten und ihre Regierung schon oft wissen lassen, was er von ihnen hält. Es war nicht immer nett, um es vorsichtig zu formulieren. Was er aber dem britischen Revolverblatt „The Sun“ jetzt in einem Exklusiv-Interview mitzuteilen hatte, das sprengt mal wieder alle Grenzen. Kurz vor Mitternacht geht das Blatt mit der Geschichte am Donnerstagabend Online. Gerade rechtzeitig zum Ende des Galadinners in Blenheim Palace, dem Familiensitz des früheren Premierministers Winston Churchill. Premierministerin Theresa May hatte Trump dazu eingeladen. Der Treffen sollte vor allem schöne Bilder produzieren.
Es ist nicht sicher, ob Trump die britische Regierungschefin auf das Interview vorbereitet hat. Wenn, dann hätte er ihr fairerweise etwas sagen müssen, wie: Theresa, ich habe der Sun ein paar wenig nette Dinge über Dich gesagt. Und ich habe gesagt, dass Boris Johnson ein guter Premierminister wäre.
Wäre das Dinner ein Set für einen Hollywoodfilm, dann wäre das der Zeitpunkt gewesen, wo May dem US-Präsidenten eine Ohrfeige hätte geben müssen um danach wortlos den Saal zu verlassen.
May steckt gerade mitten in einer Regierungskrise. Vergangenen Freitag hat sie ihr Kabinett erst nach einer 12-stündigen Sitzung dazu gebracht, ihrem Plan für den Ausstieg aus der Europäischen Union zuzustimmen. Sie strebt eine Art Freihandelszone mit der EU an. Was die harte Brexit-Fraktion strikt ablehnt. Am Sonntag hat sie darüber ihren Brexit-Minister David Davis verloren. Am Montag trat auch ihr Außenminister Boris Johnson zurück. Jetzt steht ein Machtkampf zu befürchten, in dem Johnson versuchen könnte, May den Posten als Premierministerin streitig zu machen.
Und dann kommt Trump und stößt ihr verbal gleich mehrere Messer in den Rücken. Er habe May doch gesagt, wie sie die Verhandlungen mit der EU angehen soll, sagt er in dem Interview. „Aber sie war nicht einverstanden, sie hat nicht auf mich gehört.“ Stattdessen sei sie in die völlig entgegengesetzte Richtung gegangen. Trump hätte nämlich lieber gesehen, wenn Großbritannien den harten Brexit vollzieht. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Schon im US-Wahlkampf 2016 und noch vor dem britischen Brexit-Referendum hat Trump sich klar auf die Seite der Brexit-Befürworter gestellt. Was als Einmischung in die Angelegenheiten befreundeter Staaten betrachtet werden kann. Er hat den rechten Brexit-Populisten Nigel Farage hofiert. Und damit geliebäugelt, ihn zum US-Botschafter in London zu machen. Ein Affront sowohl gegen die regierenden Torys, als auch gegen die oppositionelle Labour-Party.
Und jetzt erklärt er May im Sun-Interview, wenn sie ihre weiche Linie gegenüber der EU fortsetze, dann würden die USA nur noch mit der EU über Handel reden.

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