<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":1049298,"date":"2018-06-18T20:57:00","date_gmt":"2018-06-18T18:57:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=1049298"},"modified":"2018-06-18T23:08:55","modified_gmt":"2018-06-18T21:08:55","slug":"der-skandal-erreicht-die-spitze","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/de\/2018\/06\/der-skandal-erreicht-die-spitze\/","title":{"rendered":"Der Skandal erreicht die Spitze"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Lange galt er im Dieselskandal als unantastbar \u2013 doch damit ist jetzt Schluss: Gestern lie\u00df die Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen Audi-Chef Rupert Stadler verhaften. Das Vorgehen der Justiz ist Zeichen einer neuen Entschlossenheit an die Autoindustrie \u2013 und bringt auch die Konzernchefs in Wolfsburg in Bedr\u00e4ngnis.<\/b><br \/>\nEs lagen scheinbar Welten zwischen Wolfsburg und Ingolstadt im September 2015. W\u00e4hrend Dieselgate \u00fcber die VW-Zentrale hereinbrach, f\u00fchlte sich Rupert Stadler 500 Kilometer weiter s\u00fcdlich offenbar sicher: Audi habe mit all dem wenig zu tun, lie\u00df der Chef der Konzerntochter verbreiten. Auch intern achteten die Audi-Leute auf Distanz zum pl\u00f6tzlich schmuddeligen Wolfsburg \u2013 noch mehr als sonst. Als die US-Umweltbeh\u00f6rde EPA im November auch Vorw\u00fcrfe wegen eines Audi-Diesels erhob, kam das Dementi aus Ingolstadt blitzschnell und glasklar. Es war nur leider falsch.<br \/>Seit jenen Tagen ist der Mann, der am liebsten mit allem nichts zu tun haben wollte, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck immer tiefer in den Skandalstrudel geraten. Die Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen, gest\u00e4hlt im Siemens-Schmiergeldskandal und der MAN-Korruptionsaff\u00e4re, hat die Daumenschrauben immer weiter angezogen. Im Fr\u00fchjahr 2017 lie\u00df sie die Audi-Zentrale durchsuchen, w\u00e4hrend der Chef nebenan in einer Pressekonferenz die Unternehmensbilanz pr\u00e4sentierte. Im Februar 2018 folgten Hausdurchsuchungen, seit Anfang Juni werden Stadler und ein weiterer nicht genannter Audi-Vorstand als Beschuldigte gef\u00fchrt. Und seit Montag fr\u00fch sitzt Stadler in Haft.<br \/>Es habe Hinweise gegeben, \u201edass die Gefahr einer Verdunkelungshandlung besteht. Und das hat zu dem Haftbefehl gef\u00fchrt\u201c, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft \u2013 im \u00dcbrigen schweigen die Ermittler. Die Vorw\u00fcrfe lauten auf Betrug und mittelbare Falschbeurkundung im Zusammenhang mit manipulierter Abgastechnik. Audi soll in den USA und Europa von 2009 an rund 220 000 Dieselautos mit Schummelsoftware verkauft haben.<br \/>Dass die Staatsanwaltschaft jetzt die schweren Gesch\u00fctze auff\u00e4hrt, d\u00fcrfte auch mit einer Mitteilung des Kraftfahrt-Bundesamts zu tun haben: Vor zwei Wochen hat die Beh\u00f6rde Audi zum R\u00fcckruf mehrerer Modelle verdonnert. Und dabei geht es nicht um alte Autos aus der Zeit vor 2015, sondern um aktuelle Euro-6-Diesel. Dass mitten in der Aufarbeitung des Skandals noch Motoren mit Abschalteinrichtung verkauft wurden, k\u00f6nnte das Fass zum \u00dcberlaufen gebracht haben.<br \/>Das d\u00fcrfte auch f\u00fcr die Konzernspitze gelten. Als sich am Montagmittag der VW-Aufsichtsrat zur lange geplanten Routinesitzung traf, war die Tagesordnung hinf\u00e4llig. Um Stadler werde es nicht gehen, hatte es in der vergangenen Woche noch gehei\u00dfen. Der 55-J\u00e4hrige gilt zwar seit Monaten als angez\u00e4hlt, aber vor allem die Familien Porsche und Pi\u00ebch hielten zu ihrem langj\u00e4hrigen Vertrauten. Gerade erst hat Stadler seine Position gefestigt: Der neue Konzernchef Herbert Diess lie\u00df ihn nicht nur im Amt, er machte Stadler vor zwei Monaten auch noch zum Konzernverantwortlichen f\u00fcr den Vertrieb. Der VW-Aufsichtsrat tagte bis in den Abend hinein, aber an einer Beurlaubung Stadlers f\u00fchrt kein Weg vorbei. Ein endg\u00fcltiger Rauswurf ist dagegen schwierig: Mit dem Inhaftierten, f\u00fcr den weiter die Unschuldsvermutung gilt, kann derzeit niemand \u00fcber eine Vertragsaufl\u00f6sung verhandeln.<br \/>Zun\u00e4chst sah es so aus, als sei Audi nur durch die bei VW eingekauften Motoren vom Dieselskandal betroffen. Doch inzwischen ist ein bei Audi entwickelter Sechszylinder-Diesel in den Fokus ger\u00fcckt, das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat zwei R\u00fcckrufe eingeleitet. Zu deren aktuellen Stand konnte das Amt gestern allerdings nichts sagen. Bei Pflichtr\u00fcckrufen bekommt der Autohersteller vom KBA die Adressen der Autobesitzer und schreibt sie an. Man muss also nicht von sich aus in die Werkstatt fahren. Ein \u00dcberblick:<br \/>R\u00fcckruf 1: Der inzwischen ber\u00fchmt gewordene Vierzylinder-Dieselmotor EA 189 von Volkswagen wurde auch in diversen Modellen der Konzernschwester Audi aus den Jahren 2008 bis 2015 eingesetzt. Mit 1,6 und zwei Litern Hubraum findet sich das Euro-5-Aggregat mit manipulierter Software in den Modellen A1, A3, A4 und A6, TT, Q3 und Q5. Es geht um rund zwei Millionen Autos weltweit, etwa ein Viertel davon in Deutschland. Ihr Fehler: Die Software erkennt, wenn das Fahrzeug auf dem Pr\u00fcstand steht, und setzt nur dann die Abgasreinigung voll ein. Auf der Stra\u00dfe wird sie teilweise abgeschaltet. Beim gr\u00f6\u00dferen Motor wird neue Software aufgespielt, beim kleineren zus\u00e4tzlich ein Kunststoffteil im Ansaugtrakt eingesetzt. Wie bei VW ist die Nachbesserung weit fortgeschritten.<br \/>R\u00fcckruf 2: Anfang 2018 hat das KBA angeordnet, weltweit rund 127 000 Autos mit Sechszylinder-Dieselmotoren der Abgasnorm Euro 6 in die Werkstatt zu rufen. In Deutschland geht es nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums um 77 600 Fahrzeuge. Die gro\u00dfe Maschine mit drei Litern Hubraum wird in den Modellen A4, A5, A6, A7, A8, Q5, SQ5 und Q7 angeboten. Bei diesem Motor monierten die USA drei Abschaltvorrichtungen, das KBA gibt dazu keine Auskunft. Es geht offenbar um ein Heizsystem, ohne das die Abgasreinigung nur bedingt funktioniert, und um die eingespritzte Menge des Zusatzstoffes Adblue.<br \/>R\u00fcckruf 3: Vor zwei Wochen teilte das KBA mit, dass ein R\u00fcckruf f\u00fcr weitere Fahrzeuge mit dem gro\u00dfen Euro-6-Diesel n\u00f6tig sei. Es gehe um insgesamt 60 000 Audi A6 und A7, gut die H\u00e4lfte davon in Deutschland. Beide R\u00fcckrufe sind sogenannte verpflichtende R\u00fcckrufe, bei denen Audi dem KBA zun\u00e4chst seine technische L\u00f6sung pr\u00e4sentieren muss. Ist sie genehmigt, muss die Umr\u00fcstung unverz\u00fcglich beginnen und in 18 Monaten abgeschlossen werden.<br \/>Nachbesserung: Im August vergangenen Jahres hatten die deutschen Hersteller zugesagt, insgesamt 5,3 Millionen Autos der Schadstoffklassen Euro 5 und 6 mit Software nachzur\u00fcsten, die daf\u00fcr sorgen soll, dass die Autos die Emissionsgrenzwerte auch auf der Stra\u00dfe einhalten. Hier sind auch die Autos des Volkswagen-Konzerns enthalten, die wegen des Dieselskandals ohnehin umger\u00fcstet werden m\u00fcssen.<br \/>Mit der Verhaftung ist der Mythos des Unantastbaren dahin. Auf Stadlers Abl\u00f6sung haben schon viele gewettet \u2013 und immer verloren. Schon vor Dieselgate galt er als angeschlagen, weil Audi in seiner bisher elfj\u00e4hrigen Amtszeit dem eigenen Anspruch \u201eVorsprung durch Technik\u201c nicht immer gerecht wurde. Der damalige Konzernchef Martin Winterkorn \u00e4tzte, dass so etwas wie der Tesla aus Ingolstadt h\u00e4tte kommen m\u00fcssen. Hektisch wurden Entwicklungsvorst\u00e4nde zu Audi geschickt und wieder abgezogen, was der Sache nicht half. Stadler sei nun einmal Zahlenmensch, kein Ingenieur.<br \/>Trotzdem hat er im VW-Konzern Karriere gemacht, als der Ingenieur dort die Krone der Sch\u00f6pfung war. Daf\u00fcr sorgte Ferdinand Pi\u00ebch, der den jungen Mann Anfang der Neunzigerjahre von Audi in die Wolfsburger Zentrale holte. \u201eLeiter des Generalsekretariats\u201c, also oberster Zuarbeiter des Vorstandsvorsitzenden, wurde Stadler, von dem ein damaliger Kollege sagt, er sei \u201eein Buchhaltertyp\u201c. Doch Stadler setzte sich durch, er kombinierte die geborgte Macht vom Chef mit Intellektualit\u00e4t und der Bodenst\u00e4ndigkeit des Bauernsohns aus Oberbayern.<br \/>Pi\u00ebch steuerte den Weg seines Mitarbeiters, wie er es einmal am Beispiel des Osmanischen Reichs erkl\u00e4rt hat: Die Herrscher h\u00e4tten ihr Weltreich zusammengehalten, indem sie begabte Kinder aus den Provinzen nach Konstantinopel holten, dort erzogen und ausbildeten und sp\u00e4ter als Statthalter in die Heimatprovinz zur\u00fcckschickten, dozierte Pi\u00ebch einmal in kleiner Runde. Stadler wurde Finanzchef in Ingolstadt, 50 Kilometer von seinem Geburtsort entfernt.<br \/>Und nicht nur das: Bis Ende 2016 sa\u00df Stadler im Vorstand der Pi\u00ebch-Stiftungen, die dessen damalige Beteiligungen an Porsche und damit auch VW verwalteten. Wer in den vergangenen Monaten fragte, warum Stadler im Gegensatz zu anderen Skandalopfern noch im Amt sei, h\u00f6rte sinngem\u00e4\u00df: Er kenne jeden und wisse alles.<br \/>Auch nach dem turbulenten Abgang Piechs galt Stadler den Familien als Garant ihrer Interessen und der Stabilit\u00e4t in ihrem durchger\u00fcttelten Konzern. Da die Pi\u00ebchs und Porsches zusammen die Stimmenmehrheit bei VW haben, liefen alle internen Vorst\u00f6\u00dfe gegen Stadler ins Leere. Der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh dringt schon lange auf seine Abl\u00f6sung, doch der Vertrag wurde noch verl\u00e4ngert, als schon der Staatsanwalt bei Audi gastierte.<br \/>Die Staatsanwaltschaft hat diesen konzerninternen Schutzschirm nun eingerissen. Erste Flecken zeigte die wei\u00dfe Weste schon Ende November 2015. Da musste Audi nach entsprechenden Vorw\u00fcrfen der US-Umweltbeh\u00f6rde eingestehen, dass ein Sechszylinder-Diesel mit drei Litern Hubraum eine Software enthalte, die nach US-Recht als Abschalteinrichtung gilt, um Stickoxidwerte auf dem Pr\u00fcfstand besser aussehen zu lassen als auf der Stra\u00dfe.<br \/>Audi hatte das kategorisch abgestritten, der VW-Konzern im Vertrauen darauf alle Vorw\u00fcrfe zur\u00fcckgewiesen: Es sei \u201ekeine Software installiert&#8230;, um die Abgaswerte in unzul\u00e4ssiger Weise zu ver\u00e4ndern\u201c. Da habe sich der Audi-Kollege aber weit vorgewagt, hie\u00df es sofort ahnungsvoll in Wolfsburg. Wenig sp\u00e4ter musste Stadler zur\u00fcckrudern \u2013 und hatte in der Konzernzentrale fortan einige Freunde weniger. Auch bei Porsche war man \u201enot amused\u201c, denn den Dieselmotor f\u00fcr den Gel\u00e4ndewagen Cayenne kauften die Zuffenhausener bei den au\u00dferordentlich selbstbewussten Audi-Kollegen \u2013 und mit ihm den Abgas\u00e4rger. Den VW-Betriebsrat schlie\u00dflich verlor Stadler sp\u00e4testens, als er falsche Ausk\u00fcnfte seiner Mitarbeiter ins Feld f\u00fchrte.<br \/>Einer von ihnen ist nun sein gr\u00f6\u00dftes Problem. Ulrich Wei\u00df, der fr\u00fchere Leiter der Diesel-Entwicklung bei Audi, hat vor dem Arbeitsgericht gegen seinen Rauswurf geklagt. Inzwischen hat er sich mit seinem ehemaligen Arbeitgeber auf einen Vergleich geeinigt und schweigt. Aber zuvor hat er an einem Umstand keinen Zweifel gelassen: Stadler habe von den Abgasmanipulationen gewusst, angeblich schon 2010. Stadler bestreitet das. Gestritten wird vor allem \u00fcber eine Pr\u00e4sentation zur Abgastechnik bei den US-Beh\u00f6rden im Herbst 2015. Aus einer Vorlage von Wei\u00df f\u00fcr diesen Termin sollen vorab heikle Punkte gestrichen worden sein. Allerdings haben die sonst wenig zimperlichen US-Ermittler Stadler nie pers\u00f6nlich beschuldigt.<br \/>Das \u00fcbernehmen nun die M\u00fcnchner Kollegen. Nachdem die Braunschweiger Staatsanwaltschaft erst vor wenigen Tagen ein Milliardenbu\u00dfgeld gegen VW verh\u00e4ngt hat, ist die Festnahme der zweite \u00fcberraschende Schlag der Justiz, die sich lange anh\u00f6ren musste, den Dieselskandal zu tr\u00e4ge abzuarbeiten.<br \/>Sp\u00e4testens am Mittwoch soll Stadler vernommen werden, hei\u00dft es. Wie lange sich das Verfahren hinziehen wird, ist offen. Doch eine R\u00fcckkehr Stadlers an die Audi-Spitze ist schwer vorstellbar. Herbert Diess, seit April Chef des VW-Konzerns und Aufsichtsratsvorsitzender bei Audi, bringt das in die Zwickm\u00fchle. Er muss die Unschuldsvermutung achten, kann sich bei Audi aber keine H\u00e4ngepartie leisten. Medien berichteten gestern Nachmittag, dass Audi-Vertriebschef Bram Schot \u2013 fr\u00fcher Vertriebschef bei VW Nutzfahrzeuge \u2013 vorerst die F\u00fchrung \u00fcbernehmen solle. Es w\u00e4re aber erstaunlich, wenn Diess keine andere L\u00f6sung im Hinterkopf h\u00e4tte. Schlie\u00dflich pilgert er seit zwei Monaten durch den Konzern und predigt den Neuanfang \u2013 mit Leuten ohne Skandallast auf den Schultern.<br \/>Von Stefan Winter<\/p>\n<div id=\"td_post_ranks_tmp\" class=\"td-post-comments\" style=\"vertical-align: middle;display:none;\">\n<div style=\"float: left;\">Similarity rank: 4.3<\/div>\n<\/div>\n<p><script>\n\/*jQuery(function() {\nvar mainContentMetaInfo = '.td-post-header .meta-info';\nvar tdPostRanks = '#td_post_ranks';\nif (jQuery(tdPostRanks).length) {\n    var tdPostRanksHtml = jQuery(tdPostRanks).get(0).outerHTML;\n    if (typeof tdPostRanksHtml != 'undefined') {\n        jQuery(tdPostRanks).remove();\n        jQuery(mainContentMetaInfo).append(tdPostRanksHtml);\n    }\n}\n});*\/\n<\/script><span>\u00a9 Source: <a href=\"http:\/\/www.haz.de\/Nachrichten\/Wirtschaft\/Deutschland-Welt\/Der-Dieselskandal-erreicht-die-Audi-Spitze\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.haz.de\/Nachrichten\/Wirtschaft\/Deutschland-Welt\/Der-Dieselskandal-erreicht-die-Audi-Spitze<\/a><br \/>\nAll rights are reserved and belongs to a source media.<\/span><\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").remove();});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange galt er im Dieselskandal als unantastbar \u2013 doch damit ist jetzt Schluss: Gestern lie\u00df die Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen Audi-Chef Rupert Stadler verhaften. 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