<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":1945472,"date":"2021-07-14T10:33:00","date_gmt":"2021-07-14T08:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=1945472"},"modified":"2021-07-14T11:13:40","modified_gmt":"2021-07-14T09:13:40","slug":"funf-schmeisfliegen-fur-die-ewigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/de\/2021\/07\/funf-schmeisfliegen-fur-die-ewigkeit\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Schmei\u00dffliegen f\u00fcr die Ewigkeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ob ein umstrittenes Kirchenfenster in Hannover wirklich eingebaut wird, muss noch ein Gericht entscheiden. K\u00fcnstler L\u00fcpertz und Stifter&#8230;<\/b><br \/>\nA ls Gerhard Schr\u00f6der etwa zum vierten Mal sagt, das Kirchenfenster sei wirklich toll geworden \u2013 \u201egro\u00dfe Kunst\u201c \u2013, erg\u00e4nzt Markus L\u00fcpertz: \u201eUnabh\u00e4ngig davon, dass ich es gemacht habe, das ist eine tolle Arbeit. Ich habe das gut gezeichnet, und glasmalerisch ist das eine wunderbare Umsetzung.\u201c Dabei klopft er Rainer Schmitt auf die Schulter, dem Chef von Glasstudio Derix (P\u00e4pstliche Hofglasmalerei seit 1908). Man ist an diesem Nachmittag im hessischen Taunusstein, wo in vielen Arbeitsschritten in mehr als einem Jahr das Buntglasfenster gefertigt wurde, ziemlich zufrieden mit sich und der eigenen Arbeit. Zur formalen Abnahme sind neben den Stiftern, zu denen Kanzler a.D. Schr\u00f6der z\u00e4hlt, auch Vertreter der evangelischen Kirche gekommen und L\u00fcpertz selbst. Nur eine Stelle, sie sticht ihm nach ein paar Minuten ins Auge, missf\u00e4llt ihm: \u201eDas muss noch dunkler werden.\u201c Notiert, wird gemacht. Es ist ein monumentales Werk: Die zwei sechs Meter hohen Teile des Kirchenfensters h\u00e4ngen in der Werkstatt. Eines Tages, wenn sie an ihrem Bestimmungsort eingebaut werden, sollen sie zusammen ein zw\u00f6lf Meter hohes Fenster ergeben. Wann genau, tja, schwer zu sagen \u2013 der Rechtsstreit um diese Frage ist j\u00fcngst in Revision gegangen. Der Stiefsohn des Architekten der 1952 wieder aufgebauten Marktkirche in Hannover findet, dass L\u00fcpertz\u2019 Buntglasfenster nicht zum Ambiente des schlichten Kirchenraums passe, und klagte dagegen. Auch manchen Gemeindemitgliedern missfiel der Entwurf. Was also gibt es zu sehen? Zun\u00e4chst wehrt L\u00fcpertz sich (\u201eJeder soll sich selbst Gedanken machen\u201c), dann liefert er bereitwillig eine Bildbeschreibung: \u201eDa oben, die sch\u00f6ne Frau, das ist der Tod, der die Arme ausstreckt\u201c, darunter im Feuer \u201edas ist der Beelzebub\u201c. Dann kommen f\u00fcnf dicke Schmei\u00dffliegen, die \u00fcber und um Reformator Martin Luther kreisen und die Irritationen ausl\u00f6sten. Der Superintendent des Hannoveraner Stadtkirchenverbandes, Rainer M\u00fcller-Brandes, erw\u00e4hnt die Kritik blo\u00df, um sie gleich zu entkr\u00e4ften. L\u00fcpertz f\u00e4llt ihm ins Wort: \u201eIch verstehe das gar nicht. Was haben die Leute denn darin gesehen?\u201c Er habe doch nur jene Fliegen aufgegriffen, auf die Luther laut \u00dcberlieferung bei der \u00dcbersetzung der Bibel das Tintenfass geworfen habe \u2013 eine Erwiderung gegen den Teufel. M\u00fcller-Brandes findet es auch alles andere als \u201egeschmacklos\u201c, so der Vorwurf, es sei viel mehr ein \u201esehr \u00e4sthetisches Fenster\u201c. Sp\u00e4ter, als die anderen Prosecco trinken und er Rotwein, hebt der K\u00fcnstler an: Es sei wie der Mozart, den er f\u00fcr Salzburg geschaffen habe \u2013 erst h\u00e4tten sich viele gegen die (etwas unf\u00f6rmige) Skulptur gewehrt, heute g\u00e4be es \u201esicher Proteste, wenn sie wegk\u00e4me\u201c. Den Protest in Hannover, der j\u00fcngst wieder aufflammte, f\u00e4ngt M\u00fcller-Brandes ein: \u201eGut evangelisch: Es gibt unterschiedliche Positionen, aber eine demokratische Entscheidung, an die wir uns halten.\u201c Eine breite Mehrheit des Kirchenvorstandes habe f\u00fcr den Einbau gestimmt. Manche in der Gemeinde st\u00f6rte wohl auch das Engagement des Altkanzlers. Der Vorwurf: Baut er sich ein Denkmal in Fensterform? Bei der Abnahme ist Schr\u00f6der, sonst nicht gerade introvertiert, die meiste Zeit still. Als seine Frau So-yeon Schr\u00f6der-Kim ihn vor dem Entwurf und dem Fenster allein fotografieren will, sagt er immer wieder: \u201eAch, lass mal.\u201c Er wolle ja nicht gro\u00df Aufhebens machen. Gruppenfotos werden dann jedoch viele gemacht. Als alle aufgereiht stehen, murmelt L\u00fcpertz: \u201eDa wird der Familienausflug perfekt!\u201c Gut 15 Jahre sei es her, dass er die Begeisterung f\u00fcr das Licht entdeckt habe. Die Gefahr sei gro\u00df, dass bei den Fenstern Kitsch entstehe, weil sie an sich so sch\u00f6n seien. Wichtig ist L\u00fcpertz, dass alles wie im Mittelalter hergestellt wird: von der Glasherstellung \u00fcber den Zuschnitt, das Ver\u00e4tzen der Farbschichten und die Konturen, die durch das Verl\u00f6ten geschaffen werden. Es gebe keine neue Kunst, nur neue K\u00fcnstler. Im alten Metier stelle er sich \u201edem Vergleich mit K\u00fcnstlern aus dem 12. oder 13. Jahrhundert\u201c. Auf Jahrhunderte, gar tausend Jahre beziffern die Kunsthandwerker die Haltbarkeit. L\u00fcpertz nickt. Bleibt nur das Gerichtsverfahren. Das Landgericht Hannover hatte entschieden, dass Religionsfreiheit und Selbstbestimmungsrecht h\u00f6her zu werten seien als das Urheberrecht des Architekten. \u201eDa haben die Richter ein schlaues Urteil gef\u00e4llt\u201c, findet Schr\u00f6der. Der Kl\u00e4ger aber legte Revision ein. Dass in ihrem Sinne entschieden wird, davon sind in Taunusstein alle Beteiligten \u00fcberzeugt. Wann genau, das ist fast unerheblich. Es ist ja sowieso ein Projekt f\u00fcr die Ewigkeit.<\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\".vc_icon_element-icon\").css(\"top\", \"0px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").css(\"height\", \"10px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob ein umstrittenes Kirchenfenster in Hannover wirklich eingebaut wird, muss noch ein Gericht entscheiden. 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