<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":1951811,"date":"2021-07-23T10:42:00","date_gmt":"2021-07-23T08:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=1951811"},"modified":"2021-07-23T11:12:23","modified_gmt":"2021-07-23T09:12:23","slug":"umdenken-durch-nord-stream-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/de\/2021\/07\/umdenken-durch-nord-stream-2\/","title":{"rendered":"Umdenken durch Nord Stream 2"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Nord Stream 2 ist beschlossen. Nun soll die Ukraine mit deutscher Hilfe zum Exporteur gr\u00fcner Energie werden. Experte Andreas Kuhlmann sagt, warum dieses Projekt unbedingt gelingen muss.<\/b><br \/>\nMehr als eine Milliarde Euro pro Jahr verdient die Ukraine am Transit von russischem Gas durch ihr Territorium nach Europa. Doch k\u00fcnftig soll die Ostseepipeline Nord Stream 2 direkt Gas aus Russland nach Deutschland bringen. Der Ukraine brechen dadurch nicht nur Einnahmen weg. Das Land f\u00fcrchtet auch geopolitische Nachteile, wenn Moskau keine R\u00fccksicht mehr auf den Gastransit nehmen muss. Deutschland hat sich nun verpflichtet, rund 150 Millionen Euro in einen Fonds zu investieren, mit dem der Ausbau sauberer Energie in der Ukraine gef\u00f6rdert werden soll. Die Zahlung ist ein Zugest\u00e4ndnis an US-Pr\u00e4sident Joe Biden, dem Russlands Einflussgewinn durch Nord Stream 2 missf\u00e4llt. F\u00fcr die Ukraine indes ist das Geld eine willkommene Unterst\u00fctzung: Sie will sich ohnehin zum Gro\u00dfproduzenten f\u00fcr erneuerbare Energien aufschwingen und sich dadurch neue Einnahmequellen erschlie\u00dfen und unabh\u00e4ngiger von Wladimir Putins Gas werden. Zuletzt allerdings stockte der ukrainische \u00d6kostrom-Boom. Gr\u00fcne Energieerzeuger blieben auf unbezahlten Rechnungen sitzen, weil der Staat ihnen zwar Wind- und Solarstrom abkaufte, daf\u00fcr aber teils nicht p\u00fcnktlich zahlte. Auch die Energieminister des Landes wechselten mehrfach. Die staatliche Deutsche Energieagentur (Dena) ber\u00e4t die Bundesregierung im Rahmen der deutsch-ukrainischen Energiepartnerschaft. Ihr Chef Andreas Kuhlmann sagt, warum Investoren derzeit in der Ukraine vorsichtig sein sollten \u2013 und warum er die deutsche Finanzspritze dennoch prinzipiell richtig findet. SPIEGEL: Deutschland hat der Ukraine Unterst\u00fctzung beim Aufbau eines gr\u00fcneren Energiesektors zugesagt. In welche Projekte sollte Geld flie\u00dfen? Kuhlmann: Die Potenziale im Bereich erneuerbare Energien sind in der Ukraine immens. Im S\u00fcden des Landes gibt es viel Wind und Sonne, dazu gro\u00dfe Fl\u00e4chen. Das gilt auch f\u00fcr die Bioenergie. Auch im Bereich Wasserstoff verspricht man sich vieles. SPIEGEL: Und wie viel Geld ist n\u00f6tig? Kuhlmann: Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, welche Summen was bewirken k\u00f6nnen: Zwischen 2014 und 2020 haben sich die Erneuerbaren-Kapazit\u00e4ten in der Ukraine von knapp einem Gigawatt auf 8,5 Gigawatt mehr als verachtfacht. Daf\u00fcr wurden acht Milliarden Euro investiert. Dann aber ist der Ausbau ins Stocken geraten. SPIEGEL: Es gibt Kritik an unsolider Planung. Und Berichte, dass der Staat\u00bbgr\u00fcnen Stromproduzenten\u00ab immense Summen schuldet. Woran hakt es in der Ukraine? Kuhlmann: Vor allem an den politischen Rahmenbedingungen. Die Leitung des Energieministeriums wechselte mehrfach. Es gibt ungekl\u00e4rte Fragen \u00fcber ein Abnahmegesetz f\u00fcr erneuerbaren Strom. Man lernt aus alledem: Geld allein wird es nicht richten. Wenn wir Partnerschaften mit L\u00e4ndern wie der Ukraine eingehen, m\u00fcssen wir auch einen starken Fokus auf Regulatorik, Marktmechanismen, Integration von erneuerbaren Energien und Beratung legen. SPIEGEL: Die Dena ist vom Bundeswirtschaftsministerium damit beauftragt worden, die Zusammenarbeit mit der Ukraine in Energiefragen voranzutreiben. Wie verhindern Sie, dass Steuergelder aus Deutschland in zweifelhaften Projekten versickern? Kuhlmann: Im Rahmen der Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und der Ukraine wird nat\u00fcrlich auch \u00fcber rechtliche Sicherheit und Garantien f\u00fcr Investoren gesprochen. Was wir uns nicht erlauben k\u00f6nnen, ist eine Situation, wie wir sie gegenw\u00e4rtig haben: ungekl\u00e4rte Fragen, offene Rechnungen. Das zerst\u00f6rt Vertrauen und wird zu Recht von ausl\u00e4ndischen Investoren aber auch in der Ukraine selbst heftig kritisiert. SPIEGEL: Die Ukraine muss also erst einmal in Vorleistung gehen? Kuhlmann: Die Ukraine hat sehr gute Analysen, was im Energiebereich getan werden muss. In der Umsetzung muss es aber besser werden. Es gibt viele Investoren, die Interesse rund um das Zukunftsthema gr\u00fcnen Wasserstoff haben. Es gibt auch Pilotprojekte, in denen sie unmittelbar und direkt t\u00e4tig werden k\u00f6nnten. Wasserstoff wird aber nur funktionieren, wenn der Ausbau der Erneuerbaren gezielt und strukturiert vorangetrieben wird. SPIEGEL: Warum? Kuhlmann: Wir wollen klimaneutralen Wasserstoff in der EU und in Deutschland beziehen. Nicht Wasserstoff, der mit fossilen Energietr\u00e4gern erzeugt wird. Ich habe die Hoffnung, dass sich mit der Nord-Stream-2-Vereinbarung der Fokus in der Ukraine wieder mehr auf das Thema Klimaschutz und erneuerbare Energien richtet. Dieser ist zuletzt etwas verloren gegangen. SPIEGEL: Sie spielen darauf an, dass die Ukraine 2020 die Gasf\u00f6rderung erh\u00f6ht und in Kohlekraftwerke investiert hat. Wie kam es dazu? Kuhlmann: Es gibt aus Sicht der Ukraine mit Blick auf Russland gro\u00dfes Interesse an mehr Unabh\u00e4ngigkeit beim Thema Energie. Das kann man nachvollziehen. SPIEGEL: W\u00e4re mehr \u00d6kostrom da nicht eine Chance? Kuhlmann: Ja. Die Ukraine braucht ein viel flexibleres Energiesystem und muss sich st\u00e4rker auf ein erneuerbares Energiesystem ausrichten. SPIEGEL: Warum sieht die Ukraine beim gr\u00fcnen Wasserstoff so gro\u00dfes Potenzial? Kuhlmann: Durch die N\u00e4he zu Deutschland und der EU, wo gro\u00dfe Kapazit\u00e4ten gebraucht werden und nat\u00fcrlich auch aufgrund ihres hohen Potenzials an erneuerbaren Energien. Die Ukraine hat zudem eine bestehende Infrastruktur, \u00fcber deren Nutzung man sich Gedanken machen kann. SPIEGEL: Sie meinen die Gaspipelines? Kuhlmann: Richtig. Man kann zwar nicht von heute auf morgen statt Erdgas gr\u00fcnen Wasserstoff da durchlaufen lassen. Mittelfristig aber lassen sich diese Leitungen daf\u00fcr umr\u00fcsten, und bis dahin kann man einen gewissen Anteil an Wasserstoff auch dem Gas beimischen. SPIEGEL: Die Ukraine hat sich ehrgeizige Ziele bei den erneuerbaren Energien gesetzt. Bis 2035 sollten sie rund 25 Prozent des gesamten Energiebedarfs decken. Ist das realistisch? Kuhlmann: Die Rahmenbedingungen sind eigentlich g\u00fcnstig. Es gibt in der Ukraine eine partei\u00fcbergreifende Arbeitsgruppe\u00bbSaubere Energie\u00ab und viele Akteure, die etwas bewegen wollen. Auch viele EU-L\u00e4nder wollen die Ukraine unterst\u00fctzen. Aber die regulatorischen Unsicherheiten stehen einem z\u00fcgigen Ausbau aktuell im Weg. SPIEGEL: W\u00fcrden Sie privaten Investoren die Ukraine in Sachen Erneuerbare dennoch ans Herz legen? Kuhlmann: Die gerade geschilderten Probleme m\u00fcssen nat\u00fcrlich gekl\u00e4rt werden. Aber die Ukraine ist definitiv ein interessantes Investitionsgebiet. Es gibt eine sehr interessierte Bev\u00f6lkerung, ein hohes Ausbildungsniveau, die N\u00e4he zur EU und eben enorme Potenziale. Wenn es uns nicht gelingt, Energiewende und Klimaschutz in einem Land wie der Ukraine begleitend hinzubekommen, dann wird es global nicht funktionieren. SPIEGEL: H\u00e4ngt die Energiewende in Deutschland auch von der Ukraine ab? Kuhlmann: Ich bin \u00fcberzeugt, dass wir ohne Wasserstoff die Klimaziele bis 2045 nicht hinbekommen werden. Wir werden viel Wasserstoff ben\u00f6tigen, und ein gro\u00dfer Anteil wird nicht aus Deutschland und der EU kommen. Wir sind angewiesen auf Importe aus den unterschiedlichsten L\u00e4ndern. Die Ukraine w\u00e4re ein guter Partner. SPIEGEL: K\u00f6nnte der Nord-Stream-2-Kompromiss also am Ende sogar ein Gewinn f\u00fcr die Ukraine sein? Kuhlmann: Der Nord-Stream-2-Kompromiss ist zun\u00e4chst f\u00fcr viele in der Ukraine eine Entt\u00e4uschung. Aber es wird vielleicht dazu f\u00fchren, dass sich der Fokus wieder auf die erneuerbaren Energien richtet. Wenn das am Ende zu einer positiven Neubewertung in der Ukraine f\u00fchrt, w\u00fcrde mich das freuen. Aber die kommt nicht von selbst. Da sind wir in der Verantwortung zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\".vc_icon_element-icon\").css(\"top\", \"0px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").css(\"height\", \"10px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nord Stream 2 ist beschlossen. Nun soll die Ukraine mit deutscher Hilfe zum Exporteur gr\u00fcner Energie werden. Experte Andreas Kuhlmann sagt, warum dieses Projekt unbedingt gelingen muss. Mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr verdient die Ukraine am Transit von russischem Gas durch ihr Territorium nach Europa. 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