<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":2001119,"date":"2021-10-01T15:53:00","date_gmt":"2021-10-01T13:53:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=2001119"},"modified":"2021-10-01T17:17:31","modified_gmt":"2021-10-01T15:17:31","slug":"die-verteufelung-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/de\/2021\/10\/die-verteufelung-geht-weiter\/","title":{"rendered":"Die Verteufelung geht weiter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Seit einigen Wochen d\u00fcrfen Abtreibungen in Mexiko nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden. Doch betroffenen Frauen nutzt die h\u00f6chstrichterliche Entscheidung wenig: Hetze und Diskriminierung gehen weiter. <em>Von Anne Demmer. <\/em><\/b><br \/>\nSeit einigen Wochen d\u00fcrfen Abtreibungen in Mexiko nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden. Doch betroffenen Frauen nutzt die h\u00f6chstrichterliche Entscheidung wenig: Hetze und Diskriminierung gehen weiter. So hetzte der Priester L\u00e1zaro Hern\u00e1ndez w\u00e4hrend eines Gottesdienstes vor seiner Gemeinde in Coahuila. Kurz zuvor hatte der Oberste Gerichtshof in Mexiko entschieden, dass Abtreibung kein Verbrechen mehr ist. Zwar ging es bei dem Urteil nur um einen Paragrafen im n\u00f6rdlichen Bundesstaat Coahuila, jedoch hat der Urteilsspruch Auswirkungen auf die Rechtsprechung im ganzen Land. Mexiko wird damit zum bev\u00f6lkerungsreichsten Land mit katholischer Mehrheit, in dem die Abtreibung entkriminalisiert wird. Demnach d\u00fcrfen Abtreibungen im Fr\u00fchstadium der Schwangerschaft sowie bei Vergewaltigung, Gef\u00e4hrdung der Gesundheit der Schwangeren oder lebensunf\u00e4higem F\u00f6tus nicht unter Strafe gestellt werden. Legal sind sie in 28 Bundesstaaten deshalb trotzdem noch nicht. Zudem wurde ein Gesetz gekippt, das es medizinischem Personal erlaubt, Abtreibungen aus Gewissensgr\u00fcnden abzulehnen. Das sei ein wichtiges Signal, allerdings nur ein erster Schritt. Aussagen wie die des Priesters seien keine Ausnahme, sagt Luz Mar\u00eda Reyes, Frauenrechtsanw\u00e4ltin aus Veracruz, einem der vier Bundesstaaten, in denen Abtreibung legal ist: &#8222;Gestern habe ich erfahren, dass das Gesundheitspersonal des Bundesstaates Veracruz bereits angewiesen wurde, dass jede Frau, die eine Abtreibung in Anspruch nehmen will, diese auch erhalten muss. Aber das eine ist die Anweisung. Die Diskriminierung der Frauen, die abtreiben wollen, geht weiter.&#8220; Viele Frauen setzten sich deswegen nach wie vor gro\u00dfen Gefahren aus, wenn sie unter zweifelhaften Bedingungen eine Abtreibung vorn\u00e4hmen. Es mangele nach wie vor an Fachkenntnissen beim medizinischen Personal. Die Voraussetzungen f\u00fcr eine Abtreibung in den Kliniken sei l\u00e4ngst nicht gegeben, erkl\u00e4rt die Frauenrechtsanw\u00e4ltin. &#8222;Selbst wenn es im \u00f6ffentlichen Krankenhaus inzwischen m\u00f6glich ist, werden weiterhin oft die falschen Medikamenten-Dosen verabreicht, die Frauen werden erneut zu Opfern.&#8220; Arlette m\u00f6chte Abhilfe schaffen. Sie und ihre Kollegin Alejandra bekommen Nachrichten von verzweifelten Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind. Ihren vollst\u00e4ndigen Namen wollen die beiden lieber nicht nennen. Sie begleiten Betroffene, die bis zur 12. Woche selbst einen Schwangerschaftsabbruch mit Medikamenten vornehmen wollen, berichtet Arlette: Die Frauen nehmen rezeptfreie Medikamente. Eines davon ist Misoprostol, das eigentlich bei Magengeschw\u00fcren eingesetzt wird. Misoprostol kann aber auch ein Ende der Schwangerschaft bewirken, die Aussto\u00dfung des F\u00f6tus. Die Dosierung erfolgt \u00fcber eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Bis zu zehn Tage bleiben sie mit den Frauen in Kontakt, sagt Alejandra. &#8222;Wir begleiten sie so lange, bis wir sicher sind, dass es keine Reste mehr im K\u00f6rper gibt. Danach l\u00f6sen wir die Whatsapp-Gruppe auf.&#8220; Viele Frauen seien nat\u00fcrlich verunsichert. Gerade deswegen sei der engmaschige Kontakt zu den Begleiterinnen sehr wichtig. Sie bitten sie um Fotos und Videos. Die Frauen reagierten teils sehr stark auf die Medikamente, das erschrecke sie. Sie bek\u00e4men Fieber, Sch\u00fcttelfrost. &#8222;Sie sind dann ver\u00e4ngstigt und gehen ins Krankenhaus. Wir sagen ihnen dann, geht nicht. Dort werden sie dir Medikamente geben, damit der F\u00f6tus erhalten bleibt.&#8220; Bis vor wenigen Monaten liefen sie zudem Gefahr kriminalisiert zu werden. In Veracruz wurde Abtreibung erst im Juli dieses Jahres legalisiert. Ein Abbruch mithilfe von Medikamenten wirke zu 95 bis 98 Prozent, das Risiko dabei sei gering. Die Begleiterinnen erkl\u00e4ren den Frauen vorab, was zu tun ist, wenn sie \u00fcberm\u00e4\u00dfige Blutungen bekommen. Alejandra und Arlette bilden sich regelm\u00e4\u00dfig fort &#8211; u.a. in einer Klinik, in der Schwangerschaftsabbr\u00fcche vorgenommen werden. All das machen sie ehrenamtlich. Gerade weil das Thema Abtreibung nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu in Mexiko ist, h\u00e4tten viele Frauen ein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis zu reden, erz\u00e4hlt Arlette. &#8222;Sie erz\u00e4hlen uns ihre ganze Geschichte, dass sie vergewaltigt wurden, dass ihr Mann sie misshandelt hat.&#8220; Es meldeten sich Frauen nicht nur aus ganz Mexiko, sondern auch aus El Salvador, Kolumbien &#8211; aus L\u00e4ndern, in denen das Abtreibungsrecht noch strikter ist. Seit 2019 haben Arlette, Alejandra und weitere Begleiterinnen etwa 80 Frauen durch die Abtreibung geleitet. Inspiriert durch Frauen in Argentinien hat sich auch in Mexiko ein Ableger der Bewegung &#8222;Marea Verde&#8220; &#8211; &#8222;Gr\u00fcne Welle&#8220; gegr\u00fcndet. Die Frauen, die bei Protesten gr\u00fcne T\u00fccher tragen, setzen sich f\u00fcr die sichere und kostenfreie Abtreibung, Sexualkunde in Schulen und Zugang zu Verh\u00fctungsmitteln ein. Gerade an der Aufkl\u00e4rung mangele es im Schulunterricht, kritisiert Arelette. &#8222;In der sechsten Klasse m\u00fcssen sie einen Monat auf ein Ei aufpassen. Es darf nicht kaputtgehen. So l\u00e4uft hier die sexuelle Aufkl\u00e4rung.&#8220; Arlette und Alejandra bieten auch Workshops zur Aufkl\u00e4rung von jungen Frauen an. Doch bis die Arbeit der Begleiterinnen bei Abtreibungen \u00fcberfl\u00fcssig ist, wird es dauern.<\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\".vc_icon_element-icon\").css(\"top\", \"0px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").css(\"height\", \"10px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Wochen d\u00fcrfen Abtreibungen in Mexiko nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden. Doch betroffenen Frauen nutzt die h\u00f6chstrichterliche Entscheidung wenig: Hetze und Diskriminierung gehen weiter. Von Anne Demmer. Seit einigen Wochen d\u00fcrfen Abtreibungen in Mexiko nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden. Doch betroffenen Frauen nutzt die h\u00f6chstrichterliche Entscheidung wenig: Hetze und Diskriminierung gehen weiter. 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