<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":2011648,"date":"2021-10-16T10:35:00","date_gmt":"2021-10-16T08:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=2011648"},"modified":"2021-10-16T11:09:13","modified_gmt":"2021-10-16T09:09:13","slug":"was-sollen-wir-hier-noch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/de\/2021\/10\/was-sollen-wir-hier-noch\/","title":{"rendered":"&quot;Was sollen wir hier noch?&quot;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Nach den Feuergefechten zwischen Christen und Schiiten ist die Lage im Libanon hoffnungsloser denn je. Die Einwohner Beiruts sind geschockt, viele sehen sich in dem Wunsch best\u00e4tigt, das Land zu verlassen. <em>Von Martin Durm.<\/em><\/b><br \/>\nNach den Feuergefechten zwischen Christen und Schiiten ist die Lage im Libanon hoffnungsloser denn je. Die Einwohner Beiruts sind geschockt, viele sehen sich in dem Wunsch best\u00e4tigt, das Land zu verlassen. Es sieht fast danach aus, als w\u00fcrden die Einwohner in Beiruts Maronitenviertel Ain al Remmanehs wie in Zeitlupe realisieren, was ihnen geschah. Noch immer sind die Stra\u00dfen nahezu menschenleer, an vielen Stellen mit Geschossh\u00fclsen und Glassplittern \u00fcbers\u00e4t, sind die meisten Fensterl\u00e4den verschlossen, viele T\u00fcren sind verriegelt. Alle gr\u00f6\u00dferen Kreuzungen sind besetzt von schwer gepanzertem Milit\u00e4r. Nur ein paar \u00e4ltere Leute trauen sich auf die Stra\u00dfe, weil ja irgendwann jemand den Dreck wegr\u00e4umen muss, den das mehrst\u00fcndige Feuergefecht hinterlie\u00df. &#8222;Die Kugeln sind durch meine Schaufensterscheibe durch und hinten in der Wand eingeschlagen&#8220;, sagt der Lebensmittelh\u00e4ndler Eli Thanou. Er habe sich geduckt, sei auf dem Boden herumgekrochen und habe gehofft, dass es seine Frau oben im dritten Stock nicht erwischt. Ein paar hundert Anh\u00e4nger der schiitischen Hisbollah und der Amal-Bewegung waren aus Protest gegen einen umstrittenen Ermittlungsrichter vor dem nahegelegen Justizpalast aufmarschiert. Der Richter &#8211; ein maronitischer Christ &#8211; untersucht derzeit die Hintergr\u00fcnde der verheerenden Explosion im Hafen Beiruts, die im August 2020 weite Teile der Innenstadt verw\u00fcstete. Dabei scheint er einigen Hisbollah-Vertreten etwas zu nahe gekommen zu sein. Das w\u00e4re vielleicht eine kleine Geschichte, allerdings legen sich in Beirut gewisse Kreise bei politischen Demonstrationen auch mal ein paar Panzerf\u00e4uste in den Kofferraum. Ain al Remmaneh ist ein christlich maronitisches Viertel mit Stra\u00dfennamen wie Saida Lourdes &#8211; Stra\u00dfe der Heiligen Jungfrau von Lourdes. Ausgerechnet von dort aus haben die K\u00e4mpfer der Christenmiliz Forces Libanaise den Protestmarsch der Schiiten unter Feuer genommen. Vier Stunden dauerten die K\u00e4mpfe, Sniper schossen aus Hochh\u00e4usern auf alles was sich bewegte, die Hisbollah feuerte mit Panzerf\u00e4usten zur\u00fcck. Als es vorbei war, wurden sechs Tote und fast 30 Verwundete gez\u00e4hlt. Eli Thanou, der Lebensmittelh\u00e4ndler, kennt das, er hat das alles schon mal erlebt als Jugendlicher in den Jahren des B\u00fcrgerkriegs, der 1975 begann,15 Jahre dauerte und 150.000 Menschenleben kostete. Als es jetzt wieder los ging in seinem Viertel, Christen gegen Muslime, wurden die alten Traumata wach. &#8222;Das ist der Libanon&#8220;, sagt er, &#8222;nat\u00fcrlich kann das wieder passieren, heute, morgen, in ein paar Monaten, hier wei\u00dft Du doch nie, was kommt.&#8220; Sein \u00e4ltester Sohn hat das Land schon verlassen, er lebt in Kanada. Der zweite Sohn macht sich demn\u00e4chst auf den Weg nach Europa. &#8222;Dann kommen wir Alten nach&#8220;, sagt Eli Thanou. &#8222;Was sollen wir hier noch?&#8220; Der Libanon verkommt zu einem hoffnungslosen Fall, dar\u00fcber t\u00e4uschen auch die schicken Bars und Restaurants an Beiruts Corniche nicht hinweg, die einer kleinen Oberschicht noch etwas Zeitvertreib bieten. Das Bankensystem ist zusammen gebrochen, das libanesische Pfund hat 90 Prozent seines Wertes verloren. Und der Staat, geschw\u00e4cht und korrupt, ist seit Jahrzehnten Beute der unterschiedlichen Clans und Konfessionen. Das Pr\u00e4sidentenamt geh\u00f6rt den Christen, der Ministerpr\u00e4sident den Sunniten, die Schiiten stellen den Parlamentspr\u00e4sidenten. So geht das quer durch die Regierungsbeh\u00f6rden. \u00dcberschneiden sich die Interessen, haben alle ihr Auskommen. Kommen sie sich in die Quere, ist f\u00fcr die Libanesen Gefahr im Verzug. &#8222;Die einzige L\u00f6sung w\u00e4re, die konfessionelle Struktur des Systems zu zerbrechen&#8220;, sagt Bassel Abdallah, einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe der Zivilgesellschaft in Beirut. &#8222;Wir versuchen jetzt seit 15 Jahren, L\u00f6cher ins System zu schlagen. Aber wir dringen nicht durch. Es braucht Zeit. Die Proteste von 2019 haben zumindest gezeigt, dass vor allem junge Libanesen den Wandel hin zum S\u00e4kularen wollen.&#8220; Aber wo sind heute die jungen M\u00e4nner und Frauen, die vor zwei Jahren zu Tausenden friedlich gegen das korrupte Regime protestierten? &#8222;Sie sind nur noch deprimiert&#8220;, sagt Abdallah. &#8222;Sie sehen, dass das Land am Ende ist, bankrott, dass hier nicht mal mehr eine Revolution etwas \u00e4ndern w\u00fcrde.&#8220; Was aber immer noch ganz hervorragend funktioniert, sind die \u00fcberlieferten Reflexe und Rituale, das Br\u00fcllen der Kampfparolen, das Abfeuern des Kalschnikows, das Zelebrieren bedingungsloser Opferbereitschaft. So haben die Schiiten am gestrigen Nachmittag ihre Toten zu Grabe getragen, vier junge M\u00e4nner, die beim Feuergefecht in Ain al Remmaneh ihr Leben verloren. &#8222;Schuhada&#8220;, M\u00e4rtyrer, nennt sie der Scheich, der sie gleich beerdigen wird. Und versichert, alle wollten doch M\u00e4rtyrer sein, um der Freuden des Paradieses teilhaftig zu werden.<\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\".vc_icon_element-icon\").css(\"top\", \"0px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").css(\"height\", \"10px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den Feuergefechten zwischen Christen und Schiiten ist die Lage im Libanon hoffnungsloser denn je. Die Einwohner Beiruts sind geschockt, viele sehen sich in dem Wunsch best\u00e4tigt, das Land zu verlassen. Von Martin Durm. Nach den Feuergefechten zwischen Christen und Schiiten ist die Lage im Libanon hoffnungsloser denn je. 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