<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":2023805,"date":"2021-11-01T04:45:00","date_gmt":"2021-11-01T02:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=2023805"},"modified":"2021-11-01T06:07:35","modified_gmt":"2021-11-01T04:07:35","slug":"jemen-die-hintergrunde-des-burgerkriegs","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/de\/2021\/11\/jemen-die-hintergrunde-des-burgerkriegs\/","title":{"rendered":"Jemen: Die Hintergr\u00fcnde des B\u00fcrgerkriegs"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Jemen ist zum Schauplatz eines Stellvertreterkriegs zwischen Saudiarabien und Iran geworden. Den Preis daf\u00fcr zahlt die Zivilbev\u00f6lkerung.\u00a0Doch weshalb kam es zum B\u00fcrgerkrieg und welche Interessen verfolgen die Strippenzieher?<\/b><br \/>\nJemen ist zum Schauplatz eines Stellvertreterkriegs zwischen Saudiarabien und Iran geworden. Den Preis daf\u00fcr zahlt die Zivilbev\u00f6lkerung. Doch weshalb kam es zum B\u00fcrgerkrieg und welche Interessen verfolgen die Strippenzieher? Die humanit\u00e4re Lage in Jemen ist katastrophal: Fast 50 000 Menschen im Land haben so wenig zu essen, dass man bereits von Hungersnot-\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden spricht. Weitere f\u00fcnf Millionen Menschen stehen unmittelbar vor einer Hungersnot. Die neusten Entwicklungen Wie ist die derzeitige Situation in Jemen? In Jemen tobt seit 2014 ein verheerender B\u00fcrgerkrieg, der das kulturreiche, aber schwach entwickelte Land im S\u00fcden der arabischen Halbinsel in eine schwere humanit\u00e4re Krise gest\u00fcrzt und grosse Teile der Infrastruktur zerst\u00f6rt hat. Der Konflikt ist mit den Jahren immer komplexer und vielschichtiger geworden. Alle Bem\u00fchungen der Vereinten Nationen, einen Friedensprozess in Gang zu bringen, sind bisher gescheitert. Auch mehrere Gespr\u00e4chsrunden zwischen Iranern und Saudis in Bagdad blieben bisher ohne Ergebnis. Vordergr\u00fcndig k\u00e4mpfen in dem Konflikt die Regierung von Pr\u00e4sident Abedrabbu Mansur Hadi und die Huthi-Rebellen um die Macht. Versch\u00e4rft wird der Krieg jedoch durch die Rivalit\u00e4t zwischen den Regionalm\u00e4chten Iran und Saudiarabien sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten. Weiter verkompliziert wird eine L\u00f6sung durch die Beteiligung separatistischer Gruppen im S\u00fcden und des jemenitischen Kaida-Ablegers, die jeweils eigene Interessen und Ziele verfolgen. Da die Huthi-Rebellen politisch und milit\u00e4risch von Iran unterst\u00fctzt werden, bef\u00fcrchtet Saudiarabien, dass Jemen in die Einflusssph\u00e4re seines Rivalen geraten w\u00fcrde, sollten die Huthi die Kontrolle \u00fcber das ganze Land erringen. Im M\u00e4rz 2015 griff Riad daher an der Spitze einer arabischen Milit\u00e4rkoalition in den B\u00fcrgerkrieg im Nachbarland ein, um die Huthi-Rebellen aus der Hauptstadt Sanaa zu vertreiben und Pr\u00e4sident Hadi zur\u00fcck an die Macht zu bringen. Zwar gelang es Saudiarabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten seitdem, die Huthi zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Mehr als sechs Jahre nach Beginn der Intervention kontrolliert die Rebellenbewegung jedoch weiterhin die Hauptstadt und grosse Gebiete im Norden des Landes. Da ein Sieg \u00fcber die Huthi zunehmend unwahrscheinlich erschien, zogen die Emirate im Sommer 2019 den Grossteil ihrer Truppen ab. Auch Saudiarabien sucht inzwischen nach einem gesichtswahrenden Ausweg. Zuletzt konzentrierten sich die K\u00e4mpfe auf die strategisch wichtige Stadt Marib. Die Huthi belagern die Stadt seit Februar 2021. Es ist die letzte Stadt im Norden, die noch von den Truppen Hadis gehalten wird. Zahlreiche Fl\u00fcchtlinge aus anderen Region haben dort Zuflucht gefunden. Da in der Region ein Grossteil der \u00d6l- und Gasvorkommen des Landes liegen, ist die Kontrolle \u00fcber die Stadt auch von grosser wirtschaftlicher Bedeutung. Trotz hoher Verluste ist es den Huthi bisher nicht gelungen, die Stadt einzunehmen. Saudiarabiens Kronprinz Mohammed bin Salman hatte 2015 mit einem raschen Sieg gerechnet, doch hat sich der Einsatz in Jemen f\u00fcr ihn zu einem kostspieligen Desaster entwickelt. Was war der Ausl\u00f6ser des Konflikts? Der Hintergrund des jetzigen B\u00fcrgerkriegs ist der politische Umbruch im Zuge des Arabischen Fr\u00fchlings. Unter dem Druck der Proteste trat Pr\u00e4sident Ali Abdullah Saleh 2011 nach \u00fcber drei Jahrzehnten an der Macht zur\u00fcck. Nach seiner Abdankung wurde sein Stellvertreter Abedrabbu Mansur Hadi unter Vermittlung des Golf Koordinationsrats (GCC) zum \u00dcbergangspr\u00e4sidenten ernannt. Vereinbarte Reformen gerieten jedoch rasch ins Stocken. Die Huthi-Bewegung nutzte die Schw\u00e4che der \u00dcbergangsregierung, um im September 2014 von ihrer Hochburg Saada auf die Hauptstadt Sanaa vorzustossen. Im Januar 2015 zwangen sie Pr\u00e4sident Hadi zur Flucht in die s\u00fcdliche Hafenstadt Aden. M\u00f6glich wurde dies durch ein ungew\u00f6hnliches B\u00fcndnis der Huthi mit den Anh\u00e4ngern des fr\u00fcheren Pr\u00e4sidenten Saleh. Als die Huthi im M\u00e4rz 2015 weiter auf die Hafenstadt Aden marschierten, griff Saudiarabien in den Konflikt ein. Woher kommt die Huthi-Bewegung? Die offiziell Ansar Allah (Helfer Gottes) genannte Gruppe war Ende der neunziger Jahre von Hussein Badreddin al-Huthi als Rebellenbewegung gegen das autorit\u00e4re Regime von Pr\u00e4sident Saleh gegr\u00fcndet worden. Sie pr\u00e4sentierte sich als Verteidigerin der religi\u00f6sen Minderheit der Zaiditen. Dabei handelt es sich um eine Untergruppe der Schiiten, die vor Jemens Umwandlung in eine Republik 1962 \u00fcber Jahrhunderte den Herrscher im Norden des Landes stellte. Viele Zaiditen teilten aber nicht die radikale Ideologie der Huthi, die von der iranischen Revolution beeinflusst ist. Zwischen 2004 und 2009 k\u00e4mpften die Huthi gegen die Zentralregierung und die wirtschaftliche Vernachl\u00e4ssigung ihrer Heimatregion. Nach der T\u00f6tung ihres Anf\u00fchrers Hussein \u00fcbernahm dessen Bruder Abdul-Malik die F\u00fchrung. Nach dem Umbruch infolge des Arabischen Fr\u00fchlings verb\u00fcndeten sich die Huthi mit ihrem langj\u00e4hrigen Erzfeind Saleh. Das von Anbeginn widerspr\u00fcchliche B\u00fcndnis hielt bis Dezember 2017, als die Huthi Saleh nach einem internen Machtkampf t\u00f6teten. Unterst\u00fctzer der Huthi im Februar 2020 in Sanaa: Auch f\u00fcnf Jahre nach der Intervention Saudiarabiens hat die Rebellenbewegung die jemenitische Hauptstadt fest im Griff. Warum hat Saudiarabien in den B\u00fcrgerkrieg eingegriffen? Als die Huthi nach der Einnahme von Sanaa im M\u00e4rz 2015 drohten, auch die s\u00fcdliche Hafenstadt Aden zu erobern, entschloss sich Saudiarabien zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, \u00c4gypten und anderen arabischen Staaten zur Intervention. Treibende Kraft dahinter war der damalige saudische Verteidigungsminister und heutige Kronprinz Mohammed bin Salman. Milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung erhielt die arabische Koalition durch die USA, Grossbritannien und Frankreich. Das erkl\u00e4rte Ziel der Intervention war es, Pr\u00e4sident Hadi zur\u00fcck an die Macht in Sanaa zu bringen. Von Anbeginn war jedoch klar, dass es bin Salman auch darum ging, zu verhindern, dass Jemen unter den Einfluss Irans ger\u00e4t. Riad betrachtet das Nachbarland als Teil seiner nat\u00fcrlichen Einflusssph\u00e4re und griff schon oft in die jemenitische Politik ein. Auf dem Spiel standen f\u00fcr Riad insbesondere die Kontrolle \u00fcber den Zugang zum Roten Meer und der Bau einer Erd\u00f6lpipeline. Welche Rolle spielt Iran in dem Konflikt? Saudiarabien und seine Verb\u00fcndeten werfen Teheran vor, die Huthi-Rebellen in grossem Umfang mit Waffen zu beliefern und mit Beratern zu unterst\u00fctzen. Die iranischen Revolutionsw\u00e4chter sollen die Huthi insbesondere mit Raketen und Drohnen ausr\u00fcsten, welche diese f\u00fcr Angriffe auf Saudiarabien nutzen. Nach Ansicht Riads sind die Huthi nichts anderes als der verl\u00e4ngerte Arm ihres schiitischen Rivalen. Unter Experten ist der Einfluss Irans jedoch umstritten. Viele Analysten sind der Ansicht, dass Teheran zwar Waffenhilfe leiste, jedoch nur bedingt Kontrolle \u00fcber die Huthi habe. Zwar geh\u00f6ren die Huthi als Zaiditen zur Glaubensrichtung der Schiiten, doch bestehen deutliche religi\u00f6se Unterschiede zu der in Iran vorherrschenden Str\u00f6mung der Zw\u00f6lferschiiten. Auch geht es in dem Konflikt weniger um Religion als um Macht und Ressourcen. Es ist aber unbestritten, dass Irans Einfluss im Laufe des Konflikts gewachsen ist. Welche Interessen verfolgen die Emirate in Jemen? Die Vereinigten Arabischen Emirate standen lange im Schatten ihres Verb\u00fcndeten Saudiarabien, doch nahmen sie seit Beginn der Milit\u00e4rintervention eine sehr aktive Rolle im Jemen-Konflikt ein. Im Unterschied zu Riad setzte Abu Dhabi auch eigene Bodentruppen ein. Diese bildeten etwa die Truppen der Regierung von Pr\u00e4sident Hadi aus. Ein Novum im Krieg in Jemen stellte der Einsatz von Hunderten von S\u00f6ldnern aus Lateinamerika durch die Emirate dar. Das Ziel Abu Dhabis in Jemen ist es vor allem, die islamistische Islah-Partei von der Macht fernzuhalten, die als jemenitischer Ableger der Muslimbr\u00fcder gilt. Dabei unterscheiden sie sich von Saudiarabien, das die Islah-Partei in den Kampf gegen die Huthi eingebunden hat. Im Sommer 2019 zogen die Emirate die meisten ihrer Truppen aus Jemen ab, doch \u00fcben sie \u00fcber ihre Verb\u00fcndete weiterhin erheblichen Einfluss in Aden und anderen H\u00e4fen aus. Zudem sind sie dabei, auf der strategisch wichtigen Insel Sokotra eine permanente Milit\u00e4rbasis aufzubauen. Was wollen die Separatisten in S\u00fcdjemen? Nach Beginn der Milit\u00e4rintervention k\u00e4mpften die Separatisten im S\u00fcden zun\u00e4chst aufseiten von Pr\u00e4sident Hadi gegen die Huthi und den jemenitischen Kaida-Ableger. Ende April 2021 verk\u00fcndete der von den Emiraten unterst\u00fctzte S\u00fcdliche \u00dcbergangsrat (STC) die Autonomie der von ihnen beherrschten s\u00fcdlichen Provinzen. Die Truppen der Separatisten marschierten in der Hafenstadt Aden auf, die bis dahin als provisorische Hauptstadt Hadis diente. Damit ist in dem ohnehin schon un\u00fcbersichtlichen Konflikt eine weitere Front aufgebrochen. Kundgebung der Separatisten in Aden im September 2019: Viele Einwohner der Hafenstadt in S\u00fcdjemen bef\u00fcrworten inzwischen eine Abspaltung von Jemens Norden. Jemen war bereits von 1967 bis 1990 in zwei Staaten geteilt \u2013 einen republikanischen Norden und einen kommunistischen S\u00fcden. Nach der Wiedervereinigung f\u00fchlten sich die Jemeniten im S\u00fcden von der Zentralregierung marginalisiert, was 1994 zu einem B\u00fcrgerkrieg und 2007 zum Entstehen einer neuen separatistischen Bewegung f\u00fchrte. Nach 2015 verb\u00fcndeten sich der STC und die Exilregierung zwar, die Frage der Unabh\u00e4ngigkeit S\u00fcdjemens stand aber weiter zwischen ihnen. Im Sommer 2019 brachen sogar K\u00e4mpfe zwischen den beiden Seiten aus, bis es Saudiarabien im November 2019 gelang, Regierung und Separatisten zu einem Friedensabkommen zu \u00fcberreden. Gehalten hat dieses Riad-Abkommen aber nicht lange. Dass die Separatisten wagten, die Selbstverwaltung auszurufen, d\u00fcrfte vor allem mit einem Gesinnungswandel der Emirate zu erkl\u00e4ren sein. Abu Dhabi hat offenbar den Glauben in die Jemen-Politik der Saudi verloren. Durch den Konflikt wurden 3,6 Millionen Menschen vertrieben, fast die H\u00e4lfte aller Kinder ist unterern\u00e4hrt,9,6 Millionen Kinder haben keinen Zugang zu sauberem Wasser,7,8 Millionen gehen nicht zur Schule. Wie ist die humanit\u00e4re Lage? Die Vereinten Nationen sprechen von der gr\u00f6ssten humanit\u00e4ren Katastrophe unserer Zeit. Seit Beginn des B\u00fcrgerkrieges 2015 hat sich die humanit\u00e4re Lage stetig verschlechtert. Fast 50 000 Menschen im Land haben so wenig zu essen, dass das Weltern\u00e4hrungsprogramm (WFP) von Hungersnot-\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden spricht. Weitere f\u00fcnf Millionen Menschen stehen unmittelbar vor einer Hungersnot. Laut einer Umfrage des International Rescue Committees (IRC) vom M\u00e4rz 2021 kann sich 60 Prozent der Bev\u00f6lkerung keine Grundnahrungsmittel mehr leisten. Rund 24 der 30 Millionen Einwohner sind auf Hilfe angewiesen. Viele von ihnen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, sicheren Unterk\u00fcnften, elementarer Gesundheitsversorgung und Bildung. Es grassieren Seuchen wie Cholera und Malaria. Durchschnittlich stirbt alle zehn Minuten ein Kind wegen vermeidbarer Krankheiten. Zudem gibt es rund 3,6 Millionen Binnenfl\u00fcchtlinge. Die Corona-Pandemie hat die humanit\u00e4re Situation noch zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft. Wie steht es um die Wirtschaft? Bereits vor Eskalation des derzeitigen Konflikts war Jemen abh\u00e4ngig vom Import von Nahrungsmitteln, Treibstoff und Medikamenten. Wegen der K\u00e4mpfe sind die H\u00e4fen und Flugh\u00e4fen des Landes nur noch beschr\u00e4nkt funktionsf\u00e4hig. Internationale Hilfe wird zudem durch die Missachtung humanit\u00e4rer Prinzipien erschwert. Die von Saudiarabien und den Emiraten verh\u00e4ngte Seeblockade gegen die Huthi sowie Angriffe auf Zivilisten und Helfer behindern dringend ben\u00f6tigte Hilfeleistungen. Ein Patient in einem Spital in Aden: Viele Jemeniten waren schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie durch andere Seuchen und Hunger geschw\u00e4cht, vielerorts ist die Gesundheitsversorgung kollabiert. Die humanit\u00e4re Krise ist auch auf die dramatische Wirtschaftslage und die Instabilit\u00e4t des Finanzsystems zur\u00fcckzuf\u00fchren. Jemen galt schon vor dem Ausbruch des derzeitigen B\u00fcrgerkriegs als Armenhaus der arabischen Welt, doch hat seit 2015 fast die H\u00e4lfte der Besch\u00e4ftigten ihre Arbeit verloren. Seit Pr\u00e4sident Hadi 2016 die Zentralbank \u00fcberst\u00fcrzt von Sanaa nach Aden verlegt hat, werden zudem die Geh\u00e4lter vieler Staatsangestellter wie Lehrer und \u00c4rzte nicht mehr bezahlt. 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