<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":459273,"date":"2017-02-21T23:22:00","date_gmt":"2017-02-21T19:22:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=459273"},"modified":"2017-02-22T00:10:43","modified_gmt":"2017-02-21T22:10:43","slug":"trump-und-die-folgen-wieder-einmal-im-niemandsland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/de\/2017\/02\/trump-und-die-folgen-wieder-einmal-im-niemandsland\/","title":{"rendered":"Trump und die Folgen: Wieder einmal im Niemandsland"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>US-Einreiseverbot: Der Exilant Mohsen Kadivar musste das Wissenschaftskolleg verlassen. Ein Gastbeitrag.<\/b> <br \/>Am 8. Februar sitzt der iranische Geistliche und an der Duke University lehrende Exilant Mohsen Kadivar im Wissenschaftskolleg beim Mittagessen seinem protestantischen Kollegen gegen\u00fcber: Sie sind einander vorher noch nie begegnet, auch nicht in ihren Texten. Nat\u00fcrlich kennen sie sich mit konfessionellen Kontroversen aus, ob sie sich \u00fcber diese austauschen oder \u00fcber den Begriff der Gnade oder die Kritik der Theokratie, das ist vom Nachbartisch nicht auszumachen. Es spielt auch keine Rolle: Wie in allen Einrichtungen mit dem Namen Institute for Advanced Study sind auch am Wissenschaftskolleg solche unerwarteten Begegnungen und absichtslosen Gespr\u00e4che Prinzip. Ob etwas aus ihnen wird, entscheiden nur die Beteiligten. So soll es sein. Besser: so sollte es sein. <br \/>Denn am 8. Februar ist es anders. Am Vortag hat Mohsen Kadivar eine Antwort von den Anw\u00e4lten der Duke-Universit\u00e4t erhalten, an der er lehrt und mit deren Verantwortlichen er seit dem 27. Januar in st\u00e4ndigem Austausch steht. Seit dem Tag, an dem das Einreiseverbot unter anderem f\u00fcr iranische Staatsangeh\u00f6rige verh\u00e4ngt wurde, das ihm die R\u00fcckkehr in die USA zu verwehren scheint. In den Tagen ist alles unklar: werden Inhaber der Green Card, die er als Professor seit fast zehn Jahren besitzt, von dem Bann ausgenommen? Soll er sofort in die USA aufbrechen? Was geschieht, wenn man ihn an der Grenze zur\u00fcckweist? <br \/>Mohsen Kadivar wird mit Presseanfragen \u00fcberh\u00e4uft, die in North Carolina erscheinende \u201eHerald Sun\u201c ver\u00f6ffentlicht am 30. Januar einen Artikel \u00fcber seinen Fall. Schon am Tag nach dem Interview fragt er sich, ob er sich nicht zu sehr exponiert hat und die amerikanischen Beh\u00f6rden doppelt und dreifach misstrauisch macht: als Iraner, als eine explizit religi\u00f6se Stimme in inneriranischen Debatten, als Akademiker und public intellectual. Wir sollen ihm einen Rat geben. Reden Sie mit den Anw\u00e4lten der Universit\u00e4t, sagen wir. Kann man Rechtsmittel einlegen? Was kann Duke an Unterst\u00fctzung bieten? Was k\u00f6nnen wir tun, falls ihm die Wiedereinreise in die USA verweigert wird? <br \/>Wieder einmal steht Mohsen Kadivar im Niemandsland. Einst Anh\u00e4nger der Revolution und zum theologischen inneren Zirkel der Islamischen Republik Iran geh\u00f6rend, f\u00e4llt Kadivar, der schon 1978 aufgrund von Protesten gegen den Schah verhaftet wurde, auch bei den neuen Machthabern in Ungnade: seine scharfe, theologisch argumentierte Kritik an der Praxis der politischen Eliten handelt ihm nach Lehrverboten und Schikanen schlie\u00dflich die Anklage wegen Unruhestiftung und Propaganda gegen die Islamische Republik ein. In den Jahren 1999 und 2000 verb\u00fc\u00dft er eine 18-monatige Gef\u00e4ngnisstrafe. <br \/>Nach der Haft lehrt er an iranischen Universit\u00e4ten, ger\u00e4t immer wieder ins Fadenkreuz der Politik und des orthodoxen Klerus, erf\u00e4hrt Verunglimpfungen und sieht sich Kampagnen ausgesetzt. Im Jahr 2007 verweigert man ihm die Ausreise. Ein Gastaufenthalt f\u00fchrt ihn 2008 in die USA, etliche Einladungen und Angebote, die er vor Ort erh\u00e4lt, liefern den Vorwand, ihn aus seiner Position im Iran unrechtm\u00e4\u00dfig zu entlassen. Die Duke University gibt ihm 2015 einen F\u00fcnfjahresvertrag. Er besitzt die iranische Staatsb\u00fcrgerschaft, die Green Card, die Heimatlosigkeit des Dissidenten und die Wachsamkeit des Verfolgten. <br \/>Mohsen Kadivar ist einer von vielen in ihrer Heimat angefeindeten Intellektuellen, die an den amerikanischen Universit\u00e4ten eine neue Heimstatt gefunden haben. Ob durch die Vermittlung fester Positionen oder \u00fcber Programme wie Scholars at Risk setzen sich die Universit\u00e4ten leidenschaftlich daf\u00fcr ein, dass die Stimmen dieser Unbequemen vernehmbar bleiben. In den vergangenen Jahren waren die Harvard-Verantwortlichen von Scholars at Risk ungemein hilfreiche und verl\u00e4ssliche Partner auch f\u00fcr deutsche Einrichtungen, sie haben syrischen Kantianern und iranischen Romanciers nach ihrem Aufenthalt in Deutschland zu Stellen und Stipendien verholfen. Niemand empfindet die Ironie tiefer als sie, dass das Risiko nun vom eigenen Land ausgeht. Im Falle von Mohsen Kadivar sind ihnen die H\u00e4nde gebunden. Und was eine Verstetigung des Einreisestopps f\u00fcr sie bedeuten w\u00fcrde, wagen sie sich kaum auszumalen. <br \/>Das Einreiseverbot der Trump-Regierung kennt keine Nuancen, es kennt nur den Unterschied zwischen Freund und Feind, zwischen \u201euns\u201c und den \u201ebad dudes\u201c, die man an ihren falschen P\u00e4ssen und der Religion erkennt. Es entzieht Exilanten, Dissidenten und Reformern den politischen Schutz, den intellektuellen N\u00e4hrboden und die materielle Existenzgrundlage. Es treibt die Gef\u00e4hrdeten bestenfalls ins Limbo, schlimmstenfalls zur\u00fcck in die Arme ihrer Verfolger. Es best\u00e4rkt den Zynismus derjenigen, die immer schon wussten, dass die Amerikaner es mit ihrer Humanit\u00e4t nicht ernst meinen. Und es fordert uns heraus zu sagen, wie ernst wir es mit unserem Einsatz meinen. <br \/>Die Anw\u00e4lte der Duke University raten Kadivar am 7. Februar, so schnell wie m\u00f6glich in die USA zur\u00fcckzukehren, keinesfalls jenseits des 90-Tage-Banns, der urspr\u00fcnglich verh\u00e4ngt wurde. Vor einem bestimmten Flughafen als Ort der Wiedereinreise warnen sie. Die Universit\u00e4t tr\u00e4gt die finanziellen Lasten. Am 16. Februar ist Mohsen Kadivar in die USA zur\u00fcckgereist. <br \/>Der Autor ist Rektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin.<\/p>\n<div id=\"td_post_ranks\" class=\"td-post-comments\" style=\"vertical-align: middle;\">\n<div style=\"float: left;\">Similarity rank: 1.1<\/div>\n<\/div>\n<p><script>\njQuery(function() {\nvar mainContentMetaInfo = '.td-post-header .meta-info';\nvar tdPostRanks = '#td_post_ranks';\nif (jQuery(tdPostRanks).length) {\n    var tdPostRanksHtml = jQuery(tdPostRanks).get(0).outerHTML;\n    if (typeof tdPostRanksHtml != 'undefined') {\n        jQuery(tdPostRanks).remove();\n        jQuery(mainContentMetaInfo).append(tdPostRanksHtml);\n    }\n}\n});\n<\/script><span>\u00a9 Source: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/trump-und-die-folgen-wieder-einmal-im-niemandsland\/19422780.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/trump-und-die-folgen-wieder-einmal-im-niemandsland\/19422780.html<\/a><br \/>\nAll rights are reserved and belongs to a source media.<\/span><\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").remove();});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>US-Einreiseverbot: Der Exilant Mohsen Kadivar musste das Wissenschaftskolleg verlassen. 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