<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":517217,"date":"2017-05-01T21:35:00","date_gmt":"2017-05-01T19:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=517217"},"modified":"2017-05-01T23:05:33","modified_gmt":"2017-05-01T21:05:33","slug":"zum-tag-der-arbeit-am-1-mai","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/de\/2017\/05\/zum-tag-der-arbeit-am-1-mai\/","title":{"rendered":"Zum Tag der Arbeit am 1. Mai"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Die Faulheit der Menschen sei ein Laster, lautet das Verdikt der Moralisten. Doch darin kann auch eine gro\u00dfe Kraft liegen. Ein Hoch auf Ruhe, Wohlstand und Erholung.<\/b><br \/>\nDer gro\u00dfe franz\u00f6sische Schriftsteller Eug\u00e8ne Ionesco beginnt seinen Roman &#8222;Der Einzelg\u00e4nger&#8220; mit \u00fcberraschenden Worten: &#8222;Mit 35 ist es Zeit, sich aus dem Leben zur\u00fcckziehen.&#8220; Die \u00fcppige Erbschaft eines reichen Onkels aus Amerika verschafft dem Ich-Erz\u00e4hler die M\u00f6glichkeit, seine stumpfsinnige B\u00fcroarbeit aufzugeben. Er ist frei und kann von sicherer Warte aus die Absurdit\u00e4t und die Nichtigkeit der Arbeitswelt sezieren.<br \/>Arbeit gibt den Menschen einen h\u00f6heren Sinn? Ausgerechnet Paul Lafargue, der Schwiegersohn und enge Freund von Karl Marx, erhebt das &#8222;Recht auf Faulheit&#8220; zur Maxime, nicht das &#8222;Recht auf Arbeit&#8220;. Er vergleicht das harte Leben der Arbeiterklasse mit dem angeblichen Nichtstun der Rentiers, Gebildeten und Salonl\u00f6wen. Anders als Marxisten und Sozialisten kommt er zum Schluss, dass auch die Arbeiterklasse in erster Linie genie\u00dfen solle. Nicht Arbeit adele den Menschen, die Mu\u00dfe sei es, sagt der Marx-Bewunderer Lafargue.<br \/>Die Erf\u00fcllung des Lebens durch harte Arbeit? Absurd!<br \/>Selbst umtriebige Menschen wie Bundesfinanzminister Wolfgang Sch\u00e4uble bekennen, dass sie nichts lieber t\u00e4ten, als unt\u00e4tig auf der Terrasse zu sitzen und ein gutes Buch zu lesen. Sympathisch. Stress, Termindruck, harte k\u00f6rperliche und geistige Arbeit, Umherreisen, h\u00f6chste Konzentration, unerbittliche Auseinandersetzungen, fast unerf\u00fcllbare Anforderungen, Ver\u00e4nderungsdruck und Hochgeschwindigkeits-Kapitalismus \u2013 das alles will weder der moderne Arbeiter noch der leitende Angestellte. Vollends absurd mutet es an, darin die Erf\u00fcllung des Lebens zu sehen.<br \/>Warum arbeiten wir 49 Wochen des Jahres wie bl\u00f6de, um uns dann an dreien im Jahr auszuruhen, am Strand zu liegen oder in den Bergen zu wandern? Und daf\u00fcr sogar stundenlange Staus, \u00fcberf\u00fcllte Hotels und Restaurants mit \u00fcberh\u00f6hten Preisen hinzunehmen?<br \/>Schon Georg B\u00fcchner, der deutsche Dichter und Freidenker im fr\u00fchen 19. Jahrhundert, hat gewusst, dass Langeweile produktiv ist, wie er in der Kom\u00f6die &#8222;Leonce und Lena&#8220; eindrucksvoll vorexerzierte. &#8222;Ich habe die wunderbare Arbeit, nichts zu tun&#8220;, erkl\u00e4rt Leonce seiner Rosetta. &#8222;So liebst du mich aus Langeweile?&#8220;, fragt die besorgt zur\u00fcck. &#8222;Nein, ich habe Langweile, weil ich dich liebe. Aber ich liebe meine Langeweile wie dich&#8220;, entgegnet ihr entwaffnend der K\u00f6nigssohn.<br \/>&#8222;Wie jeder vern\u00fcnftige Mensch bin ich von Natur aus faul&#8220;<br \/>Die Sehnsucht des Menschen nach Ruhe, Nichtstun, Entspannung durchzieht seine Geschichte wie die der gro\u00dfen Taten und Entbehrungen. Nur dass die erstere viel realer und erstrebenswerter erscheint. Als der gro\u00dfe Humorist Vicco von B\u00fclow alias Loriot gefragt wurde, warum er nach einigen erfolgreichen Produktionen nicht viel mehr Filme gedreht habe, antwortete er: &#8222;Wie jeder vern\u00fcnftige Mensch bin ich von Natur aus faul.&#8220; Es ist die gro\u00dfartige Kombination aus dem Urzustand des Menschen und der von den Philosophen so oft besungenen Vernunft, die Loriots Aussage auszeichnet. Warum arbeiten, sich plagen, Entbehrungen in Kauf nehmen, wenn wir mit weniger genauso viel erreichen?<br \/>Wir m\u00f6gen schimpfen \u00fcber unseren Kollegen, der scheinbar ohne M\u00fchen einen rasanten Aufstieg nimmt, ohne sich allzu sehr krummzulegen. In Wirklichkeit bewundern wir ihn (oder sie) . Der gro\u00dfe Gatsby im gleichnamigen Roman von F. Scott Fitzgerald besticht durch Eleganz, m\u00fcheloses Geldverdienen und gro\u00dfartige Partys. Perfektes Nichtstun.<br \/>Eine ganze Wissenschaft, die von so unangenehmen Dingen wie Knappheit, Mangel und begrenzten Ressourcen ausgeht wie die Volkswirtschaftslehre, stellt das Arbeitsleid in den Mittelpunkt ihrer Lohntheorie. Die Freizeit stiftet Nutzen, so erkl\u00e4ren die gro\u00dfen britischen \u00d6konomen William Jevons und Alfred Marshall die Funktionsweise von Arbeitsm\u00e4rkten. Erst wenn die Kapitalisten in der Lage sind, das Grenzleid der letzten Arbeitsstunde mit einem anst\u00e4ndigen Lohn zu kompensieren, sind die Arbeiter bereit, vom Nichtstun zu lassen. Wenn ihnen dann der Staat wom\u00f6glich einen immer gr\u00f6\u00dferen Teil des Verdienstes wegsteuert, schr\u00e4nken sie sofort ihr Arbeitsangebot ein.<br \/>In Deutschland wird Arbeit wie ein Fetisch verehrt<br \/>In Deutschland, diesem Land, in dem Arbeit wie ein Fetisch verehrt wird, fand die neue Theorie aus dem pragmatischen Gro\u00dfbritannien nur wenige Anh\u00e4nger. Die Deutschen hatten f\u00fcr den Niedergang der gro\u00dfen britischen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg deshalb eine einleuchtende Erkl\u00e4rung: &#8222;Die Briten sind einfach zu faul.&#8220; Interessanterweise wiesen die Inselbewohner diese Anschuldigung nicht mit Abscheu und Emp\u00f6rung zur\u00fcck.<br \/>Die Beispiele lie\u00dfen sich fortsetzen: Keinem noch so hoch bezahlten Manager aus Skandinavien w\u00fcrde es einfallen, noch lange nach 19 Uhr zu arbeiten. Wenn er es doch m\u00fcsste, w\u00fcrden seine Kollegen darin nur den Umstand sehen, dass er nicht rechtzeitig mit seiner Arbeit fertig geworden ist und wom\u00f6glich ineffizient arbeitet. Bei deutschen Managern und auch Politikern geh\u00f6rt es dagegen zum guten Ton, auf die 80- bis 100-Stunden-Woche sogar noch stolz zu sein. Vern\u00fcnftig im Loriot&#8217;schen Sinne ist das nicht. Vor solchen Menschen sollte man sich besser in Acht nehmen.<br \/>Die Faulheit kann sogar Triebfeder f\u00fcr Erfindungen, Verbesserungen und Automation sein. Weil das Antreiben der M\u00fchlr\u00e4der durch menschliche Arbeit zu m\u00fchsam war, entdeckten die Menschen zuerst die Wasser- und Windkraftm\u00fchlen. Die Dampfmaschine, der Bagger, der Hebekran ersetzten die Handarbeit weiter. Heute ist der Roboter der Kollege, und der Computer \u00fcbernimmt das Denken.<br \/>Der Landwirt von heute sitzt auf seinem Traktor oder vor seinem Laptop, um Felder zu bestellen, den Stall zu \u00fcberwachen oder die Ernte einzuholen. Auf dem Land ist der Grad der Mechanisierung am h\u00f6chsten, weil fr\u00fcher die Arbeit dort am h\u00e4rtesten war. Auch unter Tage oder im Stahlwerk hat die \u00dcberwachungst\u00e4tigkeit die k\u00f6rperliche Arbeit abgel\u00f6st. Nur wenn es stockt, m\u00fcssen die Arbeiter richtig ran.<br \/>&#8222;Lasst uns faul in allen Sachen, nur nicht faul zur Faulheit sein&#8220;<br \/>Selbst das F\u00fchren eines Flugzeugs hat sich mehr und mehr automatisiert, so dass hochbezahlte Flugkapit\u00e4ne und Co-Piloten bei langen \u00dcberseefl\u00fcgen eher mit der M\u00fcdigkeit als mit den Elementen k\u00e4mpfen. &#8222;Lasst uns faul in allen Sachen, nur nicht faul zur Faulheit sein&#8220;, dichtete Gotthold Ephraim Lessing, ein gro\u00dfer Aufkl\u00e4rer, der die Produktivit\u00e4t der Faulheit schon ahnte. M\u00fc\u00dfiggang ist eben nicht aller Laster Anfang, aber er will gelernt sein.<br \/>Der Ich-Erz\u00e4hler aus Ionescos Roman scheiterte. Seine ihn von aller Arbeit befreiende Erbschaft versagte ihm am Ende das Gl\u00fcck. Die Verachtung der absurden Arbeit machte ihn einsam und verbittert. Seine Freundin verlie\u00df ihn. Die Menschen sind schon komisch.<\/p>\n<div id=\"td_post_ranks_tmp\" class=\"td-post-comments\" style=\"vertical-align: middle;display:none;\">\n<div style=\"float: left;\">Similarity rank: 3.1<\/div>\n<\/div>\n<p><script>\n\/*jQuery(function() {\nvar mainContentMetaInfo = '.td-post-header .meta-info';\nvar tdPostRanks = '#td_post_ranks';\nif (jQuery(tdPostRanks).length) {\n    var tdPostRanksHtml = jQuery(tdPostRanks).get(0).outerHTML;\n    if (typeof tdPostRanksHtml != 'undefined') {\n        jQuery(tdPostRanks).remove();\n        jQuery(mainContentMetaInfo).append(tdPostRanksHtml);\n    }\n}\n});*\/\n<\/script><span>\u00a9 Source: <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/wirtschaft\/arbeit\/zum-tag-der-arbeit-am-1-mai-das-lob-der-faulheit-aid-1.6788864\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.rp-online.de\/wirtschaft\/arbeit\/zum-tag-der-arbeit-am-1-mai-das-lob-der-faulheit-aid-1.6788864<\/a><br \/>\nAll rights are reserved and belongs to a source media.<\/span><\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").remove();});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Faulheit der Menschen sei ein Laster, lautet das Verdikt der Moralisten. 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