Das Investmentbanking strauchelt, die US-Konkurrenz eilt davon und die Fusion mit der Commerzbank ist auch geplatzt – bei der Deutschen Bank läuft es schlecht. Sehr schlecht, wie sich jetzt auf der Hauptversammlung gezeigt hat.
Am Gesicht von Paul Achleitner war abzulesen, dass er nicht zum Spaß auftrat. Und dann war die Frankfurter Festhalle nur zur Hälfte gefüllt, als der Aufsichtratsvorsitzende die Hauptversammlung der Deutschen Bank mit seiner Rede eröffnete. Die meisten Aktionäre lauschten missmutig und ignorierten die Kunstpausen, in denen Achleitner wohl auf Applaus hoffte.
Etwa als er Christian Sewing pries. „Er übernahm die Führung und setzte um.“ Pause. Doch niemand klatschte. Auch die übrigen Mitglieder des Kontrollgremiums schauten über weite Strecken eher bedröppelt drein. Dieser Donnerstag war kein guter Tag für das Führungspersonal der Deutschen Bank.
Es hagelte Kritik aus den Reihen der Aktionäre. Und zu Beginn des Jahrestreffens rutschten deren Anteilscheine auf ein Rekordtief von 6,36 Euro. Die Papiere haben in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 40 Prozent an Wert verloren.
Die schweren Einschnitte, die Deutschlands größtem Geldhaus bevorstehen, könnten auch Achleitner selbst treffen. Der Finanzdienst Bloomberg berichtete am Donnerstag, Großaktionäre wie die königliche Familie des Emirats Katar und der US-Vermögensverwalter Cerberus hätten die vorzeitige Abberufung von Achleitner diskutiert, dessen Vertrag bis 2022 läuft.
Auch Manager der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) sollen mittlerweile die Position vertreten, dass ein Ausscheiden des Oberkontrolleurs das Beste für die Bank wäre. Ein bemerkenswerter Vorgang ist außerdem, dass renommierte Stimmrechtsberater den Anteilseignern mit großen Aktienpaketen empfohlen haben, dem Vorstand und dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Das hat zwar keine unmittelbaren Auswirkungen, sollte aber als eine Art Denkzettel wirken.

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