<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":1537782,"date":"2019-05-31T08:42:00","date_gmt":"2019-05-31T06:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=1537782"},"modified":"2019-05-31T11:08:26","modified_gmt":"2019-05-31T09:08:26","slug":"angela-merkel-die-heldin-von-harvard","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/fr\/2019\/05\/angela-merkel-die-heldin-von-harvard\/","title":{"rendered":"Angela Merkel: Die Heldin von Harvard"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Bei der Graduierungsfeier der Eliteuniversit\u00e4t Harvard wird Angela Merkel als Kontrahentin von Trump gefeiert. Doch manche Kontur der Kanzlerin ist unscharf. Ihr 35-min\u00fctiger Vortrag, f\u00fcr den sie eigens an die amerikanische Ostk\u00fcste geflogen ist, wirkt auf drei Ebenen.<\/b><br \/>\nDer Satz ist wirklich gut. Er klingt ein bisschen nach John F. Kennedy und jedenfalls sehr amerikanisch. Er dr\u00fcckt Zuversicht und Optimismus aus im Gegensatz zur Rhetorik der Angst und des Hasses, die derzeit in Washington Konjunktur hat. \u201eFragen wir nicht zuerst, was nicht geht oder was schon immer so war\u201c, ruft Angela Merkel ihren Zuh\u00f6rern auf dem Campus der Universit\u00e4t Harvard zu: \u201eFragen wir zuerst, was geht, und suchen wir nach dem, was noch nie so gemacht wurde!\u201c Das Publikum klatscht kr\u00e4ftig Beifall.<br \/>Die Rede der deutschen Bundeskanzlerin ist zweifelsohne der H\u00f6hepunkt der diesj\u00e4hrigen Graduierungsfeier der traditionsreichen Eliteschmiede. Mehr als 20.000 Menschen sind gekommen, um einen Tag lang mit den diesj\u00e4hrigen Absolventen zu feiern. Man tr\u00e4gt Talar, Anzug oder auch Freizeitlook. Die Menge ist kultiviert, globalisiert, offen und in den j\u00fcngeren Jahrg\u00e4ngen extrem divers. Es ist ein Freudenfest des anderen Amerika, das Angela Merkel als Verb\u00fcndete und moralische F\u00fchrerin der freien Welt begr\u00fc\u00dft.<br \/>Mag die Kanzlerin in Deutschland in j\u00fcngster Zeit bisweilen abwesend gewirkt haben: F\u00fcr die liberalen Eliten der USA steht sie im Zenit ihrer Macht. Bei so viel Euphorie kann es zu Spiegelungen und Projektionen kommen \u2013 so etwa, als Margaret Wang, die Vorsitzende der Ehemaligenvereinigung, in ihrer Eloge hervorhebt, Merkel habe w\u00e4hrend ihrer 14-j\u00e4hrigen Amtszeit die Energiewende eingeleitet, den Mindestlohn eingef\u00fchrt, die Ehe f\u00fcr Alle erm\u00f6glicht und die Grenzen f\u00fcr mehr als eine Million Menschen ge\u00f6ffnet.<br \/>Lesen Sie auch: Kanzlerin Merkel in Harvard gefeiert \u2013 und mit Selbstkritik in Sachen Klimaschutz<br \/>Angesichts der Pirouetten der CDU-Politikerin beim Atomausstieg und ihres Neins bei der Ehe-Abstimmung klingt das nun doch ein bisschen schr\u00e4g, ganz davon abgesehen, dass der Mindestlohn vom sozialdemokratischen Koalitionspartner durchgesetzt wurde und die Fl\u00fcchtlingspolitik inzwischen in Merkels eigener Partei h\u00f6chst kritisch diskutiert wird.<br \/>Doch die r\u00e4umliche Distanz l\u00e4sst manche Konturen verschwimmen. Andere Kontraste erscheinen daf\u00fcr umso sch\u00e4rfer \u2013 vor allem der zwischen Merkel und Donald Trump. Die Kanzlerin muss den W\u00fcterich im Wei\u00dfen Haus gar nicht beim Namen nennen, um als seine nat\u00fcrliche Gegenspielerin wahrgenommen zu werden.<br \/>So wirkt ihr 35-min\u00fctiger Vortrag, f\u00fcr den sie eigens an die amerikanische Ostk\u00fcste geflogen ist, auf drei Ebenen: \u00c4u\u00dferlich ist es ein f\u00fcr Merkels Verh\u00e4ltnisse ungew\u00f6hnlich pers\u00f6nlicher, manchmal etwas pathetischer Leitfaden f\u00fcr die jungen Akademiker. Gleichzeitig h\u00f6rt man stets eine Kommentierung von Trump heraus. Und schlie\u00dflich wird bald \u00fcberdeutlich, wie weit Merkel in der Rolle der Elder Stateswoman inzwischen den Niederungen des heimischen Groko-Alltags entflohen ist.<br \/>\u201eJedem Anfang wohnt ein Zauber inne\u201c, hat die Kanzlerin eingangs Hermann Hesse zitiert. Sp\u00e4ter philosophiert sie: \u201eEs gibt keinen Anfang ohne ein Ende, keinen Tag ohne die Nacht, kein Leben ohne den Tod.\u201c Das kann man auf den Umbruch im Leben der Uni-Absolventen beziehen oder auf die politische Finsternis unter dem derzeitigen US-Pr\u00e4sidenten oder auch auf Merkels Herkunft aus der DDR und ihre Zukunft nach dem planm\u00e4\u00dfigen Ende ihrer Kanzlerschaft im Jahr 2021, in der sie \u2013 soviel l\u00e4sst sie durchblicken \u2013 \u201ewieder etwas Anderes und Neues\u201c machen will.<br \/>Die Absage der Rednerin an Protektionismus und Handelskriege, ihr Aufruf zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels und ihre Kampfansage an ignorante Engstirnigkeit fallen deutlich konkreter aus. Daf\u00fcr erntet Merkel jedes Mal viel Beifall. Ihr Appell, die Politik solle \u201ebei allem Entscheidungsdruck nicht immer dem ersten Impuls folgen\u201c wird begeistert als Abrechnung mit der erratischen Trumpschen Twitterkratie verstanden.<br \/>Den euphorischsten Zuspruch aber bekommt die Kanzlerin, als sie fordert, \u201edass wir L\u00fcgen nicht Wahrheiten nennen und Wahrheiten nicht L\u00fcgen\u201c. Da springen die Zuh\u00f6rer buchst\u00e4blich von ihren Sitzen und klatschen sich die H\u00e4nde wund. \u201eBravo!\u201c kommentiert manch einer diese Maxime, die noch vor ein paar Jahren selbstverst\u00e4ndlich gewesen w\u00e4re. In einer Welt der \u201ealternativen Fakten\u201c aber erscheint die spr\u00f6de N\u00fcchternheit der Physikerin Merkel pl\u00f6tzlich als ein seltener Wert.<br \/>\u201eSie ist eine Frau der Wissenschaft\u201c, schw\u00e4rmt Ryan Ortizo, der die Rede in Robe und schwarzem Hut verfolgt hat. Der Sohn philippinischer Einwanderer hat seinen Abschluss in Medizin und w\u00fcnscht sich mehr Naturwissenschaftler in der Politik.<br \/>\u201eFrau Merkel ist eine sehr starke Anf\u00fchrerin\u201c, urteilt Ortizo. Ob er nicht f\u00fcrchtet, dass ihre Durchsetzungskraft zum Ende der Amtszeit nachl\u00e4sst? \u201eIm Gegenteil\u201c, hofft der frischgebackene Harvard-Absolvent: \u201eJetzt, wo sie sich nicht mehr um ihre Wiederwahl k\u00fcmmern muss, hat sie die Freiheit, noch mutiger in ihrem Handeln zu werden.\u201c<br \/>Ein interessanter Gedanke. Doch Merkels Aufforderung, unbekannte Wege zu beschreiten und nach dem zu suchen, \u201ewas noch nie so gemacht wurde\u201c bezieht sich nicht auf ein k\u00fchnes Projekt in der Sp\u00e4tphase der Kanzlerschaft. Der Satz ist ein Zitat. \u201eGenau diese Worte habe ich im Jahr 2005 in meiner allerersten Regierungserkl\u00e4rung als neue gew\u00e4hlte Bundeskanzlerin gesagt\u201c, setzt die Kanzlerin in Harvard hinzu. Das klingt doch eher nach Verm\u00e4chtnis als nach Aufbruch.<br \/>Von Karl Doemens\/RND<\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\".vc_icon_element-icon\").css(\"top\", \"0px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").css(\"height\", \"10px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Graduierungsfeier der Eliteuniversit\u00e4t Harvard wird Angela Merkel als Kontrahentin von Trump gefeiert. Doch manche Kontur der Kanzlerin ist unscharf. Ihr 35-min\u00fctiger Vortrag, f\u00fcr den sie eigens an die amerikanische Ostk\u00fcste geflogen ist, wirkt auf drei Ebenen. Der Satz ist wirklich gut. Er klingt ein bisschen nach John F. Kennedy und jedenfalls sehr amerikanisch. 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