<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":1924279,"date":"2021-06-14T01:01:00","date_gmt":"2021-06-13T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=1924279"},"modified":"2021-06-14T05:05:19","modified_gmt":"2021-06-14T03:05:19","slug":"grunen-parteitag-reden-stolpern-weitermachen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/fr\/2021\/06\/grunen-parteitag-reden-stolpern-weitermachen\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcnen-Parteitag: Reden, stolpern, weitermachen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Eine Kanzlerkandidatin muss auf einem Wahl-Parteitag eine Kanzlerinnenrede halten. Annalena Baerbock stolpert dabei bei den Gr\u00fcnen \u00fcber ihre Anspannung. Winfried Kretschmann macht ihr Mut, Robert Habeck liefert den Slogan zum Wahlkampf und Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser warnt die Gr\u00fcnen davor aufzugeben.<\/b><br \/>\nBerlin. Die Spannung bei den Gr\u00fcnen l\u00f6st sich am Sonntag und zwar mit Hilfe einer Landkarte. Baden-W\u00fcrttembergs Ministerpr\u00e4sident Winfried Kretschmann hat sich zum Gr\u00fcnen-Parteitag zugeschaltet und projiziert den Umriss seines Bundeslands auf den Bildschirm, schwarz zuerst und dann immer gr\u00fcner \u2013 es zeigt den Siegeszug der Gr\u00fcnen, die der Union in deren einstigen Stammland in den vergangenen zehn Jahren Wahlkreis f\u00fcr Wahlkreis abgenommen hat. Kretschmann regiert dort seit 2011, erst im M\u00e4rz hat er wieder die Landtagswahl gewonnen. \u201eWir wollen das Wunder auch im Bund m\u00f6glich machen\u201c, sagt Kretschmann. \u201eWir treten an, um Deutschland zu f\u00fchren und der Politik die Richtung vorzugeben.\u201c Schlechte Umfragewerte? Debatten \u00fcber den Lebenslauf von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock? Aufgebauscht, Emp\u00f6rungsspektakel, sagt Kretschmann. Die Debatten zeigten, wie nerv\u00f6s die politischen Gegner seien. \u201eMit Annalena Baerbock an der Spitze k\u00f6nnen wir das scheinbar Unm\u00f6gliche m\u00f6glich machen\u201c, sagt Kretschmann. Es w\u00e4re ein gutes Schlusswort f\u00fcr einen Parteitag, der Punkt, an dem das gro\u00dfe Jubeln einsetzt, Blumen f\u00fcr und Winkebilder mit der Kandidatin im Kreise begeisterter Unterst\u00fctzer. Aber der Parteitag muss sich noch \u00fcber die Au\u00dfenpolitik abstimmen und ohnehin ist gar keine M\u00f6glichkeit f\u00fcr die \u00fcblichen Inszenierungen: Zwar gibt es eine Halle mit einer B\u00fchne, aber dort sitzen wegen Corona nur ein paar Spitzenpolitiker, viele Organisatoren und Techniker und ein paar Journalisten. Und Baerbock und ihr Co-Parteichef Robert Habeck in einer m\u00f6belhausf\u00e4higen Blumenrabatten-Kulisse. Die rund 800 Delegierten verfolgen den Parteitag \u00fcber ihre Computerbildschirme von au\u00dferhalb. In der Halle darf sich keiner richtig nahe kommen. Kretschmann redet, Baerbock l\u00e4chelt. Sie sieht etwas entspannter aus als in den Tagen zuvor. Es hat ja eigentlich alles geklappt auf diesem Parteitag. Oder besser: fast alles. Das Wahlprogramm ist so durchgekommen, wie es die Parteispitze vorgesehen hatte. Bis auf zwei eher kleinere \u00c4nderungen hat der Vorstand alle der rund 50 Abstimmungen gewonnen. Nur 60 statt 80 Euro CO2-Preis also, keine Enteignung von Wohnungsbauunternehmen und kein Nein, sondern ein Vielleicht zu bewaffneten Drohnen \u2013 sehr koalitionskompatibel also. Habeck hat es vor dem Parteitag \u00fcbernommen, die Delegierten darauf einzuschw\u00f6ren, keine Forderungen ins Wahlprogramm zu schreiben, die nicht umsetzbar sind. Und dann gibt es noch diese Teile im Bausatzprogramm \u201eB\u00fcndnispartner\u201c: DGB-Chef Reiner Hoffmann lobt die Gr\u00fcnen in einer Gastrede. Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser sagt, die Gr\u00fcnen sollten ihre Chance nicht vergeben, \u201evon einer Abteilungsleitung Umwelt in den Vorstand Deutschland aufzusteigen\u201c. Das l\u00e4sst sich anf\u00fchren gegen Kritik von SPD und Union. Und ein weiteres hat geklappt: Die Delegierten haben Baerbock mit 98,55 Prozent der Stimmen als Kanzlerkandidatin best\u00e4tigt, kein bisschen Zweifel also kommt da auf. Inwieweit das gute Ergebnis an einem kleinen Trick liegt, l\u00e4sst sich nicht sagen. Zur Abstimmung gestanden haben Baerbock und ihr Co-Chef Robert Habeck zusammen, das Spitzenduo also. W\u00e4re auch bei einem Kanzlerkandidaten Habeck so gewesen, hei\u00dft es bei den Gr\u00fcnen. Keine Baerbock-Sonderl\u00f6sung also. Die sechs Nein-Stimmen und vier Enthaltungen, die zu den 100 Prozent fehlen, sind ein strategisches Gl\u00fcck. Sie bewahren die Kanzlerkandidatin vor der Martin-Schulz-Assoziation: Start mit 100 Prozent auf dem Parteitag und Absturz bei der Bundestagswahl. Alles gut also an dieser Stelle. Nur die Kandidatin selber hat gepatzt. Nicht mit diesem kleinen Stolpern auf dem Weg zur B\u00fchne vor ihrer Rede, kaum sichtbar, gerade noch abgefangen. Ihr Blick ging da zu Habeck, ein leicht ungl\u00e4ubiges L\u00e4cheln, als h\u00e4tten die beiden davor dar\u00fcber geredet: Was passiert eigentlich, wenn man sich vor laufenden Kameras auf die Nase legt? Aktivierungsmail verschickt Vielen Dank f\u00fcr Ihr Interesse an unserem Newsletter. In K\u00fcrze erhalten Sie einen Aktivierungslink per E-Mail von uns. Die Newsletter-Anmeldung hat leider nicht geklappt. Bitte versuchen Sie es noch einmal und laden Sie die Seite im Zweifel neu. Baerbock bleibt stehen, aber sie stolpert noch einmal. Diesmal in ihrer Rede, spricht von digitalen Angriffen und \u201eliberalen Feinden\u201c, Stutzt, setzt noch einmal an. \u201eFeinde der liberalen Demokratie innen wie au\u00dfen\u201c, so muss das hei\u00dfen. Als sie von der B\u00fchne geht, wieder Habeck an ihrer Seite, raunt sie ihm einen Fluch zu. \u201eSchei\u00dfe.\u201c Nicht gerade optimal, wenn man eigentlich Zuversicht ausstrahlen soll. Bei der Konkurrenz freut man sich. Der Chef-Stratege von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, Finanz-Staatssekret\u00e4r Wolfgang Schmidt, twittert: \u201eSolide Selbsteinsch\u00e4tzung der Rede.\u201c Die SPD hat Baerbock in der Rede anders als die Union nicht einmal erw\u00e4hnt, nur Willy Brandt hat sie einmal zitiert. Baerbock habe sich einfach \u00fcber ihren Versprecher ge\u00e4rgert, hei\u00dft es in ihrem Umfeld zu dem Nach-Rede-Schimpfwort. Die Passage sei ihr nun mal wichtig gewesen. Sie hat sich ja lange vorbereitet auf diese Rede. Hat sich kaum blicken lassen auf dem Parteitag bis zu ihrem Auftritt, w\u00e4hrend Habeck entspannt oder zumindest demonstrativ entspannt durch die Halle streifte. Der Fokus lag auf dieser Rede, darauf, wie Baerbock dem Druck der vergangenen Wochen standhalten w\u00fcrde. Habeck hatte schon geredet, schwungvoll und ohne Manuskript. Hatte den Begriff \u201eFreiheit\u201c ins Zentrum ger\u00fcckt und ihn damit der FDP streitig gemacht. Und er hat eindrucksvoll geendet: \u201eWir Gr\u00fcne stehen vor dem Wahlkampf unseres Lebens. Ich freu mich drauf. Wir sehen uns auf der Stra\u00dfe.\u201c Wahlkampf des Lebens, darauf muss dann eigentlich von der Kanzlerkandidatin eine Rede des Lebens folgen. Sie hat ihren wortgewandten Co-Chef ja auch schon einmal \u00fcbertrumpft, hat ihn mit forschen Spr\u00fcchen bei der Wahl zur Parteichefin \u00fcberrundet. Aber nun ist Baerbock in der Defensive, und da muss sie erst einmal raus kommen. Sie habe Fehler gemacht, so beginnt sie also ihre Rede und dankt f\u00fcr Unterst\u00fctzung, den Delegierten und auch Habeck. \u201eDich an meiner Seite zu wissen, das hat Kraft gegeben und volle Power\u201c, sagt Baerbock und die Power klingt noch etwas ersch\u00f6pft. Aber ein paar Motivationsspr\u00fcche hat sie auch dabei. \u201eIn diesem Sommer dreht sich der Wind\u201c, ruft Baerbock also. Die belarussische Oppositionsf\u00fchrerin Swetlana Tichanowskaja wird diesen Satz aufgreifen, als sie am Sonntag kurzfristig auf dem Parteitag vorbeischaut. Tichanowskaja will Pr\u00e4sidentin in ihrem Heimatland werden. Es sind andere Umst\u00e4nde unter denen sie sich darum bem\u00fcht, kein Vergleich mit einem Wahlkampf in Deutschland, s\u00e4mtliche H\u00e4rten schrumpfen da pl\u00f6tzlich zusammen und Lebenslauf-Fragen sowieso. Eine junge Frau, die sich f\u00fcr den Chefsessel bewirbt, diese Parallele gibt es dann doch. Tichanowskaja lobt die Gr\u00fcnen f\u00fcr ihr seit Jahren anhaltendes Interesse an Belarus, kerzengerade und fast starr steht sie am Rednerpult. Aber zur\u00fcck zur Rede von Baerbock. Eng bleibt die 40-J\u00e4hrige an ihrem Manuskript, sie ackert sich durch ihre Aufgabe, eine Art Kanzlerinnenrede halten zu m\u00fcssen. Das das so ist, zeigt sich zum Beispiel in der Anrede. Baerbock adressiert nicht nur die Gr\u00fcnen, sondern die \u201eB\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger\u201c. Das \u201eWir\u201c sei nicht nur die Partei, sondern alle, sagt sie. \u201eJeden Einzelnen m\u00fcssen wir sehen und h\u00f6ren.\u201c Und sie z\u00e4hlt die auf, die nicht zu den Standard-Sympathisanten der Gr\u00fcnen z\u00e4hlen: Pendler, Stahlarbeiter und Handwerker. Zu den 20-Umfragen-Prozent sollen ja noch ein paar Punkte dazu kommen. Zutrauen ist Baerbocks Kernbegriff. Sie erkl\u00e4rt noch einmal, worum es den Gr\u00fcnen geht beim Klimaschutz und wie Kosten sozial abgefedert werden sollen. Sie legt einen Fokus auf Kinderrechte und Familien, die von Sozialleistungen leben m\u00fcssen.1,40 Euro pro Tag m\u00fcsse f\u00fcr alles reichen, \u201ewas das Leben eines Kindes vers\u00fc\u00dft: Freibad, Eis essen, neue Fu\u00dfballschuhe\u201c, sagt Baerbock. F\u00fcr Eltern bedeutete das \u201eso viele Neins an einem einzigen Sommertag\u201c. Beim Thema Autos wird sie pers\u00f6nlich: \u201eDas Auto war f\u00fcr mich mit 18 meine gro\u00dfe Freiheit\u201c, sagt sie. Da habe sie n\u00e4mlich zum Jobben aus ihrem Dorf in Niedersachsen in eine B\u00e4ckerei pendeln m\u00fcssen \u2013 und eine Bus- und Bahnverbindung habe es nicht gegeben. Es ist der Versuch, \u00c4ngste zu nehmen und Klischees zu durchbrechen \u2013 die von den autofeindlichen Gr\u00fcnen zum Beispiel. Auch von ihrer Mutter erz\u00e4hlt Baerbock. Die habe sich gegen eine fr\u00fche negative Lehrereinsch\u00e4tzung bis zum Studium gek\u00e4mpft. Ein bisschen Biografie nebenher, die Erfahrung mit holprigen Lebenswegen und Widerst\u00e4nde. Auch das geh\u00f6rt in die Abteilung: Erdung und Lebensn\u00e4he vermitteln. Es sei nicht die Frage, ob der Wandel komme, sondern wer ihn am besten gestalten k\u00f6nne, sagt Baerbock noch. \u201eJetzt ist der Moment, unser Land zu erneuern.\u201c In der Halle schaffen Mitarbeiter und ein paar Dutzend extra geladene Neumitglieder eine doch ganz beeindruckende Applaus-Kulisse. Baerbock verbeugt sich, das L\u00e4cheln etwas angestrengt. \u201eIch bin mir sicher: Du wirst es schaffen\u201c, sagt Kretschmann in seiner Rede am Sonntag. Ein paar Abstimmungen noch, der Bundesvorstand setzt Sieg auf Sieg und dann ist der Parteitag vorbei. Jetzt gehe es dann richtig los mit dem Wahlkampf, sagt Baerbock. \u201eDas war jetzt der einfache Teil.\u201c Und pl\u00f6tzlich wirkt sie gel\u00f6st.<\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\".vc_icon_element-icon\").css(\"top\", \"0px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").css(\"height\", \"10px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Kanzlerkandidatin muss auf einem Wahl-Parteitag eine Kanzlerinnenrede halten. Annalena Baerbock stolpert dabei bei den Gr\u00fcnen \u00fcber ihre Anspannung. Winfried Kretschmann macht ihr Mut, Robert Habeck liefert den Slogan zum Wahlkampf und Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser warnt die Gr\u00fcnen davor aufzugeben. Berlin. 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