<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":1952798,"date":"2021-07-24T21:43:00","date_gmt":"2021-07-24T19:43:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=1952798"},"modified":"2021-07-24T23:10:36","modified_gmt":"2021-07-24T21:10:36","slug":"schon-um-das-erste-berliner-stadtschloss-gab-es-heftigen-streit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/fr\/2021\/07\/schon-um-das-erste-berliner-stadtschloss-gab-es-heftigen-streit\/","title":{"rendered":"Schon um das erste Berliner Stadtschloss gab es heftigen Streit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Das erste Schloss war in der Doppelstadt an der Spree alles andere als willkommen. 1448 entz\u00fcndete sich daran der \u201eBerliner Unwille\u201c.<\/b><br \/>\nDie Szene strahlt Frieden, Harmonie, sogar Fortschrittsglauben aus, zeugt zugleich von allgemeinem Einverst\u00e4ndnis in soziale Hierarchien: Eine Baustelle wird besichtigt, die Maurer lassen sich davon kaum st\u00f6ren, nur ein Steinmetz h\u00e4lt kurz inne. Der Baumeister, eine Zeichnung in der Hand, hat sich ehrerbietig dem von seinem Pferd huldvoll auf ihn niederblickenden Auftraggeber gen\u00e4hert. Dessen Leibwache, l\u00e4ssig auf Schwert und Hellebarde gest\u00fctzt, scheint die Pause zu genie\u00dfen. Man braucht schon viel Fantasie, um Vorg\u00e4nge, die sich vor knapp sechs Jahrhunderten abspielten, vors innere Auge zu zaubern. Daran hatte der Berliner Historienmaler Carl R\u00f6hling offenbar keinen Mangel und zeichnete 1890 mit leichter Hand die beschriebene Szene, die Kurf\u00fcrst Friedrich II., genannt Eisenzahn, bei der Besichtigung der ersten Berliner Schlossbaustelle zeigen soll. Angesichts der regul\u00e4ren Er\u00f6ffnung des Humboldt-Forums im aktuellen Schlossneubau ist es wohl sinnvoll, den Blick auch einmal r\u00fcckw\u00e4rts, hin zu den Anf\u00e4ngen, zu richten. Die Frage ist nur, kann man da R\u00f6hling folgen oder ist nicht doch ein kleines Diorama realistischer, das im Berlin Story Museum, untergekommen im Bunker nahe dem Anhalter Bahnhof in Kreuzberg, die Phase der 1443 begonnenen Arbeiten am Ur-Schloss illustriert. Museumschef Wieland Giebel hatte es 2010 beim Schmalkaldener Zinnfigurenhersteller Stefan Campe in Auftrag gegeben. Zu sehen ist eine ganz und gar nicht friedliche Szene: Wasser gurgelt durch die Baustelle, triumphierende Wutb\u00fcrger, die es auch im 15. Jahrhundert schon gab, verbrennen Akten aus der gest\u00fcrmten kurf\u00fcrstlichen Kanzlei \u2013 eine Stadt im Aufruhr, der \u201eBerliner Unwille\u201c von 1448. Es war ja nicht so, dass man in den Nachbarst\u00e4dten Berlin und C\u00f6lln voller Vorfreude auf das Schloss gewartet h\u00e4tte, im Gegenteil. Residenzstadt der Hohenzollern war bislang Tangerm\u00fcnde, und kamen sie mal an die Spree, so hielten sie im Hohen Haus in der heutigen Klosterstra\u00dfe Hof, von dem ein gotischer Torbogen im M\u00e4rkischen Museum \u00fcberdauert hat. Die St\u00e4dter erkannten ganz richtig, dass Eisenzahns Entscheidung f\u00fcr ein Schloss an der Spree nicht nur einen blo\u00dfen Umzug, sondern einen Angriff auf ihre Rechte und Privilegien bedeutete. Divide et impera! Ihr Kurf\u00fcrst agierte aber geschickt, wusste die Spannungen zwischen den im Fernhandel reich gewordenen Patriziern und den in Z\u00fcnften organisierten Handwerkern auszunutzen und trotzte den Stadtoberen, angeblich auch mit dem Argument von 600 bewaffneten Reitern, am 29. August 1442 einen f\u00fcr ihn \u00e4u\u00dferst vorteilhaften Vertrag ab. Mit der schon avisierten Vereinigung von Berlin und C\u00f6lln war es \u2013 \u201eDivide et impera!\u201c \u2013 erst mal Schluss, viele Rechte gingen an ihn \u00fcber, und zudem sicherte er sich einen Baugrund auf dem C\u00f6llner Werder, zwischen Haupt- und Nebenarm der Spree, nord\u00f6stlich des Dominikanerklosters, an das die Br\u00fcderstra\u00dfe erinnert. [Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier f\u00fcr Apple- und Android-Ger\u00e4te herunterladen k\u00f6nnen.] Den Grundstein zum Schloss legte Eisenzahn eigenh\u00e4ndig am 31. Juli 1443. Schon die Vorarbeiten m\u00fcssen besonders die C\u00f6llner als Affront empfunden haben, wurde doch daf\u00fcr die Stadtmauer, Symbol ihrer Selbstst\u00e4ndigkeit, teilweise geschleift, auch Wohnh\u00e4user und selbst das C\u00f6llner Badehaus, offenbar Vorl\u00e4ufer der jetzt wieder diskutierten Flussbadeanstalt, wurden plattgemacht. Irgendwann platzte den B\u00fcrgern der Kragen und sie schritten zur Tat. Die Baustelle wird geflutet Das soll sich Mitte Januar und Mitte M\u00e4rz 1448 abgespielt haben. Man st\u00fcrmte die Kanzlei im Hohen Haus, verbrannte Akten \u2013 und \u00f6ffnete das \u201eArche\u201c genannte Wehr am Seitenarm der Spree, flutete den Baugrund. Zur Sicherheit hatte man sich vorsorglich des Beistands anderer St\u00e4dte in der Mark versichert, ein B\u00fcndnis, das \u2013 der Kurf\u00fcrst taktierte erneut klug \u2013 bald br\u00f6ckelte. Bereits Ende Mai mussten Berlin und C\u00f6lln kleinlaut beigeben und den Vertrag von 1442 akzeptieren. Eisenzahn war immerhin so weise, sich bei den Strafen f\u00fcr diese handfeste Unbotm\u00e4\u00dfigkeit halbwegs zur\u00fcckzuhalten. Aber wie sah das erste, bereits 1451 bezogene und direkt an der Spree gelegene Schloss aus? Das m\u00fcsse \u201eleider im Dunkeln bleiben\u201c, befanden Michael Malliaris, Leiter der dem Neubau vorausgegangenen arch\u00e4ologischen Grabungen auf dem Schlossplatz, und Matthias Wemhoff, Berliner Landesarch\u00e4ologe und Direktor des hiesigen Museums f\u00fcr Vor- und Fr\u00fchgeschichte, in ihrem Buch \u201eDas Berliner Schloss. Geschichte und Arch\u00e4ologie\u201c (Elsengold-Verlag 2016). Es gibt keine Darstellungen, und auch Buddeln im Untergrund konnte hier nicht weiterhelfen, da die unterirdischen Schlossreste im Bereich des Palasts der Republik f\u00fcr dessen Fundament entsorgt worden waren. Vorher h\u00e4tte man vielleicht noch \u00dcberreste des Kellers und des wegen seines Kupferdachs so genannten \u201eGr\u00fcnen Huts\u201c entdeckt. Wahrscheinlich war dies ein Turm der alten Stadtbefestigung, der in den Schlossbau integriert wurde und die Jahrhunderte bis zu dessen Abriss 1950 \u00fcberdauert hatte. [ Zu Gast bei Kaisers: Lesen Sie hier bei Tagesspiegel Plus, w as der einfache Feldwebel Gustav Hartmann 1897 im Berliner Schloss erlebte.] Gesichert scheint immerhin ein eher burg- als schloss\u00e4hnlicher Geb\u00e4udetrakt an der Spree, nebst Wohnturm f\u00fcr den Kurf\u00fcrsten, daneben liegender Erasmuskapelle, dem \u201eGr\u00fcnen Hut\u201c und vielleicht einem s\u00fcdlich im rechten Winkel sich anschlie\u00dfenden Saalbau mit Blick auf die f\u00fcr Ritterspiele vorgesehene Stechbahn. Schriftliche \u00dcberlieferungen legen weiter ein Ballhaus und einen Schlossgarten nahe. Auch wenn dies von der sp\u00e4teren Pracht des Renaissance-, des Barockschlosses oder gar des Wilhelm II. noch weit entfernt war, lie\u00df sich darin schon prima feiern, so 1476 die Hochzeit des sp\u00e4teren Kurf\u00fcrsten Johann Cicero, bei dem die G\u00e4ste mit 1000 Pferden anger\u00fcckt sein sollen. Pfalzgraf Ottheinrichs Besuch in Berlin Eine erste, nun ja, Darstellung des Eisenzahn-Schlosses gibt es vielleicht aber doch. Im Februar 1537 war Ottheinrich, Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg, auf einer Krakau-Reise auch durch C\u00f6lln-Berlin gekommen. Ihn begleitete ein unbekannter K\u00fcnstler, der von den Stationen Skizzen anfertigte und zu Hause ausf\u00fchrte. Auch die Doppelstadt an der Spree findet sich in den Reisebildern. Der Hamburger Wissenschaftlerin Angelika Marsch, Spezialistin f\u00fcr historische Stadtansichten, war mit einer Gruppe von Historikern deren Zuordnung gelungen. Die Berlin-Vedute, die als die erste Darstellung der Stadt gilt, erwies sich als teilweise sehr pr\u00e4zise, am linken Bildrand findet sich sogar der so genannte Rabenstein, wo drei Jahre nach Ottheinrichs Besuch der C\u00f6llner Kaufmann Hans Kohlhase, Vorbild zu Kleist Michael Kohlhaas, hingerichtet wurde. Auch Nikolai-, Petri- und Marienkirche lassen sich leicht identifizieren. Zwischen letzteren ragen im Hintergrund sechs Spitzt\u00fcrme. Dort lagen das Schloss, aber auch das Dominikanerkloster mit seiner Kirche. Diese habe erst 1538 \u201eturmartige Aufs\u00e4tze\u201c erhalten, schrieb Angelika Marsch 2004 im Jahrbuch des Berliner Landesarchivs. Zuvor habe es \u201enur einen Dachreiter\u201c gegeben, w\u00e4hrend das Schloss damals \u201enoch ein unbedeutender Bau\u201c, gewesen sei. Erst ab 1538 sei er unter Joachim II. zum wirklichen Schloss ausgebaut worden. Waren die sechs Turmspitzen also vielleicht nur eine Erfindung des K\u00fcnstlers? Der hatte mit seinem Berlin-Bild bei aller Pr\u00e4zision auch viel Fantasie bewiesen. Die Doppelstadt vor dem Hintergrund blauer Berge? Sehr dekorativ, aber nicht ganz korrekt.<\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\".vc_icon_element-icon\").css(\"top\", \"0px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").css(\"height\", \"10px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das erste Schloss war in der Doppelstadt an der Spree alles andere als willkommen. 1448 entz\u00fcndete sich daran der \u201eBerliner Unwille\u201c. Die Szene strahlt Frieden, Harmonie, sogar Fortschrittsglauben aus, zeugt zugleich von allgemeinem Einverst\u00e4ndnis in soziale Hierarchien: Eine Baustelle wird besichtigt, die Maurer lassen sich davon kaum st\u00f6ren, nur ein Steinmetz h\u00e4lt kurz inne. 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