<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":2050689,"date":"2021-12-06T17:54:00","date_gmt":"2021-12-06T15:54:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=2050689"},"modified":"2021-12-06T18:19:18","modified_gmt":"2021-12-06T16:19:18","slug":"ukraine-russland-schafft-truppen-aus-sibirien-herbei","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/fr\/2021\/12\/ukraine-russland-schafft-truppen-aus-sibirien-herbei\/","title":{"rendered":"Ukraine: Russland schafft Truppen aus Sibirien herbei"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Unbeirrt von westlichen Appellen, verst\u00e4rkt Russland seine Streitkr\u00e4fte an der Grenze zur Ukraine. Zur Einsch\u00e4tzung der Lage tragen kleine und kleinste Mosaiksteine bei. Sie ergeben ein zunehmend beunruhigendes Bild.<\/b><br \/>\nUnbeirrt von westlichen Appellen, verst\u00e4rkt Russland seine Streitkr\u00e4fte an der Grenze zur Ukraine. Zur Einsch\u00e4tzung der Lage tragen kleine und kleinste Mosaiksteine bei. Sie ergeben ein zunehmend beunruhigendes Bild. Ein vom privaten Satellitenbetreiber Maxar ver\u00f6ffentlichtes Bild vom 9. November zeigt ein neu errichtetes Milit\u00e4rlager bei Jelnja im Westen Russlands. Dinis Wogonow ist offensichtlich ein begeisterter Eisenbahn-Fan. Der Russe ver\u00f6ffentlicht auf der Videoplattform Tiktok regelm\u00e4ssig Filmchen von vorbeifahrenden Z\u00fcgen \u2013 alten und modernen, bei Sonne, im Nebel oder mitten in der Nacht. Damit hat er bei Tiktok immerhin 1845 Follower gefunden. Doch am 4. Dezember machte er einen besonders spannenden \u00abFang\u00bb \u2013 er filmte an seiner Lieblingsstation bei stiebendem Schnee, wie ein Transportzug mit Dutzenden von Milit\u00e4rfahrzeugen vorbeisauste. Das mit einem Schlagerlied aus der Sowjetzeit unterlegte Video erhielt unter Russland-Beobachtern am Wochenende sogleich Beachtung. Was spielte sich hier ab? Videos, Bilder und Texte aus sozialen Netzwerken sowie weitere \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Informationen \u2013 sogenannte Open Source Intelligence oder Osint \u2013 spielen bei der Einsch\u00e4tzung von Krisen wie der gegenw\u00e4rtigen zwischen Russland und der Ukraine eine wachsende Rolle. Analytiker in Medien und Wissenschaft sind l\u00e4ngst nicht mehr prim\u00e4r auf Angaben von Regierungen oder Geheimdiensten angewiesen, die sich schlecht \u00fcberpr\u00fcfen lassen. Soziale Netzwerke bieten eine F\u00fclle von Hinweisen \u2013 oft eher zuf\u00e4llig, weil die Urheber der Beitr\u00e4ge gar nicht an die Bedeutung ihrer Beitr\u00e4ge denken, wenn sie diese ins Internet stellen. \u00abNicht erlaubt\u00bb So d\u00fcrfte es auch beim Eisenbahn-Fan Wogonow gewesen sein (dessen Name wohl ein Pseudonym ist, denn er l\u00e4sst sich mit Herr Eisenbahnwagen \u00fcbersetzen). Unter seinem Post entbrannte eine Diskussion dar\u00fcber, ob man so etwas \u00fcberhaupt publizieren d\u00fcrfe. \u00abNat\u00fcrlich, warum auch nicht?\u00bb, verteidigte sich Wogonow am Samstagabend. \u00abNicht erlaubt\u00bb, schrieb ein anderer Eisenb\u00e4hnler barsch. \u00abKumpel, Z\u00fcge mit Sonderbedeutung darf man nicht aufnehmen.\u00bb Ein Milit\u00e4rkonvoi irgendwo in Russland ist nat\u00fcrlich noch keine Sensation. Ohne Zusatzinformationen sagt ein solches Video wenig aus. Da Wogonow den Aufnahmeort nicht angab, stellten sich einige knifflige Fragen. Doch auf seinem Tiktok-Konto finden sich aufschlussreiche Anhaltspunkte. So hatte er vom exakt selben Standort aus k\u00fcrzlich bei Nacht einen Passagierzug aufgenommen, der offensichtlich im Westen Russlands unterwegs war. Es handelt sich um einen modernen Eilzug auf der Strecke Moskau\u2013Minsk, der in dieser Formation erst seit dem 1. Oktober im Einsatz ist. Mit weiteren Hinweisen l\u00e4sst sich der Aufnahmeort identifizieren und mit Google Street View \u00fcberpr\u00fcfen \u2013 es handelt sich um die Station des Dorfs Poluschkino 60 Kilometer westlich von Moskau. Der Milit\u00e4rzug fuhr in westlicher Richtung. Ausschnitt aus dem Video vom 4. Dezember. Dieselbe Stelle auf Google Street View. Der Aufnahmeort des Videos von einem Milit\u00e4rzug aus Sibirien l\u00e4sst sich anhand verschiedener Anhaltspunkte bestimmen: Es ist der Bahnhof Poluschkino bei Moskau; der Zug hat damit den Grossteil seiner Strecke zur\u00fcckgelegt und f\u00e4hrt weiter nach Westen. Interessant ist aber vor allem die Zusammensetzung des Zuges. Auf den Flachwagen sind zwei Dutzend milit\u00e4rische Allzweckgel\u00e4ndefahrzeuge des Typs Tigr-M zu erkennen, ferner Lastwagen, einige gepanzerte Fahrzeuge und ein Sanit\u00e4tsfahrzeug. Einen Zug mit exakt derselben Formation hatte ein Bahnarbeiter namens Alexei Ende November in der frisch verschneiten Taiga gefilmt \u2013 in Chakassien, einer Teilrepublik in Sibirien. An impressively long railway convoy of military equipment reportedly moving in the direction of Ukraine&#8230; pic.twitter.com\/5aRUfH38ge Der Schluss liegt nahe, dass es sich um Milit\u00e4rfahrzeuge der 55. motorisierten Gebirgssch\u00fctzenbrigade handelt. Diese ist laut dem Conflict Intelligence Team, einer regierungsunabh\u00e4ngigen russischen Recherchegruppe, die n\u00e4chstgelegene Einheit mit solcher Ausr\u00fcstung. Die Brigade hat ihr Hauptquartier in Kysyl, nahe der Grenze zur Mongolei. Die erst im Jahr 2015 neu gebildete Einheit wird in russischen Medien als Eliteeinheit portr\u00e4tiert. Verteidigungsminister Sergei Schoigu, der in der N\u00e4he zur Welt kam, hat die Brigade oft besucht. Ein letztj\u00e4hriges Propagandavideo zeigt Tigr-Gel\u00e4ndefahrzeuge vom selben Typ, wie sie am Wochenende unterwegs nach Europa waren, bei einem Aufkl\u00e4rungseinsatz in der tuwinischen Steppe: Auf anderen Bildern sind russische Truppen mit solchen Fahrzeugen bei einem Einsatz in winterlichen Verh\u00e4ltnissen zu sehen: Tigr-M-Gel\u00e4ndefahrzeuge bei einer \u00dcbung in der Region Tambow. Die Gr\u00f6sse der Brigade wird mit 1300 Mann angegeben. Dies stellt f\u00fcr sich allein noch l\u00e4ngst keine Invasionsarmee dar. Aufhorchen l\u00e4sst jedoch die Tatsache, dass diese Brigade der 41. Armee angeh\u00f6rt, die ihr Hauptquartier eigentlich in Nowosibirsk hat, aber weitere Teile bereits fr\u00fcher nach Westen verlegt hat. Der polnische Milit\u00e4rfachmann Konrad Muzyka erwartet, dass dort bald die gesamte 41. Armee stationiert sein wird. Milit\u00e4r\u00fcbung als Vorwand Unter Hinweis auf Milit\u00e4r\u00fcbungen wurden im Fr\u00fchling Soldaten und Material dieses Truppenverbands auf einen neuen St\u00fctzpunkt bei Woronesch verlegt,160 Kilometer von der ukrainischen Grenze. Aber auch nach dem Abschluss dieser \u00dcbungen \u2013 zuletzt das gemeinsam mit Weissrussland durchgef\u00fchrte Grossman\u00f6ver \u00abSapad\u00bb \u2013 kehrten die Einheiten der 41. Armee oder zumindest ihr Material nicht nach Sibirien zur\u00fcck. Letzteres wurde im Oktober auf einem stark ausgebauten St\u00fctzpunkt bei Jelnja nahe der weissrussischen Grenze eingelagert. Auf Satellitenaufnahmen ist die Anlage gut erkennbar. Dorthin ist nun offenbar auch die 55. Gebirgssch\u00fctzenbrigade unterwegs. Experten haben mithilfe einer Eisenbahn-Datenbank einen Zug identifiziert, der von Abakan in Chakassien nach Jelnja fahren soll \u2013 allem Anschein nach genau jener, der nun in den Videos lokaler Beobachter auftaucht. Die Beh\u00f6rden versuchen solche Internetplattformen zwar zu zensurieren, aber das gelingt nur zum Teil. Bilder in sozialen Netzwerken deuten darauf hin, dass noch eine weitere solche Einheit ins Krisengebiet verlegt wurde, die normalerweise im Nordkaukasus stationierte 8. Gebirgssch\u00fctzenbrigade. Einige ihrer Fahrzeuge wurden Ende November auf der annektierten Halbinsel Krim gefilmt. Diese Einheit hatte schon bei der ersten russischen Milit\u00e4rintervention in der Ukraine teilgenommen und im Donbass gek\u00e4mpft. Die Absichten dahinter bleiben nebul\u00f6s Solche Truppenverschiebungen \u2013 schleichend im Fall der fr\u00fcheren Teile der 41. Armee und schnell wie nun jene der 55. Brigade \u2013 erkl\u00e4ren, weshalb die amerikanischen Geheimdienste zunehmend lauter Alarm schlagen. Nach ihrer Einsch\u00e4tzung besteht das Potenzial, dass Russland bis Anfang Jahr eine Streitmacht von 175 000 Mann an der ukrainischen Grenze aufbaut. Derzeit sind es laut dem amerikanischen Armeechef 95 000 bis 100 000 Angeh\u00f6rige der Bodentruppen; hinzu kommen Einheiten von Luftwaffe und Marine. Aber auch Nachrichten aus offiziellen russischen Quellen geben wenig Anlass zur Beruhigung. So k\u00fcndigte das Kommando des Milit\u00e4rbezirks S\u00fcd am Montag eine Versammlung an, bei der 300 Offiziere \u2013 von den Regimentskommandanten hinauf bis zur Generalit\u00e4t \u2013 teilnehmen sollen. Eines der Hauptziele bestehe darin, verbesserte F\u00e4higkeiten bei der schnellen, weitr\u00e4umigen und heimlichen Verlegung von Truppen zu erlangen. Welche Absichten Moskau mit dem Aufbau dieser Drohkulisse verfolgt, bleibt unklar. Die Entscheidung f\u00fcr oder gegen eine Invasion d\u00fcrfte letztlich allein bei Pr\u00e4sident Putin liegen. Aber kein Kremlchef schafft eine ganze Armee von Sibirien bis an die Westgrenze seines Reiches, nur um eine momentane Laune zu befriedigen. Mitarbeit: Forrest Rogers, Osint-Reporter NZZ. Service Abonnemente Marktpl\u00e4tze NZZ Welt Das Unternehmen NZZ Zeitungen, Magazine und Portale Werbung Weitere Angebote Kooperations-Angebote<\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\".vc_icon_element-icon\").css(\"top\", \"0px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").css(\"height\", \"10px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unbeirrt von westlichen Appellen, verst\u00e4rkt Russland seine Streitkr\u00e4fte an der Grenze zur Ukraine. Zur Einsch\u00e4tzung der Lage tragen kleine und kleinste Mosaiksteine bei. 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