<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":394373,"date":"2017-01-05T12:06:22","date_gmt":"2017-01-05T10:06:22","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=394373"},"modified":"2017-01-05T12:06:22","modified_gmt":"2017-01-05T10:06:22","slug":"martin-walser-und-sein-neuer-roman-es-geht-ihm-ein-bisschen-zu-gut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/fr\/2017\/01\/martin-walser-und-sein-neuer-roman-es-geht-ihm-ein-bisschen-zu-gut\/","title":{"rendered":"Martin Walser und sein neuer Roman: Es geht ihm ein bisschen zu gut"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img style=\"float: left; padding: 5px;\" width=\"300px\" src=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/images\/heprodimagesfotos86120170105walser_1073_1_20170104110618956-jpg\/19210332\/5-format530.jpg\" alt=\"NewsHub\" border=\"0\" \/>Einen Rahmen sollte es wohl doch geben f\u00fcr dieses \u201eentfesselte\u201c Schreiben \u201eam Rand der Formlosigkeit\u201c, wie der Rowohlt Verlag Martin Walsers an diesem Donnerstag erscheinendes neues Buch angek\u00fcndigt hat. Auf dem Cover sieht man ihn goldfarben leuchten, gerahmt wird damit jedoch nichts als eine \u201eleere, musterlose Wand\u201c. Die stellt wiederum eines der Leitmotive dieses Buches dar: den Sehnsuchtsort des Schriftstellers Walser, des Ich-Erz\u00e4hlers, wenn man denn will, der sich seinerseits von allem befreien m\u00f6chte, der \u201eunfassbar sein\u201c will wie \u201edie Wolke, die schwebt\u201c oder wenigstens \u201eeine bl\u00fchende Wiese\u201c. Unter diesem goldfarbenen Rahmen auf dem Cover steht der kryptische Titel \u201eStatt etwas oder Der letzte Rank\u201c, wobei Rank, das wird eingangs mithilfe des Grimmschen W\u00f6rterbuchs erl\u00e4utert, Wendung, Drehung bedeutet. Unter dem Titel wiederum gibt es einen weiteren Rahmen, einen gattungstechnischen in Form des W\u00f6rtchens \u201eRoman\u201c. <br \/>Nun ist dieser Begriff ein inzwischen recht weit gesteckter, werden doch alle m\u00f6glichen erz\u00e4hlerischen Hervorbringungen als Roman bezeichnet, von Autobiografien bis Sachb\u00fcchern. Im Fall dieses Buchs fragt man sich aber schon, was das soll? Zumal Walser seit seinem Romandeb\u00fct \u201eEhen in Philippsburg\u201c 1957 jahrzehntelang als vornehmlich genuiner Erz\u00e4hler und Romanautor die gr\u00f6\u00dften Erfolge hatte und beispielsweise seine drei autobiografischen Me\u00dfmer-B\u00fccher ohne Gattungsbezeichnung ausgekommen waren. \u201eStatt etwas oder Der letzte Rank\u201c muss man vor allem als Erg\u00e4nzung zu den Walser-Tageb\u00fcchern \u201eLeben und Schreiben\u201c lesen, mehr noch vielleicht als viertes Me\u00dfmer-Buch. <br \/>Es ist weniger aphoristisch, weniger sentenzenm\u00e4\u00dfig als diese, klar, versammelt aber auch gr\u00f6\u00dftenteils Gedanken und aktuelle Stimmungen des Schriftstellers, der am 24. M\u00e4rz 90 Jahre alt wird, inklusive der Vergegenw\u00e4rtigung vergangener K\u00e4mpfe, Gegner- und Feindschaften. Auch inklusive bezeichnender, mitunter lustiger Tr\u00e4ume so wie jenem, in dem Walser mit Jean-Paul Sartre auf einem Bahnhof in Utrecht sitzt und auf eine Pepsi-Cola-Werbung starrt. Um es mit einem Satz aus Walsers 1985 ver\u00f6ffentlichtem Buch \u201eMe\u00dfmers Gedanken\u201c zu sagen: \u201eDas Sch\u00f6nste muss sein, etwas aus sich herauszubringen, ohne dass man von au\u00dfen viel braucht.\u201c <br \/>Das braucht es erst recht nicht, wenn hier jemand gleich zu Beginn anhebt mit den Worten: \u201eMir geht es ein bisschen zu gut\u201c \u2013 was sich zumindest in den n\u00e4chsten Wochen wieder erleben l\u00e4sst. Walser wird dann mit seinem Buch bis zu den Geburtstagsfeierlichkeiten durch die Republik touren (am Donnerstag Abend gibt es die Buchpremiere in M\u00fcnchen, am 26. Januar ist er in Berlin im LCB). Was sich jedoch bei der Lekt\u00fcre bei aller Entfesselung und Freiheit etwas anders darstellt. Dem Reizklima des Rechthabenm\u00fcssens mag er entkommen sein, wie Walser es in den letzten Jahren gern betont hat. Aber gewisse Rechtfertigungszw\u00e4nge bez\u00fcglich der eigenen Person, des eigenen Lebens gibt es weiterhin. Passend dazu ist in \u201eStatt etwas oder Der letzte Rank\u201c einmal davon die Rede, das \u201ezu\u201c in dem Anfangssatz vielleicht doch besser zu streichen. <br \/>Martin Walser kreist in seinem neuen Buch um seine Gedanken, Empfindungen und Erlebnisse, und da spielt es keine Rolle, dass sein Ich-Erz\u00e4hler mal Otto, mal Bert, mal Erstrecht hei\u00dft oder einmal mit einem Ferdinand verwechselt wird. Oder die Perspektive h\u00e4ufig wechselt und der Erz\u00e4hler sich in der zweiten Person Singular anredet oder in die dritte springt: \u201eVermieden bis jetzt das, was Gewissen hei\u00dft.\u201c So beginnt das 13. von 51 Kapiteln, die meist einige Seiten fassen, manchmal nur aus einem einzigen Satz oder einem Gedicht bestehen. \u201eDazu muss ich so weit weg von mir, dass ich mich ER nennen darf.\u201c Und: \u201eEr hat immer schon gedacht und getan, was er nicht h\u00e4tte tun und denken d\u00fcrfen.\u201c <br \/>Wer will, darf sich jetzt an die umstrittene Paulskirchenrede Walsers aus dem Jahr 1998 erinnern. Und man darf bei der Er\u00f6rterung der Feindschaften an Marcel Reich-Ranicki denken, wenn es zum Beispiel hei\u00dft: \u201eEr tadelte, kritisierte oder beschimpfte immer im Namen und Interesse des Gro\u00dfenganzen bzw. der Gerechtigkeit oder der Humanit\u00e4t oder der Demokratie.\u201c Oder an Frank Schirrmacher, den \u201eFeuilletongewaltigen\u201c, und dessen Abrechnung mit Walser wegen des Romans \u201eTod eines Kritikers\u201c, den Schirrmacher als \u201eDokument des Hasses\u201c bezeichnet hatte (hier hei\u00dft der Text des Feuilletongewaltigen \u201eDas deutsche Desaster\u201c und Adornos Spruch \u00fcber das richtige Leben, das es im falschen nicht geben k\u00f6nne, ist der Streitausl\u00f6ser). <br \/>Ja, Walser bearbeitet ausdauernd seine Themen: sein unstillbares Liebes- und Frauenverlangen, seine vermeintlichen Niederlagen, die \u201eVerkleinerungserfahrung\u201c, wenn ihm Emp\u00f6rung entgegenschlug. Und seine Abwehr dagegen. Weil er seinem Gewissen gefolgt ist, aber nie Gewissheit versp\u00fcrte: \u201eWie soll es in einer W\u00f6rterwelt Freiheit geben, in der es Gewissheit gibt&#8230; Gewissheit ist genau das, was ein Wort nicht sein darf: Es ist ein Wort als Zwangsjacke.\u201c Weil er Wahrheiten misstraut: \u201eDurch L\u00fcgen kommt so viel Wahrheit in die Welt wie durch Wahrheit. Ich wollte endlich beitragen zum Ruhm der Unwahrheit.\u201c Weil er von Kindheit dazu erzogen wurde, Erwartungen zu entsprechen, dieser Erziehung aber zuwidergehandelt hat. <br \/>Nat\u00fcrlich geht es h\u00e4ufig ums Schreiben, um das enth\u00fcllende Verbergen dabei. Denn dagegen, \u201eetwas weiterzusagen\u201c, habe er sich stets \u201emit allen erdenklichen Vorstellungen, \u00fcberhaupt mit Einbildungen gewehrt\u201c, erfolgreich zumal, wie Walser behauptet. \u00c4hnlich war es mit den Beziehungen zu Frauen: \u201eIch wollte versuchen\u201c, hei\u00dft es von einer Monika, die nat\u00fcrlich keine Monika ist, \u201esie durch Schreiben so undeutlich zu machen, dass sie nicht mehr in mir herumirrlichtern kann.\u201c <br \/>In \u201eStatt etwas oder Der letzte Rank\u201c zeigt sich noch einmal der ganze Walser; ein Schriftsteller, der vielleicht wirklich \u201eSumme und Bilanz\u201c zieht, wie sein Verlag wei\u00df, obwohl das nicht seine Art ist. Der jedoch nicht viel Neues unter der Walser-Sonne aufscheinen lassen mag. Wie seit Langem schon berichtet Walser in der ihm eigenen \u201eNichts ist ohne sein Gegenteil wahr\u201c-Dialektik: von seiner Zustimmungsfreude, seiner alles und jeden umarmenden Friedfertigkeit, seiner Unvernunft, (die er so gern rehabilitieren m\u00f6chte), seinen Fluchtversuchen mittels Einbildungen, seiner Rechtfertigungsm\u00fcdigkeit, seiner Sinnlieferungsunlust und so weiter. Als \u201eGl\u00fcck\u201c bezeichnet er am Ende \u2013 leere, musterlose Wand hin, Unfassbarkeitssehnsucht her \u2013, \u201edass ich mir nicht verloren gehen wollte\u201c. Dieses Buch ist der vielsagende Beweis daf\u00fcr. <br \/>Martin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank. Rowohlt Verlag, Reinbek 2017. 171 Seiten, 16, 95 \u20ac.<\/p>\n<div id=\"td_post_ranks\" class=\"td-post-comments\" style=\"vertical-align: middle;\">\n<div style=\"float: left;\">\nSimilarity rank: 2.1\n<\/div>\n<\/div>\n<p><script>\njQuery(function() {\nvar mainContentMetaInfo = '.td-post-header .meta-info';\nvar tdPostRanks = '#td_post_ranks';\nif (jQuery(tdPostRanks).length) {\n    var tdPostRanksHtml = jQuery(tdPostRanks).get(0).outerHTML;\n    if (typeof tdPostRanksHtml != 'undefined') {\n        jQuery(tdPostRanks).remove();\n        jQuery(mainContentMetaInfo).append(tdPostRanksHtml);\n    }\n}\n});\n<\/script><span>&copy; Source: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/martin-walser-und-sein-neuer-roman-es-geht-ihm-ein-bisschen-zu-gut\/19210340.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/martin-walser-und-sein-neuer-roman-es-geht-ihm-ein-bisschen-zu-gut\/19210340.html<\/a><br \/>All rights are reserved and belongs to a source media.<\/span><\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").remove();});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen Rahmen sollte es wohl doch geben f\u00fcr dieses \u201eentfesselte\u201c Schreiben \u201eam Rand der Formlosigkeit\u201c, wie der Rowohlt Verlag Martin Walsers an diesem Donnerstag erscheinendes neues Buch angek\u00fcndigt hat. 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