<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":521441,"date":"2017-05-05T22:25:00","date_gmt":"2017-05-05T20:25:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=521441"},"modified":"2017-05-05T23:17:55","modified_gmt":"2017-05-05T21:17:55","slug":"vor-der-prasidentschaftswahl-in-frankreich-warum-viele-homosexuelle-mit-marine-le-pen-sympathisieren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/fr\/2017\/05\/vor-der-prasidentschaftswahl-in-frankreich-warum-viele-homosexuelle-mit-marine-le-pen-sympathisieren\/","title":{"rendered":"Vor der Pr\u00e4sidentschaftswahl in Frankreich: Warum viele Homosexuelle mit Marine Le Pen sympathisieren"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Viele Homosexuelle in Frankreich sympathisieren mit Marine Le Pen &#8211; obwohl diese die Ehe f\u00fcr alle abschaffen will. Doch Le Pen versteht es, mit den \u00c4ngsten von Schwulen vor Muslimen zu spielen.<\/b><br \/>\n\u00ab\u00a0Ich h\u00f6re immer mehr Geschichten dar\u00fcber, wie es in manchen Bezirken nicht gut ist, eine Frau, homosexuell, j\u00fcdisch, oder gar franz\u00f6sisch oder wei\u00df zu sein.\u00a0\u00bb Das sagte 2010 Marine Le Pen der franz\u00f6sischen Presseagentur AFP. Die Gefahr gehe von migrantischen und muslimischen Gemeinden aus.<br \/>Der Satz war programmatisch: Homosexuelle in Schutz zu nehmen, geh\u00f6rt seitdem zum Prozess der \u201eEntd\u00e4monisierung\u201c, den die Partei schon Anfang der 90er-Jahre begann. Dieser sollte das schlechte, von Faschismus gepr\u00e4gte Bild des Front National gl\u00e4tten und seine Macht\u00fcbernahme erm\u00f6glichen. Die scheinbare \u00d6ffnung der rechtsextremen Partei dient ihrer gezielten Normalisierung in der politischen Landschaft Frankreichs.<br \/>Eine durchaus erfolgreiche Strategie. Laut einer Umfrage des Centre de recherches politiques de Sciences-Po (Cevipof) w\u00e4hlten bei den Regionalwahlen 2015 rund 38,6 Prozent der verheirateten schwulen M\u00e4nner den Front National &#8211; was deutlich mehr waren als bei den verheirateten heterosexuellen M\u00e4nnern (30,2 Prozent) . Von den verheirateten lesbischen Frauen stimmten 26 Prozent f\u00fcr den FN (gegen\u00fcber 27,8 Prozent der verheirateten heterosexuellen Frauen) . Wie \u00fcberproportional erfolgreich Le Pens Partei gerade bei Schwulen war, zeigt auch ein Vergleich mit dem Gesamtstimmenanteil: \u00dcber alle Gesellschafsgruppen hinweg erhielt der FN damals insgesamt 28 Prozent. Gut m\u00f6glich, dass Le Pen auch bei der Stichwahl um das Pr\u00e4sidentenamt am Sonntag viele Stimmen von Homosexuellen bekommen wird.<br \/>Nun hat sich die alte, traditionelle Grenzen zwischen Rechts und Links in Frankreich ohnehin ver\u00e4ndert. Frexit, NATO-Austritt, Ablehnung von Freihandelsabkommen, Normalisierung der bilateralen Beziehung zu Russland: Die Positionen vom rechten und linken Rand zeigen einige Schnittstellen. Auch innerhalb des FN gibt es gegens\u00e4tzliche Str\u00f6mungen, was ihm wom\u00f6glich sogar hilft. W\u00e4hrend beispielsweise Florian Philippot als Grund f\u00fcr die Arbeitslosigkeit den Euro sieht, ist diese laut Marion Mar\u00e9chal Le Pen, Marines Nichte und Abgeordnete in der Nationalversammlung, auf die Einwanderung zur\u00fcckzuf\u00fchren. Und ebenso widerspr\u00fcchlich ist der Umgang der Partei mit Homosexualit\u00e4t.<br \/>Partei-Mitgr\u00fcnder Jean-Marie Le Pen bezeichnete noch im Jahr 1984 Homosexualit\u00e4t als \u00a0\u00bb biologische und gesellschaftliche Anomalie \u00ab\u00a0. 1995 sagte er: \u201eIch gebe zu, dass es in der Front National Homosexuelle geben wird, aber keine Tunten. Die Tunten sollen sich zum Teufel scheren.\u201c<br \/>Jedoch hielt sich Marine Le Pens Vater bereits 1998 im Zeitraum der Verabschiedung des Zivilen Solidarit\u00e4tspaktes (PACS \u2013 franz\u00f6sische Entsprechung der eingetragenen Lebenspartnerschaft) \u00fcberraschend zur\u00fcck. 2004 sprach er sich in einem Interview f\u00fcr die Tageszeitung Le Monde sogar f\u00fcr die gleichgeschlechtliche Ehe aus: \u201eDass es M\u00e4nner gibt, die M\u00e4nner lieben, warum nicht? Wenn man solchen Partnerschaften auch einen offiziellen Charakter geben will, ist das keine Staatsaff\u00e4re.\u201c Dass Homosexuelle heiraten wollen, sei f\u00fcr ihn der Beweis, dass diese Institution wieder an Prestige gewinne.<br \/>Im Buch Rose Marine. Enqu\u00eate sur le FN et l\u2019 homosexualit\u00e9 (Rose Marine. Ermittlung \u00fcber den FN und die Homosexualit\u00e4t) beschreibt die Journalistin Marie-Pierre Bourgeois, dass es den privaten Jean-Marie Le Pen (schwulenfreundlich) und den \u00f6ffentlichen Jean-Marie Le Pen (homofeindlich) gebe. Letzterer versuche vor allem, sich bei der alten Garde und erzkonservativen W\u00e4hlerschaft anzubiedern.<br \/>Auch Marine Le Pen hielt sich 2013 im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens f\u00fcr die gleichgeschlechtliche Ehe (Ehe f\u00fcr Alle) mit Kritik zur\u00fcck. An den Massendemonstrationen gegen die Ehe\u00f6ffnung nahm sie pers\u00f6nlich nicht teil. Jetzt hat sie aber bereits verk\u00fcndet, dass sie das Gesetz abschaffen wolle, wenn sie Pr\u00e4sidentin w\u00fcrde. Auch lehnt die Pr\u00e4sidentschaftskandidatin das Recht auf k\u00fcnstliche Befruchtung f\u00fcr lesbische Paare ab.<br \/>Einige schwule FN-Anh\u00e4nger denken dennoch, dass es nicht soweit kommen wird. Sie hoffen auf Florian Philippot, den Vize-Vorsitzenden des FN und Marine Le Pens engsten Berater, sowie auf Steeve Briois, B\u00fcrgermeister der Stadt H\u00e9nin-Beaumont und kommissarischer Vorsitzender der Partei. Philippot und Briois wurden gegen ihren Willen von der Presse geoutet, gehen aber seitdem offensiv mit ihrer Homosexualit\u00e4t um.<br \/>Zwar bringen die Homosexuellen in der FN keine LGBTI -Themen in die Tagespolitik und Debatten ein &#8211; anders die \u201eHomosexuellen in der AfD \u201c, die sich \u201eals Sprachrohr der B\u00fcrgerlichen Homosexuellen in Deutschland fernab der linksgr\u00fcnen und schrillen T\u00f6ne\u201c sehen, wie einer Pressemitteilung von Oktober 2014 zu entnehmen ist. Dennoch bef\u00fcrchtet die erzkonservative und nationalreligi\u00f6se alte Garde des FN, Philippot und Briois k\u00f6nnten der ideologischen Linie der Partei eine andere Richtung geben. Einige der Altvorderen sind wegen der beiden sogar schon z\u00e4hneknirschend aus der Partei ausgetreten.<br \/>Wie dem auch sei: Klar ist, was auch Schwule und Lesben den FN w\u00e4hlen l\u00e4sst. Auf gesellschaftspolitischer Ebene vereint homosexuelle und heterosexuelle FN-W\u00e4hler*innen das Thema ins\u00e9curit\u00e9 (Unsicherheit) sowie die Angst vor dem \u201eislamistischen Terrorismus\u201c.<br \/>Wie aus dem Eingangszitat Marine Le Pens klar wird, verortet der Front National Homofeindlichkeit und Gewalt in den migrantischen Bezirken beziehungsweise in muslimischen Gemeinden. Dabei werden muslimische und\/oder migrantische Queers, homofeindliche Gewalt durch wei\u00dfe, nicht muslimische Franzosen, strukturelle Diskriminierung gegen Schwule und Lesben (zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt) oder staatliche Gewalt (ungleiche Rechte) ausgeblendet. Wichtiger f\u00fcr die FN-W\u00e4hler scheint, dass aus ihrer Sicht die schwulenfeindliche Gewalt, die der FN den Migrant*innen und Muslimen anlasten, innerhalb der LGBTI-Community nicht ausreichend thematisiert und angegangen werden kann, da von Linken gleich der Vorwurf des Homonationalismus erhoben wird. Andere LGBTI-Politiken k\u00f6nnen da vom Tisch &#8211; insbesondere da die gleichgeschlechtliche Ehe nun gesetzlich verankert ist.<br \/>In der \u00a0\u00bb Huffington Post\u00a0\u00bb beschreibt Michael Hobbes, was er \u00ab\u00a0Die Epidemie der schwulen Einsamkeit\u00a0\u00bb nennt: Die schwule Community sei ausgrenzend, verletzend und teilweise gewaltvoll. Grund genug, sich ihr nicht zugeh\u00f6rig f\u00fchlen zu wollen. Zumal Frankreich den republikanischen Universalismus beschw\u00f6rt, in dem alle Menschen gleich sind und daher keine identit\u00e4tsstiftenden \u00ab\u00a0Gemeinschaften\u00a0\u00bb n\u00f6tig sind. So werden auf der anderen Seite des Rheins Konzepte wie \u201eCommunaut\u00e9\u201c und \u201eCommunautarisme\u201c als Bedrohung und Verh\u00e4ngnis stilisiert.<br \/>S\u00e9bastien Chenu, Gr\u00fcnder von GayLib, einer LGBTI-Bewegung, die urspr\u00fcnglich in der Partei Les R\u00e9publicains angesiedelt war, ist inzwischen zum Front National gesto\u00dfen. Auf Franceinfo \u00e4u\u00dferte Chenu folgende These: Schwul zu sein, habe genau so etwas Tabubrechendes wie FN zu w\u00e4hlen.<br \/>Ob der Front National wirklich einen Geisteswandel in Bezug auf LGBTI-Politik vollzogen hat, sei dahingestellt. Sicher ist, dass es wohl als Wiederspruch betrachtet werden kann, wenn eine Partei selbst homofeindliche Politik betreibt und zugleich Homophobie ausschlie\u00dflich bei migrantischen und muslimischen Gemeinden verortet.<br \/>Ebenfalls widerspr\u00fcchlich ist, dass die angeblich homofreundlichen Parteien im linken Spektrum wenig bis gar keine queeren Parteifunktion\u00e4re haben. Unwahrscheinlich, dass die homosexuelle W\u00e4hlerschaft sich gerade deswegen dem FN zuwendet. Aber der rechte Rand mit seinen Widerspr\u00fcchen und seiner ambivalenten Strategie scheint erfolgreich zu sein. Reaktion\u00e4re Homosexuelle stellen nicht unbedingt einen Widerspruch in sich dar, sondern schreiben sich in eine lange Tradition ein &#8211; man denke an M\u00e4nnerb\u00fcnde oder Ernst R\u00f6hm.<br \/>Der Autor, geboren in Frankreich, lebt als Schriftsteller in Berlin. Mehr von und \u00fcber ihn finden Sie hier.<br \/>Mehr LGBTI-Themen finden Sie auf dem Queerspiegel, dem queeren Blog des Tagesspiegels. Folgen Sie dem Queerspiegel in den sozialen Netzwerken:<\/p>\n<div id=\"td_post_ranks_tmp\" class=\"td-post-comments\" style=\"vertical-align: middle;display:none;\">\n<div style=\"float: left;\">Similarity rank: 2.1<\/div>\n<\/div>\n<p><script>\n\/*jQuery(function() {\nvar mainContentMetaInfo = '.td-post-header .meta-info';\nvar tdPostRanks = '#td_post_ranks';\nif (jQuery(tdPostRanks).length) {\n    var tdPostRanksHtml = jQuery(tdPostRanks).get(0).outerHTML;\n    if (typeof tdPostRanksHtml != 'undefined') {\n        jQuery(tdPostRanks).remove();\n        jQuery(mainContentMetaInfo).append(tdPostRanksHtml);\n    }\n}\n});*\/\n<\/script><span>\u00a9 Source: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/queerspiegel\/vor-der-praesidentschaftswahl-in-frankreich-warum-viele-homosexuelle-mit-marine-le-pen-sympathisieren\/19756500.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/queerspiegel\/vor-der-praesidentschaftswahl-in-frankreich-warum-viele-homosexuelle-mit-marine-le-pen-sympathisieren\/19756500.html<\/a><br \/>\nAll rights are reserved and belongs to a source media.<\/span><\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").remove();});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Homosexuelle in Frankreich sympathisieren mit Marine Le Pen &#8211; obwohl diese die Ehe f\u00fcr alle abschaffen will. Doch Le Pen versteht es, mit den \u00c4ngsten von Schwulen vor Muslimen zu spielen. \u00ab\u00a0Ich h\u00f6re immer mehr Geschichten dar\u00fcber, wie es in manchen Bezirken nicht gut ist, eine Frau, homosexuell, j\u00fcdisch, oder gar franz\u00f6sisch oder wei\u00df [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":521440,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[99],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/nhub.news\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/521441"}],"collection":[{"href":"http:\/\/nhub.news\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/nhub.news\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nhub.news\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nhub.news\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=521441"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/nhub.news\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/521441\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":521442,"href":"http:\/\/nhub.news\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/521441\/revisions\/521442"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nhub.news\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/521440"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/nhub.news\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=521441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/nhub.news\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=521441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/nhub.news\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=521441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}