<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":566036,"date":"2017-06-09T04:01:00","date_gmt":"2017-06-09T02:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=566036"},"modified":"2017-06-09T05:05:12","modified_gmt":"2017-06-09T03:05:12","slug":"jeremy-corbyn-groser-erfolg-fur-einen-kriegs-gegner","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/fr\/2017\/06\/jeremy-corbyn-groser-erfolg-fur-einen-kriegs-gegner\/","title":{"rendered":"Jeremy Corbyn: Gro\u00dfer Erfolg f\u00fcr einen Kriegs-Gegner"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Jeremy Corbyn hat viele junge Briten \u00fcberzeugt &#8211; mit einem Tabubruch. Er machte klar, dass die innere Sicherheit eines Landes untrennbar mit dem Weltfrieden verkn\u00fcpft ist.<\/b><br \/>\nDie sich in der Wahlnacht abzeichnenden massiven Gewinne f\u00fcr Labour-Chef Jeremy Corbyn sind das Ergebnis einer sehr unorthodoxen Politik. Corbyn ist in der britischen \u00d6ffentlichkeit weniger wegen seiner revolution\u00e4re Sozial- oder Umverteilungsprogramme aufgefallen \u2013 Labour hat zwar ein sozial gerechteres Konzept f\u00fcr den Sozialstaat vorgelegt, wei\u00df sich aber auch in den Zw\u00e4ngen der globalen Wirtschaft, in der nationale Gesetze ein schw\u00e4cherer Hebel sind als zu jenen Zeiten, in denen die Arbeiterbewegung noch die Politik eines Landes bestimmen konnte. Der Guardian kommentiert: \u201eWie die Dinge stehen, ist das zweifellos Corbyns Nacht. Er hat gezeigt, dass Leidenschaft und Energie z\u00e4hlen, vielleicht sogar mehr als Fach-Kompetenz; dass die W\u00e4hler inspiriert und nicht belehrt werden wollen.\u201c<br \/>Corbyns Markenzeichen ist vor allem seine Ablehnung von Kriegen \u2013 und von aggressiv gef\u00fchrten britischen Interventionen. Schon bei seiner Antrittsrede sagte er, dass Syrien eine diplomatische L\u00f6sung brauche und kritisierte ohne Schn\u00f6rkel die Rolle Saudi-Arabiens im Nahen Osten.<br \/>Im Wahlkampf fiel er mit zwei Positionen auf, die in der internationalen Politik zu Tabus geworden sind: Er sagte, dass er sich weigern w\u00fcrde, als Premierminister die Atombombe auf ein anderes Land zu werfen, auch nicht als Vergeltung. Er begr\u00fcndete dies mit dem Tod von Tausenden Menschen, die ein solcher Schritt ausl\u00f6sen w\u00fcrde. Premierministerin Theresa May hatte sich unmittelbar nach ihrem Amtsantritt ausdr\u00fccklich f\u00fcr den Einsatz ausgesprochen \u2013 und zwar im vollen Wissen, dass dabei auch unschuldige Zivilisten zu Tode kommen w\u00fcrden. Corbyn war wegen seiner pazifistischen Haltung, die im Hinblick auf die Atombombe eigentlich nichts anderes ist als vern\u00fcnftig, massiv kritisiert worden. Die Zahl seiner Unterst\u00fctzer im politischen London hielt sich in Grenzen.<br \/>Mit einem zweiten Ausspruch sorgte Corbyn f\u00fcr noch mehr Widerspruch: Er sagte, dass die Anschl\u00e4ge von Manchester die Folge der Kriege seien, die Gro\u00dfbritannien auf der Welt f\u00fchre: \u201eViele Experten, auch bei den Geheimdiensten und Sicherheitsbeh\u00f6rden, haben Verbindungen zwischen dem Terrorismus in unserem Land und den Kriegen, in denen wir im Ausland involviert sind\u2026, hergestellt\u201c, sagte Corbyn bei einer Wahlkampf-Rede in London am 26. Mai.<br \/>Das mindere nicht die Schuld derer, die Kinder angriffen, sagte Corbyn mit Bezug auf den Selbstmordattent\u00e4ter von Manchester. Aber es zeige, dass der \u201eKrieg gegen den Terror\u201c nicht funktioniert habe.<br \/>Die Aussage traf auf geschlossene Ablehnung, welche mitunter mit scheinheiligem Pathos gef\u00fchrt wurde: \u201eIch stimme nicht mit dem \u00fcberein, was er sagt. Aber noch weniger passend finde ich den Zeitpunkt f\u00fcr diese Aussage. Damit stellt er im Augenblick der Trag\u00f6die die Politik \u00fcber die Menschen\u201c, sagte etwa der Vorsitzende der Liberaldemokraten Tim Farron.<br \/>Doch w\u00e4hrend die Regierung versuchte, sich wegzuducken und der Ursachenforschung f\u00fcr die globalen Radikalisierung aus dem Weg zu gehen suchte, begann eine f\u00fcr Gro\u00dfbritannien in der Tat ungew\u00f6hnliche Debatte, die auch von gro\u00dfen Medien aufgegriffen wurde. Angesto\u00dfen wurde die Debatte vom britischen Inlandsgeheimdienst MI5, der nach dem Anschlag von Manchester eine Untersuchung eingeleitet hatte.<br \/>Gepr\u00fcft werde, ob \u201eLehren daraus gezogen werden m\u00fcssen, wie der Geheimdienst mit dem Material\u201c zum Selbstmordattent\u00e4ter Salman Abedi umgegangen sei, sagte die Person, die namentlich nicht genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur Reuters. Der in Gro\u00dfbritannien geborene Muslim libyscher Abstammung habe zwar zu den 20.000 Personen geh\u00f6rt, die in den Akten des MI5 gef\u00fchrt worden seien, jedoch nicht zu den 3.000, gegen die ermittelt werde. Innenministerin Amber Rudd begr\u00fc\u00dfte die Untersuchung als ersten guten Schritt.<br \/>The Daily Mail f\u00fchrte in einem Bericht aus, dass es offenbar auch Probleme bei der Zusammenarbeit zwischen dem MI5 und MI6 im Kampf gegen den Terrorismus gibt. Das Blatt w\u00f6rtlich: \u201eW\u00e4hrend Offiziere des MI5 Tag und Nacht daran arbeiteten, islamistische Terroristen daran zu hindern, Gemetzel auf den britischen Stra\u00dfen auszuf\u00fchren, bet\u00e4tigten sich Offiziere des MI6 als Komplizen bei der Schaffung einer Generation von in Gro\u00dfbritannien geborenen Dschihadisten, die bereit sind (\u2026) , alles zu tun und jeden zu t\u00f6ten \u2013 auch Kleinkinder. Und das bringt uns direkt zum Selbstmordattent\u00e4ter von Manchester.\u201c<br \/>Der MI6 habe es vors\u00e4tzlich zugelassen, dass sich junge Menschen radikalisieren, um anschlie\u00dfend eine milit\u00e4rische Ausbildung in Syrien und in Libyen zu erhalten. Auch der Selbstmordattent\u00e4ter von Manchester habe eine derartige Ausbildung erhalten und sei danach nach Gro\u00dfbritannien zur\u00fcckgekehrt. \u201eNat\u00fcrlich sind diese Gruppen sowohl Feinde von Assad und Gaddafi als auch Feinde des Westens\u201c, so The Daily Mail.<br \/>Als offizielle Begr\u00fcndung daf\u00fcr, warum der Anschlag von Manchester nicht verhindert worden konnte, werde die \u00dcberlastung des MI5 angegeben. Der Inlandsgeheimdienst besch\u00e4ftige sich aktuell mit 500 Terrorverd\u00e4chtigen und weiteren 23.000 Personen, die als Gef\u00e4hrder eingestuft werden. Die Beh\u00f6rde sei schlichtweg \u00fcberfordert mit der Arbeitsintensit\u00e4t.<br \/>Doch der ehemalige MI6-Offizier Alastair Crooke, der \u00fcber 30 Jahre im Nahen Osten und Afghanistan aktiv gewesen ist, hat eine weitaus dramatischere Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum der Terroranschlag in Manchester nicht verhindert werden konnte. Er meint, es gebe MI6-Mitarbeiter, die nicht im nationalen Interesse handeln w\u00fcrden. Die Aussage, dass die Sicherheitsbeh\u00f6rden \u00fcberlastet seien, trifft nach Ansicht von Crooke nicht zu.<br \/>Crooke w\u00f6rtlich: \u201eEs ist nicht richtig, dass einheimische Polizeibeh\u00f6rden zu \u00fcberlastet seien, um unsere Gesellschaften im Kampf gegen den Terrorismus zu sch\u00fctzen. Denn auf der anderen Seite gibt es Elemente bei unseren und amerikanischen Sicherheitsbeh\u00f6rden, die Dschihadisten bewaffnet und trainiert haben und in terroristische Verschw\u00f6rungen verwickelt gewesen sind.\u201c<br \/>Auf Nachfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten, ob die Behauptung von Crooke zutrifft, antwortete eine Sprecherin des britischen Foreign and Commonwealth Office: \u201eDie britische Regierung hat eine langj\u00e4hrige Politik, sich nicht zu nachrichtendienstlichen Fragen zu \u00e4u\u00dfern.\u201c<br \/>Hinweise darauf, dass Crookes Behauptung richtig sein k\u00f6nnte, gibt es. Ein Gericht in London hatte im Jahr 2015 im Prozess gegen einen Terror-Unterst\u00fctzer die Notbremse gezogen. In dem Londoner Prozess gegen den Terror-Unterst\u00fctzer wurde pl\u00f6tzlich dar\u00fcber diskutiert, dass der britische MI6 die Terror-Miliz ISIS unterst\u00fctzt haben soll. Der Angeklagte hatte sich mit der Begr\u00fcndung verteidigt, dass es nicht strafbar sein k\u00f6nne, ISIS zu unterst\u00fctzen, wenn dies auch der britische Geheimdienst mache.<br \/>Bemerkenswert ist der Vorwurf von Crooke deshalb, weil der fr\u00fchere Anti-Terror-Chef des britischen MI6, Richard Barrett, im vergangenen Jahr den deutschen \u2013 und nicht den eigenen \u2013 Geheimdiensten Unzul\u00e4nglichkeit im Kampf gegen Terroristen in Deutschland vorgeworfen hatte. Er sagte dem Radiosender BBC 4, dass sich in Deutschland 7.000 Terrorverd\u00e4chtige aufhalten w\u00fcrden. 550 seien \u201ewirklich gef\u00e4hrliche Extremisten und potentielle Terroristen\u201c. Barrett sagte, die hohe Zahl sei \u201ef\u00fcr die deutschen Beh\u00f6rden nicht zu managen\u201c. Die gro\u00dfe Summe der gef\u00e4hrlichen Personen sei vom Staat nicht wirkungsvoll zu kontrollieren.<br \/>Allerdings hatte Barrett im Jahr 2014 im Gespr\u00e4ch mit Sky News gesagt, dass es in Gro\u00dfbritannien etwa 300 R\u00fcckkehrer aus Syrien und dem Irak geben w\u00fcrde. Die Gef\u00e4hrdung durch R\u00fcckkehrer d\u00fcrfte auch dem MI6 bekannt gewesen sein.<br \/>Die j\u00fcngsten Terror-Anschl\u00e4ge in Gro\u00dfbritannien haben offenbar zu einem Umdenken bei vielen, vornehmlich jungen Briten gef\u00fchrt, die den W\u00e4hleranalysen zufolge auf der Seite von Corbyns Labour standen. Sie sind es gewohnt, in multikulturellen Milieus zu leben. Und auch wenn es in Gro\u00dfbritannien \u2013 wie \u00fcberall in Europa \u2013 Bezirke gibt, in denen Zuwanderer dominieren: In den vergangene 30 Jahren hat das Zusammenleben funktioniert, Gewaltexzesse \u2013 zumal \u201ereligi\u00f6s\u201c motivierte \u2013 waren so gut wie unbekannt.<br \/>Die britische Regierung hatte nach dem j\u00fcngsten Anschlag in London noch mehr H\u00e4rte angek\u00fcndigt. Doch der pathetische Auftritt von Premierministerin Theresa May hat die W\u00e4hler nicht \u00fcberzeugt. Sie haben ihr Vertrauen Jeremy Corbyn gegeben, der von den Medien aus uncharismatischer Kauz karikiert wurde. Doch mit dem Terror ist der moderne Krieg auch nach Gro\u00dfbritannien gekommen.<br \/>Gerade weil die jungen Briten gegen Rassismus, Xenophonie und die vors\u00e4tzliche D\u00e4monisierung von Minderheiten sind, haben sie einem Politiker das Vertrauen geschenkt, dessen Pazifismus kein politischer Opportunismus, sondern aus Gesinnung resultiert. Die Briten wollen nicht, dass die B\u00fcrgerrechte weiter eingeschr\u00e4nkt werden \u2013 auch nicht die einzelner ethnischer Gruppen. Corbyn hat einfache Wahrheiten ausgesprochen und damit einen Nerv getroffen. Seine Positionen haben viele W\u00e4hler \u00fcberzeugt, nicht, weil Corbyn simplifiziert \u2013 sondern weil die britische Gesellschaft zu bemerken beginnt, dass es in der globalisierten Gesellschaft einen inneren Zusammenhang zwischen der inneren Sicherheit und dem Weltfrieden gibt.<br \/>*** F\u00fcr PR, Gef\u00e4lligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verf\u00fcgung.<br \/>Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterst\u00fctzung! Hier k\u00f6nnen Sie sich f\u00fcr einen<br \/>kostenlosen Gratismonat registrieren .<br \/>Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und k\u00f6nnen dann das Abo ausw\u00e4hlen, das am besten Ihren Bed\u00fcrfnissen entspricht. 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