Politik und Gesellschaft haben in der Berliner Synagoge Rykestraße an die jüdischen Opfer der Reichspogromnacht von 1938 erinnert. Deutliche Worte fand Zentralratspräsident Schuster.
Mit Warnungen vor Hass und Hetze in der Gesellschaft ist am Freitag in Berlin an die jüdischen Opfer der NS-Pogrome vom 9. November 1938 erinnert worden. Die richtigen Schlüsse aus der Ausgrenzung von Menschen, aus Rassismus und Antisemitismus zu ziehen, sei nicht nur Aufgabe an einem solchen Gedenktag wie dem 9. November, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer zentralen Gedenkveranstaltung in der Synagoge Rykestraße: «Wir sollten jeden Tag darüber nachdenken.»
80 Jahre nach den Novemberpogromen zeige sich heute ein zwiespältiges Bild, sagte Merkel: Als «unerwartetes Geschenk nach der Schoah» mit sechs Millionen ermordeten Juden gebe es heute wieder blühendes jüdisches Leben in Deutschland. Zugleich sei ein besorgniserregender Antisemitismus festzustellen, der sich zunehmend offen entlade: «Leider haben wir uns beinahe schon daran gewöhnt, dass jede jüdische Einrichtung von der Polizei besonders geschützt werden muss.» Fassungslos mache der Angriff auf ein jüdisches Restaurant in Chemnitz Ende August: «Solche Vorfälle müssen nicht nur die Überlebenden der Schoah alarmieren, sie sind furchtbar für uns alle», betonte Merkel.
An der Gedenkveranstaltung nahmen Vertreter des Judentums, von Bundesregierung, Bundestag, Kirchen und Gesellschaft teil, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Ausdrücklich nicht eingeladen hatte der Zentralrat der Juden als Hausherr Vertreter der AfD.
Zentralratspräsident Josef Schuster kritisierte die Partei in seiner Rede, ohne sie namentlich zu nennen, als «geistige Brandstifter», die Hetze gegen Flüchtlinge, Muslime und Juden «perfektioniert» habe.

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