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Afghanistan: US-Militär greift IS-Ableger an ++ Sorge um neue Anschläge

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Aktuelle Nachrichten aus Afghanistan: Die Lage in Kabul ist weiter extrem angespannt. Bundeswehr-Soldaten sind zurück in Deutschland.
Die Bundeswehr-Soldaten sind am Freitagabend von ihrer Evakuierungsmission in Kabul zurück nach Deutschland gekehrt. Mehr im Newsblog. Kabul. Die USA haben mit einem Vergeltungsschlag auf die Attentate in Afghanistan reagiert. Der unbemannte Luftschlag in der afghanischen Provinz Nangahar habe „einem Planer“ von Isis-K gegolten, teilte der Sprecher des US-Zentralkommandos Centcom, Bill Urban, am Freitagabend (Ortszeit) mit. „Ersten Anzeichen zufolge haben wir das Ziel getötet. Wir wissen von keinen zivilen Opfern.“ US-Präsident Joe Biden hatte nach der blutigen Attacke von Kabul Rache geschworen. Seit Tagen hatte es außergewöhnlich konkrete Warnungen gegeben, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in dieser brisanten Gemengelage einen Anschlag planen könnte. Dass es nun tatsächlich zu einer solchen Bluttat kam, ist eine weitere Demütigung des Westens — und eine Blamage für die Taliban, die neuen Machthaber in Kabul. Die Bundeswehr beendete ihren Einsatz zur Evakuierung von deutschen Staatsbürgern und afghanischen Ortskräften aus Afghanistan inzwischen. Die letzten Maschinen mit Bundeswehrsoldaten landeten am Freitagabend auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover, wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr auf Twitter mitteilte. „Die Evakuierungsoperation in Afghanistan war ein hochgefährlicher Einsatz“, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und dankte den Soldaten. Lesen Sie auch: Taliban-Sieg — Warum ist die afghanische Armee so schwach? Nach dem verheerenden Ende der Afghanistan-Mission fordern Oppositionspolitiker in Deutschland die Einrichtung eines Afghanistan-Untersuchungsausschusses. Mehr zum Thema: Taliban an der Macht – wohin mit Millionen Flüchtlingen? 14.29 Uhr: Etwa 20.500 Evakuierte aus Afghanistan sind bis Samstag auf der Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz gelandet. Das teilte der weltweit größte US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb Amerikas mit. Ramstein nahe Kaiserslautern ist seit dem 20. August ein US-Drehkreuz für Geflüchtete aus Afghanistan. Etwa 100 Flugzeuge der United States Air Force seien auf der Air Base eingetroffen, berichtete eine Sprecherin des Stützpunkts. Mehr als 5000 Evakuierte seien von dort mit etwa 22 Flügen weitergereist. Die Flüge werden voraussichtlich über das ganze Wochenende andauern. Schutzsuchende wie etwa ehemalige Ortskräfte der USA in Afghanistan und ihre Familien, die aus Angst vor den Taliban ihre Heimat verlassen, kommen zunächst in Zelten und Flugzeughangars der Air Base unter. Sie werden registriert und bei Bedarf medizinisch behandelt. In der US-Militäranlage Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern werden Menschen aus Afghanistan ebenfalls vorübergehend beherbergt. 13.54 Uhr: Italien hat nach eigenen Angaben mehr bedrohte afghanische Bürger aus Kabul ausgeflogen als jedes andere EU-Mitgliedsland. Mit der Ankunft von 58 Afghanen an Bord des letzten Evakuierungsflugs am Samstagmorgen habe Italien in den vergangenen Wochen rund 4900 Afghanen aus dem Land gebracht, sagte Außenminister Luigi di Maio am Flughafen Rom Fiumicino. An Bord des Flugzeugs waren auch die letzten diplomatischen Vertreter und Sicherheitskräfte. Nach dem Ende der Luftbrücke werde sich Italien weiterhin um rasche Ausreisemöglichkeiten für bedrohte Ortskräfte aus dem Krisenland bemühen, versprach di Maio. Italien sei bereit, «gemeinsam mit den Vereinten Nationen und Afghanistans Nachbarländern» dafür zu sorgen, dass auch diese Menschen das Land verlassen könnten. 13.42 Uhr: CSU-Chef Markus Söder hat sich dafür ausgesprochen, allen Bundeswehr-Soldaten im Afghanistan-Einsatz das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. «Unsere Bundeswehr hat mehr Respekt und Anerkennung verdient. Alle Soldaten, die in Afghanistan im Einsatz waren, sollten das Bundesverdienstkreuz oder eine vergleichbare Ehrung bekommen», sagte der bayerische Ministerpräsident der «Bild am Sonntag». «Für mich sind unsere Soldatinnen und Soldaten wahre Helden.» 10.56 Uhr: Die militant-islamistischen Taliban in Aghanistan haben alle im öffentlichen Gesundheitssektor beschäftigten Frauen aufgefordert, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Das Gesundheitsministerium weise alle weiblichen Mitarbeiter in der Hauptstadt und den Provinzen an, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, hieß es in einem Tweet des Taliban-Sprechers Sabiullah Mudschahid von Freitagabend. Der Ausübung ihrer Arbeit stehe nichts im Wege. Es ist bisher weitgehend unklar, ob Frauen in Afghanistan mit der Machtübernahme der Taliban weiter ihren Berufen nachgehen können. Bislang gab es lediglich für den Gesundheits- und den Bildungsbereich konkretere Aussagen, dass Frauen wieder ihre Arbeit aufnehmen sollten. 09.59 Uhr: Zwei Tage nach dem verheerenden Selbstmordanschlag am Kabuler Flughafen mit dutzenden Toten hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor einer fortbestehenden Gefahr durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gewarnt. Bei einem Besuch in der irakischen Hauptstadt Bagdad am Samstag mahnte Macron die internationale Gemeinschaft, im Kampf gegen den IS «nicht unachtsam» zu werden. «Ich weiß, dass der Kampf gegen diese Terroristengruppen eine Priorität für Ihre Regierung ist», sagte Macron nach einem Treffen mit dem irakischen Ministerpräsidenten Mustafa al-Kadhemi. Der französische Präsident hält sich anlässlich eines Regionalgipfels in Bagdad auf, an dem auch Ägyptens Staatschef Abdel al-Fattah al-Sisi und der jordanische König Abdullah II. teilnehmen. Im Mittelpunkt der Beratungen steht der Kampf gegen den IS und andere radikalislamische Gruppen. 05.39 Uhr: Das US-Militär hat mit einem Vergeltungsangriff auf den tödlichen Terroranschlag in Kabul reagiert und einen örtlichen Ableger der Terrormiliz IS attackiert. Der unbemannte Luftschlag in der afghanischen Provinz Nangahar habe „einem Planer“ von Isis-K gegolten, teilte das US-Zentralkommando Centcom am Freitagabend (Ortszeit) mit. «Ersten Anzeichen zufolge haben wir das Ziel getötet», sagte Sprecher Bill Urban. Gleichzeitig befürchten die USA einen weiteren Terroranschlag in Kabul. Die US-Botschaft veröffentlichte in der Nacht erneut eine Sicherheitswarnung und rief alle Landsleute dazu auf, die Gegend rund um die Eingangstore zum Flughafen sofort zu verlassen. Centcom-Sprecher Urban sagte mit Blick auf den Luftangriff: «Wir wissen von keinen zivilen Opfern.» Weitere Einzelheiten gab das Zentralkommando nicht bekannt. Es war auch nicht klar, ob die angegriffene Person direkt in den blutigen Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt verwickelt war. Als unbemannte Luftschläge bezeichnen die US-Streitkräfte in der Regel Angriffe mit ferngesteuerten Drohnen, die ihre Ziele unbemerkt aus großer Höhe ins Visier nehmen können. Die USA hatten im Zuge des Abzugs ihrer Truppen aus Afghanistan immer wieder betont, dass sie auch ohne Soldaten am Boden die Fähigkeit hätten, Luftschläge aus der Ferne auszuüben. 23.14 Uhr: Der Kommandeur des deutschen Evakuierungseinsatzes in Afghanistan wagt keine Prognose, wann der Flughafen von Kabul wieder zivile Flugzeuge abfertigen kann. «Der zivile Teil auf der Südseite (des Flughafens) ist zerstört», sagte Brigadegeneral Jens Arlt am Freitagabend nach der Rückkehr nach Deutschland auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover. Er trug — aus dem Einsatz kommend — noch sein Sturmgewehr. Es werde schwierig werden, dort Gebäude und die notwendige Sicherheitsstruktur wieder herzustellen, sagte er. Das Ausfliegen schutzbedürftiger Menschen sei allein aus dem militärischen Teil des Flughafens in Kabul erfolgt. Deutschland hofft darauf, dass Ortskräfte und andere Personen künftig auch mit zivilen Flugzeugen Afghanistan verlassen können. Arlt sprach von einem «hochdynamischen Einsatz» zwischen Kabul und der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Es sei gelungen, humanitäre Not zu lindern. «Dieser Einsatz wird mich prägen, wird uns alle prägen», sagte der General. «Ich freue mich, dass ich wieder zurück bin in Deutschland.» Die heimgekehrten Soldaten und Soldatinnen kehrten noch nachts mit Bussen aus Wunstorf an ihre Heimatstandorte zurück. 21.29 Uhr: Die kommenden Tage werden nach Ansicht der US-Regierung die «gefährlichste» Phase des Evakuierungseinsatzes aus Afghanistan. US-Präsident Joe Biden sei bei einem Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam davor gewarnt worden, dass ein weiterer Terroranschlag in Kabul wahrscheinlich sei, hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Es würden aber maximale Schutzmaßnahmen ergriffen. Biden sei außerdem von seinen Kommandeuren über Pläne informiert worden, Angriffsziele gegen die Terrororganisation Isis-K zu entwickeln, hieß es weiter. Isis-K ist ein örtlicher Ableger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Die Amerikaner sprachen von Isis statt vom IS — daher bezeichnen sie den Zweig als Isis-K. 20.11 Uhr: Die Soldaten der Bundeswehr sind von ihrer Evakuierungsmission in Afghanistan nach Deutschland zurückgekehrt. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover landeten am Freitagabend kurz vor 20.00 Uhr drei Militärmaschinen. Für den Rückflug der Soldaten nach Deutschland wurden ein Airbus A310 der Luftwaffe und zwei Militärtransporter A400M eingesetzt. An Bord eines Flugzeugs war nach Militärangaben auch Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Die Einsatzkräfte waren in Taschkent gestartet, der Hauptstadt von Usbekistan. Dort hatte die Bundeswehr ein Drehkreuz eingerichtet, um in kurzen Shuttleflügen Deutsche und bedrohte Afghanen aus Kabul auszufliegen. Nach Bundeswehrangaben waren an der Evakuierungsmission 454 Einsatzkräfte beteiligt, darunter 19 Soldatinnen. Ein Teil der Einsatzkräfte und des Materials war am Freitagabend noch in Taschkent. 19.48 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan stoppt Schweden als weitere westliche Nation seine Hilfszahlungen an das Land. Schweden werde keine Gelder mehr auszahlen, die «irgendwie an das heutige Regime weitergegeben werden» können, sagte Maria Lundberg, Leiterin der Afghanistan-Abteilung der Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit, der Nachrichtenagentur AFP. Schweden zahlte zuvor an kein anderes Land mehr Entwicklungshilfe als an Afghanistan. Von den 900 Millionen Kronen (rund 88 Millionen Euro) in diesem Jahr würden 448 Millionen nicht mehr nach Afghanistan fließen, sagte Lundberg. Ein Teil der Summe, rund 300 Millionen Kronen, soll in «humanitäre Einsätze» fließen, die noch nicht näher definiert wurden. 19.04 Uhr: Bei dem Terroranschlag außerhalb des Flughafens in Kabul sind offiziellen Angaben zufolge auch britische Staatsbürger ums Leben gekommen. Zwei britische Erwachsene und ein Kind eines britischen Staatsbürgers seien unter den Getöteten gewesen, teilte Außenminister Dominic Raab am Freitag mit. «Dies waren unschuldige Menschen und es ist eine Tragödie, da sie versucht haben, ihre Angehörigen nach Großbritannien in Sicherheit zu bringen und dabei von feigen Terroristen getötet wurden», so der konservative Politiker. In der afghanischen Hauptstadt Kabul waren am Donnerstag bei einem Anschlag Dutzende Menschen verletzt und getötet worden — darunter nach US-Informationen 13 amerikanische Soldaten. Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich. 18.00 Uhr: Rund 4000 Afghanen hat die Bundeswehr aus Afghanistan ausgeflogen. Jetzt müssen Bund und Länder erst einmal herausfinden, wer hier gelandet ist. Was mit den Flüchtlingen passieren soll, lesen Sie hier. 17.58 Uhr: Die Nato hat kurz vor dem Ende des militärischen Evakuierungseinsatzes am Flughafen von Kabul die Aufgabe ihrer zuletzt dorthin verlegten zivilen Vertretung angekündigt. Er verlasse Kabul schweren Herzens, schrieb Botschafter Stefano Pontecorvo am Freitag auf Twitter. Sein Dank gelte allen Beteiligten der massiven Evakuierungsanstrengungen. Der Italiener Pontecorvo war zuletzt der ranghöchste Vertreter der Nato in Afghanistan, nachdem die Allianz ihren Militäreinsatz in dem Land eingestellt hatte. Sämtliche noch im Land weilenden Soldaten aus Staaten wie den USA stehen bereits seit Wochen vollständig unter der Führung der nationalen Kommandoketten. Zivile Mitarbeiter der Nato unterstützten bis zuletzt aber noch die Aufrechterhaltung des Betriebs des internationalen Flughafens, um den nach der Machtübernahme der Taliban eingeleiteten Evakuierungseinsatz zu ermöglichen. Ob die Aufgabe der zivilen Vertretung an diesem Freitag bereits seit längerem geplant war oder infolge des verheerenden Anschlags am Vortag erfolgte, ließ die Nato offen. Vor der Bündniszentrale in Brüssel wurden am Freitag wegen der Tat die Flaggen aller 30 Bündnisstaaten auf halbmast gesetzt. „Wir trauern um alle Opfer“, schrieb Generalsekretär Jens Stoltenberg dazu. 17.20 Uhr: Bei dem Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul hat sich nach US-Angaben nur ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Anders als zunächsts angenommen habe es offenbar keine zweite Explosion am Baron Hotel nahe des Flughafens gegeben, sagte US-General Hank Taylor am Freitag im Verteidigungsministerium in Washington. Taylor begründete die Falschinformation mit „Verwirrung“ angesichts der „sehr dynamischen Ereignisse“. Die US-Streitkräfte hatten am Donnerstag zunächst von zwei Explosionen nahe des Kabuler Flughafens gesprochen — einer am Flughafenzugang Abbey Gate und einer am nahegelegenen Baron Hotel. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte in der Erklärung, mit der sie den Anschlag für sich reklamierte, allerdings nur von einem Selbstmordattentäter gesprochen. Bei dem Anschlag waren mindestens 85 Menschen getötet worden, unter ihnen 13 US-Soldaten. US-Präsident Joe Biden kündigte Vergeltung an. 16.37 Uhr: Den Gesundheitseinrichtungen in Afghanistan droht nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bald der Nachschub an medizinischer Ausrüstung auszugehen. Außerdem litten die Einrichtungen unter Personalmangel, erklärte die WHO am Freitag in Genf. „Wir haben nur noch für wenige Tage Vorräte und prüfen alle Möglichkeiten, mehr Medikamente ins Land zu bringen“, sagte der WHO-Notfalldirektor in der östlichen Mittelmeerregion, Rick Brennan, in einer Videokonferenz mit Journalisten. Es gebe in Afghanistan „zahlreiche Einschränkungen“ aus logistischen und Sicherheitsgründen, hob Brennan hervor. Nach dem Doppelanschlag am Kabuler Flughafen sei die Lieferung von Nachschub über diesen Airport keine Option mehr. 15:59 Uhr: Trotz des Anschlags außerhalb des Flughafens von Kabul gibt es weiter Evakuierungsflüge aus Afghanistan. Innerhalb von 24 Stunden — zwischen dem frühen Donnerstagmorgen und dem frühen Freitagmorgen Washingtoner Zeit — brachten die USA und ihre Verbündeten rund 12.500 Menschen außer Landes, wie das Weiße Haus am Freitag mitteilte.8500 seien vom US-Militär ausgeflogen worden,4000 wiederum in Maschinen internationaler Partner. Ein Teil der 24-Stunden-Spanne lag vor dem Terrorangriff nahe des Airports, der den Flugbetrieb zeitweise lahmgelegt hatte. Nach Angaben des Weißen Hauses flogen die USA und ihre Verbündeten seit dem Start der Evakuierungsmission in Kabul Mitte August rund 105.000 Menschen aus. Bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens in Kabul hatten Selbstmordattentäter und eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz IS am Donnerstag viele Zivilisten und mindestens 13 US-Soldaten getötet. 15.07 Uhr: Die Vereinten Nationen bereiten sich auf die Flucht von mehr als einer halben Million Menschen aus Afghanistan vor.515 000 Menschen könnten das Land im schlimmsten Fall in diesem Jahr verlassen, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Freitag in Genf. Wie sich die Lage tatsächlich entwickele, sei jetzt noch nicht abzusehen. Die stellvertretende Hochkommissarin für Flüchtlinge, Kelly Clements, betonte, dass an den Grenzübergängen Richtung Iran und Pakistan noch keine größeren Flüchtlingsgruppen angekommen seien. Nachbarstaaten haben bereits 5,2 Millionen Afghaninnen und Afghanen aufgenommen.90 Prozent seien im Iran und in Pakistan, weitere in Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. 13.34 Uhr: Mehr als 4000 afghanische Staatsbürger haben vor Beginn der Luftbrücke in Kabul auf einen Termin in deutschen Auslandsvertretungen für ein Visum zum Familiennachzug gewartet. Mit Stand 16. August hätten sich „auf den Terminlisten der Botschaften für den Familiennachzug insgesamt für die Beantragung in Islamabad 2775 Personen (davon 791 zu subsidiär Schutzberechtigten) und für Neu Delhi 1388 Personen (davon 196 zu subsidiär Schutzberechtigten) registriert“, hieß es auf Nachfrage unserer Redaktion aus dem Auswärtigen Amt. Insgesamt warteten demnach Mitte August noch 4163 afghanische Staatsbürger auf einen Termin zur Familienzusammenführung. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu Anfang Mai 2021. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion warteten damals in Islamabad knapp 1879 Afghanen auf einen Termin für den Familiennachzug, in Neu Delhi waren es 1138. Unklar ist, wie viele dieser Menschen in den vergangenen Tagen mit Hilfe von internationalen Rettungsfliegern aus Afghanistan ausgeflogen worden sind. In Deutschland anerkannte Flüchtlinge haben grundsätzlich das Recht, ihre engsten Angehörigen, etwa Ehegatten und Kinder, über das Verfahren zum Familiennachzug nach Deutschland zu holen. 10.45 Uhr: Die letzten Bundespolizisten sind am Freitag aus dem schwierigen Einsatz in Afghanistan nach Berlin zurückgekehrt. Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, waren neun von ihnen bis zum Ende der Evakuierungsmission am Flughafen Kabul eingesetzt. Dort hätten sie neben der Sicherung der Botschaftsmitarbeiter auch die Ausreise deutscher Ortskräfte und gefährdeter Menschen unterstützt. An Bord der Chartermaschine mit mehr als 50 Passagieren waren nach Angaben eines Sprechers auch Diplomaten sowie neun weitere Bundespolizisten. Diese hatten sich in der usbekischen Hauptstadt Taschkent bereitgehalten, um die Beamten in Kabul gegebenenfalls abzulösen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dankte den Beamten, die am Flughafen von leitenden Beamten seines Hauses empfangen wurden. Er sagte: «Sie haben unter Einsatz ihres Lebens einen gefährlichen und für unser Land sehr wichtigen Dienst getan, um andere zu schützen und zu retten. Das ist in höchstem Maße ehrenhaft und verdient großen Respekt.» 9.56 Uhr: Nach Angaben der militant-islamistischen Taliban sind bei dem Anschlag am Flughafen Kabul am Donnerstag 13 bis 20 Zivilisten getötet worden. Das gehe aus Berichten von Krankenhäusern hervor, sagte ein Sprecher der Islamisten der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Die endgültigen Opferzahlen veröffentliche man zu gegebener Zeit. 3.50 Uhr: Nach dem verheerenden Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul hat US-Präsident Joe Biden den dafür verantwortlichen Terroristen mit Vergeltung gedroht. «Wir werden Euch jagen und Euch dafür bezahlen lassen», sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus. Er kündigte Einsätze des US-Militärs gegen die für den Anschlag verantwortliche Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an — und die Fortsetzung der Evakuierungen aus Afghanistan. Die Terroristen könnten die USA nicht dazu bringen, ihre «Mission» zu stoppen, betonte Biden mit Blick auf die verbliebenen Amerikaner im Land. «Wir werden sie finden, und wir werden sie da rausholen.» Bei dem Anschlag waren neben 13 US-Soldaten auch viele Afghanen getötet worden. Unbestätigte Medienberichte und Videos vom Tatort deuten auf Dutzende einheimische Todesopfer hin, hinzu kommen zahllose Verletzte. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es seien auch 18 Soldaten verwundet worden. Die Verletzten würden in speziell ausgerüsteten Flugzeugen ausgeflogen, hieß es. Lesen Sie hier: Markus Lanz diskutierte mit seinen Gästen über die Lage in Afghanistan. CDU-Politiker Tilman Kuban sorgte dabei für Kopfschütteln. 23.20 Uhr: Die erneute Explosion in der afghanischen Hauptstadt Kabul in der Nacht zum Freitag ist nach Angaben der Taliban durch eine kontrollierte Sprengung durch die US-Truppen verursacht worden. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid erklärte im Online-Dienst Twitter, US-Truppen hätten am Flughafen Ausrüstung zerstört. Für die Bewohner von Kabul bestehe kein Anlass zur Sorge. Die Angaben konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Zuvor waren bei einem Doppelanschlag vor dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul nach Angaben der Taliban bis zu 20 Menschen getötet und mehr als 50 weitere verletzt worden. Dort hatten tausende Menschen auf einen Platz in einem der letzten westlichen Evakuierungsflugzeuge gewartet. Ein Gesundheitsexperte der von den Taliban vertriebenen Vorgängerregierung in Kabul sagte, die Zahl der Toten könne auf 60 ansteigen. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums sind auch zwölf US-Soldaten unter den Toten. 22.50 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Terroranschläge in Kabul «auf das Schärfste» verurteilt. Der Präsident spreche den Familien der amerikanischen und afghanischen Opfer sein Beileid aus sowie den Verletzten seine Unterstützung, hieß es in einer Mitteilung des Élyséepalasts am Donnerstagabend. Zugleich hob Macron den «heldenhaften Einsatz» derjenigen hervor, die sich vor Ort um den Erfolg der Evakuierungsoperationen bemühten. «Frankreich wird sie bis zum Ende durchziehen und seine humanitären und Schutzbemühungen für die bedrohten Afghanen fortsetzen.» Zuvor hatte Macron von mehreren Hundert Menschen gesprochen, die in Kabul noch auf ihre Evakuierung nach Frankreich warteten. «Wir werden ein Maximum tun, damit diese Menschen, um die wir uns bereits kümmern, die aber noch nicht auf dem Gelände des Militärflughafens eingetroffen sind, dort hingelangen können und evakuiert werden können in Richtung der Vereinigten Arabischen Emirate und nach Frankreich.» 22.42 Uhr: Nach dem Tod von zwölf US-Soldaten bei dem Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ihr Beileid bekundet. «Meine Gedanken und Gebete sind bei unseren amerikanischen Verbündeten», schrieb die CDU-Politikerin am Donnerstagabend auf Englisch bei Twitter. Die Soldaten waren am Donnerstag bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens von Kabul getötet worden. Nach US-Angaben wurden 15 weitere verletzt. Den Anschlag reklamiert der lokale Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich. Mit den Taliban, die in Afghanistan vor gut einer Woche die Macht an sich gerissen hatten, ist der IS verfeindet. 22.30 Uhr: Die afghanische Hauptstadt Kabul ist in der Nacht zum Freitag nach Angaben von Mitarbeitern der Nachrichtenagentur AFP erneut von einer starken Explosion erschüttert worden. Die Ursache der Explosion, die sich wenige Stunden nach dem Doppelanschlag vor dem Flughafen von Kabul ereignete, war zunächst unklar. Da es seit der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban keine funktionierenden Behörden in dem Land gibt, waren zunächst keine näheren Informationen zu erhalten. Am Donnerstagabend waren vor dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul, wo tausende Menschen auf einen Platz in einem der letzten westlichen Evakuierungsflugzeuge warteten, mindestens zwei Anschläge verübt worden. Nach Angaben der radikalislamischen Taliban wurden bis zu 20 Menschen getötet und mehr als 50 weitere verletzt. Ein Gesundheitsexperte der von den Taliban vertriebenen Vorgängerregierung in Kabul sagte, die Zahl der Toten könne auf 60 ansteigen. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums sind auch zwölf US-Soldaten unter den Toten. 22.11 Uhr: Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, André Wüstner, hat mit Blick auf die Lage in Afghanistan ein besseres Zusammenspiel innerhalb der Bundesregierung angemahnt. Er hielt der Regierung am Donnerstagabend in den ARD-«Tagesthemen» vor, «nur bedingt strategiefähig» zu sein. Der vernetzte Ansatz, das Zusammenwirken der Ressorts in der Strategiebildung und der Zieldefinition, «da muss man besser werden, das geht so nicht mehr», sagte Wüstner auch mit Blick auf das deutsche Engagement im Irak und in der Sahelzone. «Das können wir uns nicht mehr erlauben.» 22.09 Uhr: In Afghanistan befinden sich nach Angaben des US-Außenministeriums noch rund 1000 amerikanische Staatsbürger. Die Regierung stehe mit ihnen in Kontakt, und rund zwei Drittel hätten erklärt, dass sie bereits Schritte unternähmen, um das Land zu verlassen, erklärte das Ministerium am Donnerstag. Das Ministerium war am Mittwoch noch von bis zu 1500 US-Bürgern in Afghanistan ausgegangen. Inzwischen sei aber bestätigt, dass etwa 500 von ihnen bereits evakuiert worden seien. Insgesamt seien seit 14. August bereits 4500 Amerikaner ausgeflogen worden, hieß es weiter. Unabhängig davon hätten sich seit Mittwoch rund 500 Menschen gemeldet, die angäben, US-Bürger zu sein. «Basierend auf unserer Erfahrung werden viele von ihnen letztlich nicht US-Staatsbürger sein, die unsere Unterstützung brauchen», erklärte das Ministerium. Die Lage entwickle sich weiterhin «dynamisch», weswegen sich auch Zahlen immer wieder ändern könnten, schränkte die Behörde ein. 21.55 Uhr: Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag am Flughafen von Kabul für sich reklamiert. Dies verlautbarte IS-Khorasan, wie der IS sich in Afghanistan und Pakistan nennt, am Donnerstagabend mit einer über das Internet verbreiteten Nachricht des IS-Sprachrohrs Amak. 21.24 Uhr: Bei dem Terrorangriff am Flughafen in Kabul haben sich nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Nach den Detonationen hätten eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon. 21.22 Uhr: Der Terroranschlag außerhalb des Flughafens von Kabul wird das US-Militär nach Angaben von Verteidigungsminister Lloyd Austin nicht davon abhalten, seinen Aufgaben weiter nachzukommen. Alles andere würde das von den getöteten Soldaten erbrachte Opfer entehren, teilte Austin am Donnerstag mit. Er sprach den Familienangehörigen und Kameraden der getöteten und verletzten US-Soldaten sein Beileid aus. «Wir bedauern ihren Tod. Wir werden ihre Wunden behandeln. Und wir werden die Familien unterstützen bei dem, was sicher vernichtende Trauer sein wird. Aber wird werden uns nicht von unserer Aufgabe abbringen lassen», erklärte Austin. 21.06 Uhr: Bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens von Kabul sind nach Angaben der US-Regierung zwölf amerikanische Soldaten getötet worden. Das sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon.15 US-Soldaten seien verletzt worden. Die US-Streitkräfte wollen die Evakuierungsmission in Kabul aber auch nach dem verheerenden Terrorangriff am Flughafen fortführen, erklärte McKenzie. 20.58 Uhr: Nach dem Anschlag am Flughafen von Kabul sieht die norwegische Regierung keine Möglichkeit mehr, ausreisewillige Personen aus Afghanistan zu evakuieren. «Durch den Angriff ist wertvolle Zeit verloren gegangen», sagte Außenministerin Ine Eriksen Søreide am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz. «Wir haben leider nicht mehr die Möglichkeit, bei einer assistierten Ausreise zu helfen. Wir treten jetzt in eine neue Phase der Evakuierung ein.» Man wisse, dass sich immer noch Norweger in Afghanistan aufhielten, die wünschen, auszureisen, so Eriksen Søreide weiter. Nun könne aber nur noch ausgeflogen werden, wer sich bereits auf dem Flughafengelände befinde. «Wir beenden die Arbeit noch nicht, aber wir haben keinen Grund, unrealistische Erwartungen zu wecken, dass eine Evakuierung jetzt möglich sein wird», sagte die Außenministerin. Norwegen hat in den vergangenen Tagen rund 1000 Menschen aus Afghanistan evakuiert, darunter 390 Kinder. Die meisten von ihnen hätten Familie in Norwegen, sagte Ministerpräsidentin Erna Solberg.28 afghanische Kinder wurden evakuiert, ohne dass ihre Eltern den norwegischen Behörden bekannt sind. 20.29 Uhr: Angesichts der chaotischen Situation und der angespannten Sicherheitslage in Afghanistan hat UN-Generalsekretär António Guterres die Vetomächte zu einem Krisentreffen eingeladen. Diplomatenkreisen zufolge sollen die Botschafter der USA, Chinas, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs am Montag in New York mit dem UN-Chef zusammenkommen, um sich über die Lage auszutauschen. «Wir gehen davon aus, dass er (Guterres) sich auf die Notwendigkeit konzentrieren wird, dass die internationale Gemeinschaft zusammenkommt und mit einer Stimme spricht», sagte ein Diplomat eines der eingeladenen Länder der Deutschen Presse-Agentur. Thematisch werde es vermutlich um die Notwendigkeit einer integrativen Regierung in Afghanistan und die Herausforderung rund um die Koordination humanitärer Hilfe gehen sowie um die Bekämpfung des Terrors. 20.22 Uhr: Die Bundesregierung will nach dem Ende des Evakuierungseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan auf anderen Wegen versuchen, schutzbedürftigen Menschen bei der Ausreise zu helfen. «Die militärische Evakuierung ist nun beendet. Aber unsere Arbeit geht weiter und zwar so lange, bis alle in Sicherheit sind, für die wir in Afghanistan Verantwortung tragen», sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Donnerstag in Berlin. «Deshalb geht unsere Hilfsaktion heute in eine neue Phase.» Mit den noch in Afghanistan verbliebenen Deutschen bleibe man weiter in Kontakt und arbeite daran, «sie mit einer organisierten Ausreise zu unterstützen». Maas machte aber auch klar, dass man sich weiter darum kümmern werde, dass Afghanen das Land verlassen können. «Wir werden auch alles daran setzen, den Ortskräften, die jetzt noch in Afghanistan sind, die Ausreise zu ermöglichen. Und das gilt für die gesamte Bundesregierung.» Die Botschaften in den Nachbarstaaten hätten die Anweisung, allen ehemaligen Mitarbeiten von Bundeswehr und Bundesministerien, die bereits eine Aufnahmegenehmigung haben, Einreisepapiere zu erteilen. 19.52 Uhr: Nach den Anschlägen am Flughafen Kabul haben die Nato und die Europäische Union die Fortsetzung der Evakuierungen aus Kabul gefordert. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte am Donnerstag im Online-Dienst Twitter, er verurteile den «furchtbaren terroristischen Anschlag». Zugleich betonte er, die «Priorität» der westlichen Allianz liege darin, «so viele Menschen wie möglich so schnell wie möglich in eine sichere Umgebung» zu bringen. EU-Ratspräsident Charles Michel zeigte sich «extrem besorgt», forderte aber ebenfalls, die Evakuierungen fortzusetzen. Einen gesicherten Zugang zum Flughafen zu gewährleisten, sei von lebenswichtiger Bedeutung, erklärte Michel. Die derzeitige Lage dürfe nicht dazu führen, dass der «Terrorismus» in Afghanistan wieder um sich greife. 19.15 Uhr: Die Luftwaffe hat am Donnerstag alle deutschen Soldaten, Diplomaten und verbliebenen Polizisten aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen. Das sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Berlin nach dem Start der letzten Maschine. 18.39 Uhr: Nach dem Anschlag in Kabul hat die Bundeswehr am Donnerstag ein für die Versorgung von Verletzten ausgerüstetes Transportflugzeug A400M zurück zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt geschickt. Die für mögliche Notfälle im Luftraum über Kabul bereitgehaltene Maschine landete am Abend nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur außerplanmäßig und bot den US-Amerikanern Hilfe bei der Versorgung an. Zudem wurden zwei deutsche Soldaten aufgenommen, die während des Chaos nach der Explosion vor dem Flughafen noch am Boden geblieben waren. 18.15 Uhr: Angaben der militant-islamistischen Taliban zufolge sind bei dem Anschlag am Flughafen Kabul mindestens 52 Menschen verletzt worden. Es habe auch Tote gegeben, allerdings sei die Zahl noch unklar, sagte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Donnerstag dem lokalen TV-Sender ToloNews. Die Nichtregierungsorganisation Emergency hatte zuvor mitgeteilt, dass mindestens sechs Menschen tot in ihr Krankenhaus in Kabul eingeliefert worden seien. Vor dem Flughafen hat es nach ersten Erkenntnissen zwei Explosionen gegeben — eine an einem der Flughafentore und eine bei einem nahe gelegen Hotel. Die Taliban haben vor rund eineinhalb Wochen die Macht in Afghanistan übernommen. 17.12 Uhr: In Kabul hat es am Donnerstag eine zweite Explosion gegeben. Wie der Sprecher des US-Pentagons bestätigte, soll sich eine zwei Detonation in der Nähe des Baron Hotels ereignet haben. 17.00 Uhr: Außerhalb des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul ist es nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums zu zwei Explosionen gekommen. «Es gibt keine Schäden oder Verluste in unserer Einheit», schrieb das Ministerium in Ankara am Donnerstag auf Twitter. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, hatte zuvor von einer Explosion gesprochen. Die Türkei hatte am Mittwoch mit dem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan begonnen. Ein auf Twitter geteiltes Bild, das offenbar vom Inneren des Flughafengeländes aufgenommen wurde, zeigte eine große Rauchwolke. Der lokale Fernsehsender ToloNews veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Schubkarren transportiert werden. 16.46 Uhr: Im Zusammenhang mit einer zu erwartenden Flucht von Menschen aus Afghanistan fordert die Kinderrechtsorganisation Plan International Deutschland die Bundesregierung und die Europäische Union (EU) auf, mögliche Zahlungen an Drittstaaten zur Unterbringung der Flüchtenden an Bedingungen zu knüpfen. «Die Nachbarländer Afghanistans müssen sich verpflichten, die Rechte von Mädchen und Frauen einzuhalten, wenn Finanzhilfen aus Deutschland und der EU zur Unterbringung von Flüchtenden zur Verfügung gestellt werden», sagt Kathrin Hartkopf, Sprecherin der Geschäftsführung von Plan International Deutschland. «Krisen verschärfen bestehende Ungleichheiten. Mädchen und Frauen sind aufgrund ihres Geschlechts unverhältnismäßig stark davon betroffen. Sie machen 70 Prozent der Hungernden in der Welt aus. Mädchen sind die ersten, die aus der Schule genommen werden. Sie sind die ersten, die jung und gegen ihren Willen verheiratet werden. Sie sind Opfer von sexueller Gewalt. Deshalb gilt es angesichts der aktuellen Situation in Afghanistan, bereits jetzt die richtigen Antworten für diejenigen zu finden, die am meisten von den künftigen Entwicklungen gefährdet sind.» 16.39 Uhr: Die letzten Maschinen der Bundeswehr zur Rettung von Deutschen und einheimischen Mitarbeitern aus Afghanistan sind am Donnerstag abgehoben. Die letzten drei Flugzeuge starteten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am frühen Abend (Ortszeit) vom Flughafen Kabul aus mit dem Ziel Taschkent in Usbekistan. 15.57 Uhr: Wie unter anderem der Sender CNN berichtet, hat es vor dem internationalen Flughafen in Kabul eine Explosion gegeben. Ein Beamter sagte, es gebe Verletzte unter Afghanen, Informationen über US-Verletzte gebe es bislang keine. Pentagon-Sprecher John Kirby sagte laut CNN: «Wir können eine Explosion außerhalb des Flughafens von Kabul bestätigen. Die Zahl der Opfer ist derzeit unklar. Wir werden weitere Details bekanntgeben, wenn wir können», hieß es in einem Tweet. 15.40 Uhr: Das US-Verteidigungsministerium ist Befürchtungen entgegengetreten, die Evakuierungsflüge der USA am Flughafen in Kabul könnten bereits mehrere Tage vor dem geplanten Abzug der amerikanischen Truppen enden. «Die Evakuierungsoperationen in Kabul werden nicht in 36 Stunden abgeschlossen sein», schrieb Pentagon-Sprecher John Kirby am Donnerstag auf Twitter. Die USA wollten bis zum Ende der Mission weiter «so viele Menschen wie möglich evakuieren». Bis zum Monatsende am kommenden Dienstag wollen die USA ihre Truppen aus Kabul abziehen. 15.15 Uhr: Angesichts von Warnungen vor Terroranschlägen und des Abzugs der US-Truppen bleiben der Bundeswehr nur noch wenige Stunden für ihre Evakuierungsflüge aus Kabul. Die für Rettungsaktionen in die afghanische Hauptstadt verlegten Bundeswehr-Hubschrauber wurden bereits in der vergangenen Nacht wieder zurück nach Taschkent geflogen, wie Generalinspekteur Eberhard Zorn am Donnerstag in Berlin sagte. Einer der wohl letzten Evakuierungsflieger der deutschen Truppen hob am Morgen mit 154 geretteten Menschen an Bord in Kabul ab. Zuvor war berichtet worden, dass die letzten vier Evakuierungsflüge der Bundeswehr bereits am Donnerstag stattfinden würden. «Wir wissen, dass sich die Terrordrohungen massiv verschärft haben, dass sie deutlich konkreter geworden sind», sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Donnerstag. Das Außenministerium habe daher auch die Menschen informiert, dass sie nicht mehr auf eigene Faust zum Flughafen kommen sollten. 14.17 Uhr: Zwei Mitarbeiter des beliebten afghanischen Fernsehsenders ToloNews sind in Afghanistan eigenen Angaben zufolge von militant-islamistischen Taliban misshandelt worden. Der Reporter Siar Jad und sein Kameramann seien am Mittwoch im Zentrum der Hauptstadt Kabul geschlagen worden, als sie gerade an einem Bericht arbeiteten, teilte ToloNews am Donnerstag auf Twitter mit. Die Mitarbeiter hätten Tagelöhner und Arbeitslose für einen Beitrag gefilmt, als Taliban-Kämpfer sie plötzlich schlugen. Der Grund dafür sei unbekannt. Der Reporter Jad selbst schrieb auf Twitter, die Taliban seien plötzlich aus ihrem gepanzerten Landcruiser ausgestiegen und hätten ihn mit vorgehaltener Waffe geschlagen. Auch Kameras, technische Geräte und sein persönliches Handy seien gekapert worden. Ein Vertreter der Taliban habe zu ToloNews gesagt, der Fall werde «ernsthaft» untersucht. 12.43 Uhr: In Taschkent ist die A400M-Maschine der Bundeswehr, die um 9.42 Uhr in Kabul gestartet war, inzwischen gelandet. Das teilte das Einsatzkommando der Bundeswehr auf Twitter mit. Auf dem Flug wurden nach Angaben der Bundeswehr 154 Menschen in Sicherheit gebracht. Diese sollen nach der Landung im usbekischen Taschkent nach Frankfurt am Main weitergebracht werden. Nach Informationen mehrerer Medien ist es die wohl letzte Maschine, die Schutzbedürftige aus Kabul ausfliegen soll. Im Laufe des Tages sind demnach drei weitere Flüge geplant. Mit ihnen sollen vorrangig Einsatzkräfte der Bundeswehr aus Kabul herausgebracht und eventuell nur noch einzelne «Härtefälle» an Bord genommen werden. 11.00 Uhr: Der britische Streitkräfteminister James Heappey hat nochmals vor der Gefahr möglicher Anschläge in Kabul gewarnt. Es gebe «sehr, sehr glaubwürdige Berichte über einen bevorstehenden Anschlag». Gleichzeitig bestätigte er, dass sich trotz des Risikos noch unzählige Menschen rund um den Flughafen aufhielten, die auf die Ausreise hofften. Die Menschen seien verzweifelt und bereit, das Risiko einzugehen. 10.02 Uhr: Der erste Bundeswehr-Rettungsflug des heutigen Tages ist in Kabul gelandet. Am Morgen war am usbekischen Flughafen Taschkent eine A400M-Maschine nach Kabul aufgebrochen, um weitere Menschen aus Afghanistan auszufliegen. Das teilte das Einsatzführungskommando auf Twitter mit. Heute soll es noch vier Bundeswehr-Flüge geben, berichtete das ARD-Studio Neu-Delhi. Am Nachmittag könnte dann nach derzeitiger Planung die letzte deutsche Maschine aus Kabul abheben. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte, dass seit dem Beginn der Rettungsmission auf bislang 34 Flügen fast 5200 Schutzbedürftige ausgeflogen wurden. «Wir evakuieren bis zur letzten Sekunde», hieß es aus der Behörde. 9.54 Uhr: In Afghanistan weitet sich die Widerstandsbewegung gegen die radikalislamischen Taliban nach den Worten des Bruders des legendären afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegners Ahmed Schah Massud aus. Der Widerstand habe sich über das Land verbreitet, sagte Ahmed Wali Massud am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Die Einstellungen der Afghanen hätten sich in den vergangenen 20 Jahren entwickelt, sagte Massud. «Die Frauen Afghanistans sind der Widerstand, denn ihre Werte unterscheiden sich sehr von denen der Taliban.» Auch die jüngeren Generationen, die einen Großteil der Bevölkerung ausmachten, seien Teil der Widerstandsbewegung. «Egal was passiert, der Widerstand wird weitergehen. Es ist ein Freiheitskampf für universelle Rechte und Überzeugungen. Das wird niemals sterben», sagte Ahmed Wali Massud. Der Sohn des früheren Kriegsherrn Massud, Ahmed Massud, hatte in der vergangenen Woche zum Widerstand gegen die Taliban aufgerufen. Nach seinen Angaben haben sich ihm im Pandschir-Tal tausende Kämpfer angeschlossen. Das Pandschir-Tal war in den 90er Jahren eine Hochburg des Widerstands gegen die Taliban und fiel nie unter die Kontrolle der Islamisten. Ahmed Massuds Vater hatte in den 80er Jahren gegen die sowjetische Besatzung Afghanistans gekämpft, während der Taliban-Herrschaft zwischen 1996 bis 2001 bekämpfte er die Islamisten. Am 9. September 2001 wurde er von zwei Selbstmordattentätern des Terrornetzwerks Al-Kaida getötet — zwei Tage vor den Anschlägen in den USA, die zu dem internationalen Militäreinsatz in Afghanistan führten. 9.02 Uhr: Angesichts des bevorstehenden vollständigen US-Abzugs aus Afghanistan stellen zahlreiche EU-Länder ihre Evakuierungsflüge aus Kabul ein. Grund sei die sich verschlechternde Lage in dem Land, schrieb beispielsweise der belgische Regierungschef Alexander De Croo im Onlinedienst Twitter. Die Entscheidung sei «in Abstimmung mit den europäischen Partnern» getroffen worden. Auch das ungarische Verteidigungsministerium teilte mit, dass die eigene Evakuierungsmission in Afghanistan abgeschlossen sei. Alle dafür eingesetzten Sicherheitskräfte seien abgezogen worden und bereits wieder in Ungarn angekommen. Frankreich stoppt die Evakuierungsflüge voraussichtlich morgen Abend. In einem Radiointerview kündigte der französische Premierminister Jean Castex an, dass die Rettungsmission seines Landes in Afghanistan wohl noch bis Freitagabend fortgesetzt werde. Danach werde Frankreich «nicht mehr in der Lage sein», weitere Menschen auszufliegen.

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