<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":1109808,"date":"2018-08-01T16:55:00","date_gmt":"2018-08-01T14:55:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=1109808"},"modified":"2018-08-01T17:10:56","modified_gmt":"2018-08-01T15:10:56","slug":"peter-scholze-gewinnt-fields-preis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/ru\/2018\/08\/peter-scholze-gewinnt-fields-preis\/","title":{"rendered":"Peter Scholze gewinnt Fields-Preis"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Der in Bonn forschende Mathematiker Peter Scholze wurde mit der renommierten Fields-Medaille ausgezeichnet. Sein Abitur legte Scholze einst in Berlin ab.<\/b><br \/>\nEr war mit 24 Jahren j\u00fcngster Professor Deutschlands, hat etliche Preise abger\u00e4umt und versteht mathematische Zusammenh\u00e4nge so, dass andere nur staunen k\u00f6nnen: Nun ist der Bonner Mathematiker Peter Scholze mit einer der renommiertesten Auszeichnungen seines Fachs, der Fields-Medaille, gew\u00fcrdigt worden &#8212; als zweiter Deutscher \u00fcberhaupt. Das sei \u201eschon eine herausragende Ehre\u201c, sagte der 30-j\u00e4hrige geb\u00fcrtige Dresdner, der in Berlin aufwuchs und hier sein Abitur ablegte, anl\u00e4sslich der Verleihung beim Internationalen Mathematiker-Kongress am Mittwoch in Rio de Janeiro. Diese Bescheidenheit passt zu ihm. Der Versuch einer Ann\u00e4herung.<br \/>Schulterlange, braune Haare. Schlanke Figur, schlichtes Hemd. Peter Scholze sticht auf den ersten Blick nicht heraus. Was ihn ausmacht, ist seine geistige Arbeit. Sein Genie. Auch wenn er das selbst wohl nie so sagen w\u00fcrde. \u201eAn sich habe ich gar nicht das Gef\u00fchl, dass ich ein spezielles Talent besitze\u201c, sagt er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Mit dieser Meinung steht er ziemlich alleine da.<br \/>Das Prestige der Fields-Medaille ist mit dem der Nobelpreise vergleichbar. Sie wird alle vier Jahre an bis zu vier herausragende Mathematiker unter 40 Jahren vergeben &#8212; neben Scholze dieses Mal an Akshay Venkatesh (Princeton University und Stanford University, USA), Alessio Figalli (ETH Z\u00fcrich, Schweiz) und Caucher Birkar (Cambridge University, Gro\u00dfbritannien). Eine weitere hochrangige Mathematik-Auszeichnung ist der Abelpreis, der ohne Altersbeschr\u00e4nkung und j\u00e4hrlich verliehen wird.<br \/>Die goldene Medaille reiht sich bei Scholze unter anderem ein neben dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Fermat-Preis der Universit\u00e4t Toulouse und dem Clay Research Award des Clay Mathematics Institute in Cambridge. Das liest sich wie ein Auszug der Liste aller wichtigen Auszeichnungen, die ein Mathematiker auf dieser Welt bekommen kann. Scholze ist Mitglied unter anderem der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Nordrhein-Westf\u00e4lischen Akademie der Wissenschaften und der K\u00fcnste. Seit Juli ist er zudem Direktor am Max-Planck-Institut f\u00fcr Mathematik in Bonn.<br \/>Scholzes Doktorvater Michael Rapoport sagt: \u201eEr ist der bessere Mathematiker als ich, er hat tiefere Einblicke als ich, er hat den besseren \u00dcberblick.\u201c Wie die Studenten hole auch er selbst sich Rat bei Scholze. \u201eEr ist inzwischen mein Lehrer.\u201c Schon beim Abitur habe Scholze sein ganzes Fachgebiet intus gehabt und noch Wissen dar\u00fcber hinaus, sagt der fr\u00fchere Mathe-Professor. \u201eIch hatte eine ganze Reihe von au\u00dfergew\u00f6hnlichen Studenten, aber Scholze ist exzeptionell.\u201c Er habe ein absolutes Formgef\u00fchl &#8212; wie Mozart. \u201eDie Kompositionen sind in gewissem Sinn vollkommen komponiert und eing\u00e4ngig\u201c, schw\u00e4rmt Rapoport. \u201eAber er tr\u00e4gt sein Genie nicht vor sich her.\u201c<br \/>In Laudationen wird Scholze als \u00dcberflieger und Ausnahmetalent bezeichnet. \u201eIch brauche die Superlative nicht\u201c, sagt der trocken. Er versuche, das nicht so sehr an sich rankommen zu lassen. Im Interview l\u00e4sst er sich viel Zeit zum Antworten &#8212; und gibt sich dann doch oft wortkarg. \u201eWir versuchen in der Mathematik immer, die Dinge m\u00f6glichst klar zu sagen\u201c, formuliert Scholze. Es klingt wie sein Lebensmotto.<br \/>Der einzige Deutsche, der bislang die Fields-Medaille bekam, ist Gerd Faltings. 1986 war das. \u201eDas ist damals ein bisschen untergegangen, weil wir zur gleichen Zeit geheiratet und Kinder bekommen haben\u201c, erinnert sich der 64-J\u00e4hrige. \u00dcber Scholze sagt er: \u201eEs ist erstaunlich, wie viele Sachen er macht und versteht. Dinge, wo ich lange f\u00fcr brauchen w\u00fcrde oder die mich nicht interessieren. Damit sticht er aus der Masse heraus.\u201c Scholze sei flei\u00dfiger als er und habe zu vielen Themen eine fundierte Meinung. \u201eEr liefert eine neue Sicht auf die Dinge und setzt Spezialf\u00e4lle in gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang.\u201c<br \/>Was Scholze macht, ist f\u00fcr Laien schwer bis gar nicht verst\u00e4ndlich. Er forscht zur sogenannten arithmetischen Geometrie und schafft Verbindungen zwischen verschiedenen Gebieten der Mathematik. Das hilft Fachleuten, Probleme in einem Bereich mit Ans\u00e4tzen aus einem anderen zu l\u00f6sen. Gewisserma\u00dfen blickt Scholze \u00fcber den Tellerrand der einzelnen Disziplinen und verkn\u00fcpft L\u00f6sungsans\u00e4tze. Seine Forschung gilt als weltweit bahnbrechend und richtungsweisend.<br \/>Er selbst beschreibt das so: \u201eWas mich interessiert, sind die ganzen Zahlen &#8212; also 1,2,3,4,5 und so weiter &#8212; und ihre Eigenschaften, also was f\u00fcr Gleichungen man damit l\u00f6sen kann. Und diese ganz grundlegende Fragestellung ben\u00f6tigt abstrakte Methoden, die aus verschiedenen, \u00fcberraschenden Bereichen der Mathematik kommen: aus der Geometrie, aus der Analysis. Eigentlich gibt es da aus allen Gebieten der Mathematik Querverbindungen.\u201c<br \/>Der einfache Mathematiksch\u00fcler mag da nur Bahnhof verstehen. Scholzes akademischer Lehrer Rapoport erkl\u00e4rt, es gehe um Probleme, die seit gef\u00fchlten Ewigkeiten bearbeitet werden. Und er ordnet ein: \u201eNicht die N\u00fctzlichkeit ist der Grund, warum das toll ist, sondern das geistige Ideengeb\u00e4ude, das Herr Scholze aufgebaut hat.\u201c Doch mit Scholze k\u00f6nne man auch \u00fcber Rasenpflege plaudern. \u201eAber es kann sein, dass er im Gespr\u00e4ch auf einmal zum Fachlichen wechselt.\u201c Beim Tippspiel zur Fu\u00dfball-WM habe Scholze weit vor ihm gelegen, verr\u00e4t Rapoport.<br \/>Die Anf\u00e4nge f\u00fcr die Ausnahmekarriere waren fr\u00fch gelegt: Geboren in Dresden besuchte Scholze in Ostberlin das Heinrich-Hertz-Gymnasium, eine Eliteschule f\u00fcr Mathematiker und Naturwissenschaftler. 2007 schlie\u00dft er das Abi mit 1,0 ab. \u201eUnseren Peter\u201c nennen sie ihn hier.<br \/>Haben Sie Lust, jemanden kennenzulernen, der Fragen ganz anders beantwortet als Sie? Dann machen Sie mit bei \u201e Deutschland spricht\u201d. Mehr Infos zu der Aktion auch hier:<br \/>Im Mathe-Unterricht verfolgte er das Geschehen demzufolge mit \u201ehalbem Ohr\u201c und griff in die Diskussion ein, wenn ihm irgendwas nicht recht gefiel oder wenn die L\u00f6sung des Problems zu lange auf sich warten lie\u00df. \u201eEr sch\u00fcttelte dann L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge aus dem \u00c4rmel und konnte diese &#8212; zumeist l\u00e4chelnd &#8212; an der Tafel sofort sauber und verst\u00e4ndlich f\u00fcr alle darstellen\u201c, schreibt die Schule in ihrem Portr\u00e4t. Parallel las Scholze im Unterricht mathematische Fachliteratur oder l\u00f6ste Aufgaben h\u00f6herer Stufen.<br \/>In der 11., 12. und 13. Klasse konnte die Schule nach eigenen Angaben Scholze mathematisch nicht mehr allzu viel bieten. So wurde der Sch\u00fcler individuell an der Freien Universit\u00e4t Berlin betreut, den Mathematik-Leistungskurs besuchte er \u201enur noch sporadisch\u201c. Als Bassist spielte er in einer Schulband &#8212; eher Richtung Heavy Metal, hei\u00dft es. Und er gewann bei Internationalen Mathe-Olympiaden mehrere Silber- und Goldmedaillen<br \/>Scholze studierte Mathematik an der Uni Bonn, absolvierte seinen Bachelor in drei Semestern, seinen Master in zweien. 2012 wurde er dort im Alter von nur 24 Jahren Professor. Weil ihm in seinen Master- und Doktorarbeiten aufsehenerregende Durchbr\u00fcche gelangen, verzichtete die Hochschule auf eine Habilitation. Ein bisschen Angst spielte wohl auch eine Rolle, Scholze k\u00f6nnte an eine andere namhafte Uni wechseln.<br \/>Dabei will er das gar nicht: \u201eEs hat mich nie so sehr gereizt, in die USA zu gehen, weil ich mich kulturell in Deutschland verankert f\u00fchle\u201c, sagt Scholze, der f\u00fcnf Jahre Forschungsstudent in Cambridge war. Mathematik sei eine sehr internationale Disziplin, sagt er. \u201eWir behandeln alle dieselbe Mathematik. Sowas wie die deutsche Mathematik gibt es nicht.\u201c Bonn sei ein herausragender Standort, um sich mit guten Mathematikern auszutauschen. An der dortigen Uni gibt es das Hausdorff-Zentrum f\u00fcr Mathematik als Exzellenzcluster &#8212; das einzige derzeit laufende Exzellenzcluster f\u00fcr diesen Fachbereich.<br \/>Ma\u00dfstab f\u00fcr die Bewertung eines Mathestandorts sollten nicht Preise sein, findet Faltings. \u201eIch sehe das nicht wie Olympische Spiele, bei denen es darum geht, Medaillen zu bekommen. Daf\u00fcr ist das deutsche System auch nicht geeignet.\u201c Der Pr\u00e4sident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, Michael R\u00f6ckner, betont zudem: \u201eJeder, der die Fields-Medaille bekommt, ist herausragend. Aber nicht jeder Herausragende bekommt auch die Fields-Medaille.\u201c<br \/>Im Prinzip k\u00f6nne man \u00fcberall in Deutschland gut Mathematik lernen, sagt Faltings. Es gebe aber kein Elitesystem wie in England oder Frankreich. \u201eDort werden die Besten st\u00e4rker gef\u00f6rdert\u201c, findet er. Alle s\u00e4\u00dfen gewisserma\u00dfen auf einer Stelle. \u201eMan lernt da besser, sich gegen Konkurrenz durchzusetzen.\u201c So sind Franzosen auffallend oft etwa unter den Tr\u00e4gern der Fields-Medaille. Scholze betont, in Frankreich bekomme man fr\u00fcher permanente Stellen. \u201eEs gibt auch viel mehr reine Forschungsstellen, wo es auch ein paar Leute gibt, die ihr ganzes Leben der Forschung verschreiben.\u201c<br \/>Eine Idee auch f\u00fcr Deutschland? \u201eDer Bund k\u00f6nnte theoretisch eine Milliarde in eine Uni stecken und damit nach einiger Zeit eine Elitehochschule schaffen, aber das g\u00e4be politisch einen Riesen\u00e4rger\u201c, meint Faltings. R\u00f6ckner ist weniger pessimistisch: Unter den Nazis im Zweiten Weltkrieg habe die Mathematik vielleicht st\u00e4rker als viele Wissenschaften gute Leute wie den Juden Felix Hausdorff verloren. \u201eWir brauchten lange Zeit, um uns davon zu erholen.\u201c Inzwischen habe Deutschland auf dem internationalen Mathematik-Parkett wieder Fu\u00df gefasst, etwa durch den Pr\u00e4sidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Martin Gr\u00f6tschel. Auch k\u00e4men mehr junge Mathematiker auf Professuren. Das bringe einen \u201eEnergieschwung\u201c.<br \/>Schlechter sehe es bei der Schulbildung aus, weil viele Lehrpl\u00e4ne in den vergangenen Jahren abgespeckt worden seien. Es sei ein Kraftakt, Studenten angesichts der hohen Anforderungen an den Unis zu halten, sagt R\u00f6ckner. Der hoffnungsvolle Nachwuchs werde bei Wettbewerben wie den Mathe-Olympiaden gesucht. Dort also, wo auch Scholze seine ersten Erfolge feierte und den Grundstein f\u00fcr seine Ausnahmekarriere legte. Auch wenn er das selbst wohl anders ausdr\u00fccken w\u00fcrde. (mit dpa)<\/p>\n<div id=\"td_post_ranks_tmp\" class=\"td-post-comments\" style=\"vertical-align: middle;display:none;\">\n<div style=\"float: left;\">Similarity rank: 4.2<\/div>\n<\/div>\n<p><script>\n\/*jQuery(function() {\nvar mainContentMetaInfo = '.td-post-header .meta-info';\nvar tdPostRanks = '#td_post_ranks';\nif (jQuery(tdPostRanks).length) {\n    var tdPostRanksHtml = jQuery(tdPostRanks).get(0).outerHTML;\n    if (typeof tdPostRanksHtml != 'undefined') {\n        jQuery(tdPostRanks).remove();\n        jQuery(mainContentMetaInfo).append(tdPostRanksHtml);\n    }\n}\n});*\/\n<\/script><span>\u00a9 Source: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/nobelpreis-fuer-deutschen-mathematiker-peter-scholze-gewinnt-fields-preis\/22869906.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/nobelpreis-fuer-deutschen-mathematiker-peter-scholze-gewinnt-fields-preis\/22869906.html<\/a><br \/>\nAll rights are reserved and belongs to a source media.<\/span><\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").remove();});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der in Bonn forschende Mathematiker Peter Scholze wurde mit der renommierten Fields-Medaille ausgezeichnet. 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