<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":1969220,"date":"2021-08-17T04:00:00","date_gmt":"2021-08-17T02:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=1969220"},"modified":"2021-08-17T05:06:21","modified_gmt":"2021-08-17T03:06:21","slug":"deutsche-evakuierung-aus-afghanistan-in-der-kritik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/ru\/2021\/08\/deutsche-evakuierung-aus-afghanistan-in-der-kritik\/","title":{"rendered":"Deutsche Evakuierung aus Afghanistan in der Kritik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kanzlerin Merkel zieht eine bittere Bilanz des Einsatzes am Hindukusch.\u00a0Nach der Macht\u00fcbernahme der Taliban in Kabul bringt Deutschland die eigenen Staatsb\u00fcrger ausser Landes. Die Bundeswehr will aber auch bis zu 10\u2005000 Afghanen ausfliegen.<\/b><br \/>\nKanzlerin Merkel zieht eine bittere Bilanz des Einsatzes am Hindukusch. Nach der Macht\u00fcbernahme der Taliban in Kabul bringt Deutschland die eigenen Staatsb\u00fcrger ausser Landes. Die Bundeswehr will aber auch bis zu 10 000 Afghanen ausfliegen. Ein Bundeswehr-Airbus startet am Montagmorgen von einer deutschen Luftwaffenbasis Richtung Afghanistan. In ungew\u00f6hnlicher Offenheit hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zum internationalen Milit\u00e4reinsatz in Afghanistan ge\u00e4ussert. Jenseits der Terror-Bek\u00e4mpfung sei alles \u00abnicht so gegl\u00fcckt und nicht so geschafft worden, wie wir uns das vorgenommen haben\u00bb, sagte sie am Montagabend. Die Macht\u00fcbernahme der Taliban bezeichnete Merkel \u00abals \u00fcberaus bittere Entwicklung\u00bb und f\u00fcgte hinzu: \u00abBitter, dramatisch und furchtbar ist diese Entwicklung nat\u00fcrlich f\u00fcr die Menschen in Afghanistan.\u00bb Die afghanische Armee habe \u00abaus welchen Gr\u00fcnden auch immer\u00bb kaum oder keinen Widerstand gegen die Taliban geleistet. Genauso wie viele andere westliche Staaten habe Deutschland die Entwicklung falsch eingesch\u00e4tzt, sagte Merkel. Sie schloss sich mit dieser Bewertung Aussenminister Heiko Maas an, der ebenfalls Fehler einr\u00e4umte. Die Gesamtzahl deutscher Staatsb\u00fcrger, die bis Sonntag noch in Kabul waren, wurde auf mehr als hundert gesch\u00e4tzt. Gr\u00f6ssere Gefahr als dem diplomatischen Personal droht allerdings den sogenannten Ortskr\u00e4ften, welche die Bundeswehr und Entwicklungshelfer bei ihrem Einsatz in Afghanistan unterst\u00fctzt haben; zum Beispiel als Dolmetscher oder K\u00fcchenhelfer. Wie viele dieser afghanischen Hilfskr\u00e4fte nach Deutschland fliehen wollen, ist unklar. Es handelt sich laut mehreren Quellen um eine Zahl im vierstelligen Bereich. Allein in der staatlichen Entwicklungshilfe waren j\u00fcngst noch 1100 Afghanen im Auftrag Deutschlands t\u00e4tig. Hinzu kommen Tausende ehemalige Ortskr\u00e4fte der Bundeswehr oder der Bundesministerien. Erste deutsche Maschine nach langem Warten gelandet Wie viele Ortskr\u00e4fte Deutschland noch auf dem Luftweg aus Afghanistan herausholen kann, weiss zurzeit niemand. Der Flughafen von Kabul ist f\u00fcr viele Afghanen der letzte Ausweg aus dem B\u00fcrgerkriegsland, weil die Taliban alle grossen St\u00e4dte und die Grenz\u00fcberg\u00e4nge kontrollieren. Die Lage am Flughafen ist angespannt. Laut Augenzeugen fielen dort Sch\u00fcsse, es gibt Berichtete \u00fcber mehrere Tote. Obendrein blockierten Menschen stundenlang das Rollfeld. Eine Transportmaschine der Bundeswehr kreiste daher laut Medienberichten l\u00e4nger \u00fcber Kabul, musste aber schliesslich wegen Spritmangel abdrehen. Einer zweiten Maschine gelang dann kurz nach Mitternacht (Ortszeit) die Landung. Sie setzte Fallschirmj\u00e4ger ab, die Rettungsaktion absichern sollen, nahm auszufliegende Menschen an Bord und startete schnell wieder. \u00abMit zu Sch\u00fctzenden ist die Maschine nun auf dem Weg nach Taschkent\/Usbekistan\u00bb, teilte das Verteidigungsministerium auf Twitter mit. Nach Informationen von \u00abBild\u00bb (Online) aus Regierungskreisen waren aber nur sieben Personen von der offiziellen Ausflugsliste auf dem R\u00fcckflug an Bord, weil wegen der n\u00e4chtlichen Ausgangssperre nicht mehr zum Flughafen gebracht werden konnten. Ein dritter deutscher A400M, der f\u00fcr medizinische Transporte ausger\u00fcstet ist, sowie ein Airbus A310 MRTT starteten am Montag vom nieders\u00e4chsischen Wunstorf nach Taschkent. Dass sich die Situation in Afghanistan gef\u00e4hrlich zuspitzen w\u00fcrde, war sp\u00e4testens am Freitag klar. Die Bedrohungslage f\u00fcr das deutsche Botschaftspersonal in Kabul zeichnete sich ab \u2013 und auch die zunehmende Gefahr f\u00fcr Einheimische, die der Bundeswehr bei ihrem Einsatz in dem Land geholfen hatten. Daher verschickte Bundesinnenminister Horst Seehofer am Freitag eine Pressemitteilung, die mit den Worten endete: \u00abF\u00fcr B\u00fcrokratie ist keine Zeit, wir m\u00fcssen handeln.\u00bb Fallschirmj\u00e4ger und modernste Transportflugzeuge Dann vergingen allerdings nochmals fast drei Tage, bis am Montagmorgen die erste deutsche Milit\u00e4rmaschine in Richtung Afghanistan abhob. Damit will die Bundesregierung Staatsb\u00fcrger und afghanische Hilfskr\u00e4fte aus dem Land herausholen, in dem am Sonntag die islamistischen Taliban die Macht \u00fcbernommen haben. Drei Airbus-A400-M-Transportmaschinen der Bundeswehr sollen eine Luftbr\u00fccke bilden, um gef\u00e4hrdete Personen ins Nachbarland Usbekistan auszufliegen. Von dort soll es mit zivilen Maschinen weiter nach Deutschland gehen. Die A400-M-Flugzeuge z\u00e4hlen zu den modernsten Milit\u00e4rtransportern der Welt. Sie sind f\u00fcr den Einsatz in Kampfgebieten ausger\u00fcstet und verf\u00fcgen \u00fcber Systeme zur Abwehr von Boden-Luft-Raketen. Ausserdem k\u00f6nnen die Propellermaschinen auch auf Pisten landen, die nicht betoniert oder asphaltiert sind. Gemeinsam mit einem Grossteil der Nato-Streitkr\u00e4fte hatte die Bundeswehr Afghanistan Ende Juni verlassen, nun sichern Fallschirmj\u00e4ger der Division Schnelle Kr\u00e4fte die Rettungsaktion ab. \u00abEs ist ein gef\u00e4hrlicher Einsatz, in den wir sie jetzt schicken\u00bb, sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Botschaft zu \u2013 ein Kernteam soll aber bleiben Beim Nato-Einsatz in Afghanistan trugen die Vereinigten Staaten stets die milit\u00e4rische Hauptlast, und bei der Evakuierung ist es nicht anders: 2500 amerikanische Soldaten versuchen den Flughafen von Kabul zu sichern, k\u00f6nnen aber nicht verhindern, dass es dort zu chaotischen Szenen kommt. Weil die Maschinen aus Deutschland auf sich warten liessen, flogen in der Nacht auf Montag 40 Mitarbeiter der deutschen Botschaft mit einem amerikanischen Flugzeug ins Golfemirat Katar. An Bord waren auch vier Angeh\u00f6rige der Schweizer Botschaft. Nach Angaben von Aussenminister Maas soll ein \u00aboperatives Kernteam\u00bb der deutschen Botschaft in Kabul am milit\u00e4risch gesicherten Teil des Flughafens bleiben, um die Arbeitsf\u00e4higkeit der Botschaft zu erhalten und um weitere Evakuierungsaktionen begleiten zu k\u00f6nnen. Das Botschaftsgeb\u00e4ude der Bundesrepublik wurde geschlossen. Deutschland will \u00abm\u00f6glichst viele Menschen\u00bb ausfliegen Die Ortskr\u00e4fte f\u00fcrchten brutale Racheakte der Taliban und d\u00fcrfen daher auch enge Verwandte nach Deutschland mitnehmen. Somit kommen mit einer Hilfskraft oft vier oder f\u00fcnf Familienangeh\u00f6rige nach Deutschland. Ein Visum sollen Ortskr\u00e4fte erhalten, die ab dem Jahr 2013 f\u00fcr Deutschland t\u00e4tig waren und zuvor schon einmal auf ihre Gef\u00e4hrdung hingewiesen haben. Laut dem Nachrichtensender NTV hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag in einer internen Sitzung gesagt, Deutschland werde in diesem Kontext insgesamt etwa 10 000 Afghanen aufnehmen. Man habe 2500 Ortskr\u00e4fte identifiziert. Bei 600 Personen wisse man derzeit nicht, ob sie bereits in Drittstaaten seien. Weitere 2000 Personen, wie Menschenrechtler oder Anw\u00e4lte, wolle man auch in Deutschland aufnehmen. Kramp-Karrenbauer sagte, das Ziel sei, \u00abm\u00f6glichst viele Menschen\u00bb aus Afghanistan herauszubringen. Das Mandat f\u00fcr die Rettungsaktion soll in der Kabinettssitzung am Mittwoch beschlossen werden. In der darauffolgenden Woche d\u00fcrfte dann der Bundestag dar\u00fcber beraten und entscheiden. Der Einsatz ben\u00f6tigt eine nachtr\u00e4gliche Legitimation, weil die Bundeswehr eine sogenannte Parlamentsarmee ist und Auslandseins\u00e4tze grunds\u00e4tzlich ein Mandat brauchen. Am Tempo der Evakuierungsaktion gibt es Kritik aus der Opposition. Der FDP-Aussenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff sagte gegen\u00fcber der \u00abWelt\u00bb, Maas, Kramp-Karrenbauer und Innenminister Horst Seehofer h\u00e4tten \u00abauf ganzer Linie versagt\u00bb. Auch f\u00fcr den Gr\u00fcnen-Fraktionschef Anton Hofreiter ist die Aktion zu sp\u00e4t angelaufen: \u00abMan muss sich fragen, warum die Bundesregierung so \u00fcberrascht wirkt vom schnellen Vorstoss der Taliban.\u00bb Die Regierung m\u00fcsse jetzt ganz schnell handeln. Der Fraktionsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Linken im Bundestag, Jan Korte, nannte das Agieren vor allem von Aussenminister Maas \u00abskandal\u00f6s\u00bb. Bundeswehr schon am Samstag startklar? Laut einem Bericht der \u00abBild\u00bb w\u00e4ren die schweren Transportmaschinen der Bundeswehr schon am Samstagabend einsatzbereit gewesen. Auch rund 200 Fallschirmj\u00e4ger h\u00e4tten bereitgestanden. Das Blatt zitierte einen nicht namentlich genannten Offizier, der die Schuld f\u00fcr die Verz\u00f6gerung beim Aussenministerium sieht. Am Montagabend sagte auch der FDP-Bundestagsabgeordnete und Verteidigungspolitiker Markus Faber, die Bundeswehr sei seit Samstag bereit f\u00fcr den Einsatz gewesen. Er forderte wegen der Verz\u00f6gerung den R\u00fccktritt von Maas und Kramp-Karrenbauer. Vor ihrer Ausreise nach Deutschland brauchen die afghanischen Ortskr\u00e4fte ein Visum. Wegen der schlechten Sicherheitslage im Land konnte dies letzthin ausschliesslich in Kabul beantragt werden. Zudem unterzieht Deutschland die Ortskr\u00e4fte einer Sicherheitspr\u00fcfung, weil die Bundesregierung verhindern will, dass wom\u00f6glich Islamisten nach Deutschland kommen. Ausschaffen k\u00f6nnte man diese nicht mehr, da die Bundesregierung Abschiebungen nach Afghanistan vergangene Woche ausgesetzt hat. Dass sie unter einem Taliban-Regime wieder aufgenommen werden, ist unwahrscheinlich. Merkels Worte bewirkten wenig Die Gr\u00fcnen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wies auf einen Antrag ihrer Partei hin, die schon im Juni gefordert hatte, die Ortskr\u00e4fte rasch in Deutschland aufzunehmen. Im Juli hatte dann Kanzlerin Merkel gesagt: \u00abIch m\u00f6chte, dass wir hier denen, die uns sehr stark geholfen haben, auch wirklich einen Ausweg geben.\u00bb Dieser Aussage folgte aber kein entschlossenes Handeln. Die menschenrechtspolitischen Sprecher von Union, SPD, Gr\u00fcnen und FDP kritisierten die Bundesregierung daher Anfang August deutlich. 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