<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-united-states-mix-in-english-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":1996344,"date":"2021-09-24T21:46:00","date_gmt":"2021-09-24T19:46:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=1996344"},"modified":"2021-09-24T23:11:25","modified_gmt":"2021-09-24T21:11:25","slug":"afghanistan-wie-die-taliban-regierung-frauen-verstummen-lasst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/ru\/2021\/09\/afghanistan-wie-die-taliban-regierung-frauen-verstummen-lasst\/","title":{"rendered":"Afghanistan: Wie die Taliban-Regierung Frauen verstummen l\u00e4sst"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>In der Taliban-Regierung haben Frauen nichts zu melden. Vom \u00f6ffentlichen Dienst sind sie weitestgehend ausgeschlossen. Viele M\u00e4dchen d\u00fcrfen nicht zur Schule gehen. Die Ausgrenzung soll nicht von Dauer sein \u2013 doch das Misstrauen sitzt tief.<\/b><br \/>\nIn der Taliban-Regierung haben Frauen nichts zu sagen. Vom \u00f6ffentlichen Dienst sind sie weitestgehend ausgeschlossen. Die Ausgrenzung soll nicht von Dauer sein \u2013 doch das Misstrauen sitzt tief. Sara Seerat hatte einen tollen Job und gro\u00dfe Ziele, beides wurde durch die Macht\u00fcbernahme der Taliban zunichte gemacht. Die 27-J\u00e4hrige war leitende Beraterin im Frauenministerium in Kabul, eine ihrer Aufgaben: Den Frauenanteil in afghanischen Beh\u00f6rden zu erh\u00f6hen. Die Taliban haben diesen Anteil derzeit nicht nur auf nahe Null gedr\u00fcckt, sondern auch das Frauenministerium abgeschafft. In dem Geb\u00e4ude haben sie ausgerechnet das Ministerium zur Erhaltung der Tugend und Unterdr\u00fcckung des Lasters wiederauferstehen lassen \u2013 dessen Religionspolizei w\u00e4hrend des ersten Taliban-Regimes 1996 bis 2001 ber\u00fcchtigt f\u00fcr die brutale Unterdr\u00fcckung von Frauen war. Ihre einstige Arbeitsst\u00e4tte sei &#171;von einem Frauenministerium zu einem Ministerium hundert Prozent gegen Frauen&#187; gemacht worden, kritisiert Seerat. &#171;Der Wechsel ist eine Botschaft, um Frauen verstummen zu lassen.&#187; Sie selbst setze sich seit ihrer Jugend f\u00fcr Frauenrechte ein, am liebsten w\u00e4re sie an ihrer einstigen Wirkungsst\u00e4tte nach ganz oben aufgestiegen: Frauenministerin sei ihr &#171;riesiger Traum&#187; gewesen, auf den sie seit Langem hingearbeitet habe. &#171;Jetzt f\u00fchle ich mich machtlos.&#187; Auch die Tr\u00e4ume vieler anderer M\u00e4dchen, die beispielsweise von ihrer Karriere inspiriert gewesen seien, seien nun zerbrochen. Die Taliban bem\u00fchen sich seit ihrer Macht\u00fcbernahme Mitte vergangenen Monats um internationale Akzeptanz. Besonders mit ihrer Frauenpolitik, die diesen Namen nicht verdient, sorgen sie aber f\u00fcr heftige Kritik. Der UN-Sicherheitsrat mahnte erst vor wenigen Tagen die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen im \u00f6ffentlichen Leben in Afghanistan an. Die von den Taliban angestrebte Anerkennung durch westliche Staaten und vor allem die damit verbundenen Hilfsgelder d\u00fcrften f\u00fcr die Islamisten unerreichbar bleiben, wenn sie Frauen weiterhin so ausgrenzen wie in ihren ersten Wochen an der Macht. In ihrer \u00dcbergangsregierung haben die Taliban bislang 47 Kabinetts- und andere Posten vergeben, keinen davon hat eine Frau bekommen. Auf Anordnung der Islamisten m\u00fcssen die allermeisten Frauen vor allem im \u00f6ffentlichen Dienst bis auf Weiteres ihren Jobs fernbleiben, es gibt nur wenige Ausnahmen etwa im medizinischen Bereich oder im Bildungswesen. In den Schulen k\u00f6nnen Jungen und M\u00e4dchen die Klassen eins bis sechs besuchen, in denen auch Lehrerinnen unterrichten d\u00fcrfen. F\u00fcr Jungen in den Klassen sieben bis zw\u00f6lf hat am vergangenen Samstag die Schule wieder begonnen. Sch\u00fclerinnen und Lehrerinnen dieser Klassen m\u00fcssen dagegen auf unbestimmte Zeit zu Hause bleiben. Die Direktorin einer M\u00e4dchenschule in Kabul sagt, sie habe die entsprechende Anweisung bei einem Treffen im Bildungsministerium m\u00fcndlich bekommen. &#171;Den Grund kenne ich nicht.&#187; Auch das ist symptomatisch f\u00fcr das Chaos der ersten Taliban-Wochen: Schriftliche Anordnungen gibt es oft nicht, vieles bleibt vage und unklar. Kaum jemand kann beispielsweise verl\u00e4sslich Auskunft dar\u00fcber geben, welche Jobs Frauen derzeit noch aus\u00fcben d\u00fcrfen. Eine Lehrerin einer zehnten Klasse sagt: &#171;Wir wollen unterrichten.&#187; Die Lage sei frustrierend. Sch\u00fclerinnen riefen an und fragten, wann es endlich wieder so weit sei. &#171;Das Abwarten ist nicht einfach, weil es kein Datum gibt.&#187; Die gro\u00dfe Sorge: Dass es dieses Datum f\u00fcr eine R\u00fcckkehr nie geben wird. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid versucht, solchen Bedenken entgegenzutreten. Er l\u00e4sst bei einer Pressekonferenz in Kabul die M\u00f6glichkeit offen, dass irgendwann auch Frauen dem Kabinett angeh\u00f6ren k\u00f6nnten. Die Regierung arbeite au\u00dferdem an Pl\u00e4nen, wie M\u00e4dchen und Frauen sicher wieder zur Schule oder zum Arbeitsplatz gehen k\u00f6nnten, sagt er \u2013 unter Ber\u00fccksichtigung der Scharia, des islamischen Rechts, das die Taliban extrem strikt auslegen. Wie diese Pl\u00e4ne aussehen und wann sie umgesetzt werden k\u00f6nnten, l\u00e4sst Mudschahid allerdings offen. Ob damit eher in Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren zu rechnen sei? &#171;Wir k\u00f6nnen kein Datum nennen, aber diese Angelegenheit wird in der nahen Zukunft gel\u00f6st werden, so Gott will.&#187; Die Frauenaktivistin Roschan Sirran traut den Islamisten nicht. &#171;Bei Frauen- und Bildungsthemen haben sich die Taliban nicht ge\u00e4ndert&#187;, glaubt die pensionierte Lehrerin. Die 67-J\u00e4hrige erinnert sich noch daran, wie die Taliban zu Beginn ihrer Schreckensherrschaft im Jahr 1996 Lehrerinnen und Sch\u00fclerinnen nach Hause schickten, und zwar bis zu einer weiteren Ank\u00fcndigung. &#171;Diese Ank\u00fcndigung ist nie gekommen.&#187; Sie glaube dennoch nicht, dass die Taliban die extremsten Ausw\u00fcchse der damaligen Zeit wiederholen w\u00fcrden, beispielsweise Steinigungen von Ehebrecherinnen. Eine beinahe totale internationale Isolierung wie damals wollten die Taliban schlie\u00dflich vermeiden. Aktivistin Sara Seerat hat in ihrer Heimatprovinz Kapisa protestiert, als klar war, dass keine Frau an der \u00dcbergangsregierung beteiligt w\u00fcrde. Die Demonstration sei von Taliban-K\u00e4mpfern gewaltsam aufgel\u00f6st worden, sagt sie. Dennoch: Frauen seien es, die sich gegen die Islamisten erheben w\u00fcrden. Auch in Kabul kam es zu Protesten, unter anderem vor dem ehemaligen Frauenministerium. Dass die Taliban Reportern inzwischen verbieten, &#171;illegale Demonstrationen&#187; zu filmen, mag auf eine gewisse Verunsicherung hindeuten. &#171;Die Taliban merken, dass wir nicht mehr wie die Frauen in den 1990ern sind&#187;, sagt Seerat. &#171;Wir sind der Internationalen Gemeinschaft sehr dankbar, dass sie besonders uns Frauen unterst\u00fctzt hat. Aber wir bitten, nein, wir fordern, dass sie diese Regierung niemals anerkennt oder unterst\u00fctzt, solange darin keine Frauen sind.&#187; Die Staatengemeinschaft m\u00fcsse darauf bestehen, dass Frauen, aber auch alle ethnischen Gruppierungen des Landes repr\u00e4sentiert seien. Seerat glaubt, dass die Taliban-Regierung nicht lange im Amt \u00fcberleben wird \u2013 wegen ihrer Zusammensetzung, aber auch wegen der wachsenden wirtschaftlichen Probleme. Abwarten m\u00f6chte sie nicht. Seerat will Afghanistan verlassen, am liebsten w\u00fcrde sie nach Kanada oder Deutschland gehen. &#171;Ich habe genug geopfert&#187;, sagt sie. &#171;Ich glaube nicht, dass ich in diesem Land noch einen Platz habe.&#187;<\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\".vc_icon_element-icon\").css(\"top\", \"0px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").css(\"height\", \"10px\");});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Taliban-Regierung haben Frauen nichts zu melden. Vom \u00f6ffentlichen Dienst sind sie weitestgehend ausgeschlossen. Viele M\u00e4dchen d\u00fcrfen nicht zur Schule gehen. Die Ausgrenzung soll nicht von Dauer sein \u2013 doch das Misstrauen sitzt tief. In der Taliban-Regierung haben Frauen nichts zu sagen. Vom \u00f6ffentlichen Dienst sind sie weitestgehend ausgeschlossen. 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