<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":430458,"date":"2017-01-27T12:15:00","date_gmt":"2017-01-27T08:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=430458"},"modified":"2017-01-27T12:06:00","modified_gmt":"2017-01-27T10:06:00","slug":"holocaust-gedenktag-gedenken-als-staatsrason","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/ru\/2017\/01\/holocaust-gedenktag-gedenken-als-staatsrason\/","title":{"rendered":"Holocaust-Gedenktag: Gedenken als Staatsr\u00e4son"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img style=\"float: left; padding: 5px;\" width=\"300px\" src=\"http:\/\/bc03.rp-online.de\/polopoly_fs\/mann-15072013-berlin-steelen-holocaust-mahnmal-1.6562873.1485452117!image\/1244941122.jpg_gen\/derivatives\/d950x950\/1244941122.jpg\" alt=\"NewsHub\" border=\"0\" \/>Ein junger Mann kniet auf dem Boden. Er jongliert mit sechs B\u00e4llen, w\u00e4hrend hinter ihm Soldaten ein Massengrab zuschaufeln. Die nackten Leichen liegen gestapelt in einem Graben, mehrere Soldaten arbeiten, einer gibt Anweisungen. Und vor ihnen: der konzentrierte Jongleur in Pluderhose. <br \/>Das ist zweifellos eine obsz\u00f6ne Szene. Das Bild verst\u00f6rt. Das soll es auch. Es ist eine Montage, die bis gestern auf der Website www.yolocaust.de zu finden war. Dort hatte der israelische Autor und Satiriker Shahak Shapira Fotos aus den Vernichtungslagern und von den Mordpl\u00e4tzen der Nationalsozialisten mit solchen von Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin zusammengeschnitten &#8212; um die deutsche Erinnerungskultur zu hinterfragen, wie er selbst sagt. &#171;Yolocaust&#187; ist ein Kunstwort aus dem jugendsprachlichen &#171;Yolo&#187; f\u00fcr &#171;You Only Live Once&#187; (&#171;Man lebt nur einmal&#187;) und &#171;Holocaust&#187;. Der Begriff ist nicht neu; unter dem Hashtag sind beim Bilderdienst Instagram mehr als 6000 Fotos zu finden. <br \/>Acht Tage lang stand Yolocaust.de online. Shapira, der seit vielen Jahren in Berlin lebt, machte seine Seite am 18. Januar zug\u00e4nglich &#8212; als in Deutschland \u00fcber die Brandrede des AfD-Politikers Bj\u00f6rn H\u00f6cke diskutiert wurde. H\u00f6cke hatte gesagt, die Deutschen seien &#171;das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat&#187;. Und Shapiras Projekt schlug ein. \u00dcber zweieinhalb Millionen Menschen haben sich die Seite angesehen, zeitweise brach sie wegen des Ansturms zusammen. <br \/>Die Bilder sind verschwunden <br \/>Auf den ersten Blick waren dort nur die Touristenfotos zu sehen, inklusive der Anzahl der &#171;Gef\u00e4llt mir&#187;-Daumen (beim Jongleur sind es 542, unter der Beschreibung &#171;Was f\u00fcr ein unglaublicher Ort&#187;). Erst wenn man mit der Maus dar\u00fcberfuhr, wurde die Montage sichtbar. Dann erschien etwa ein l\u00e4chelndes Paar vor ausgemergelten KZ-H\u00e4ftlingen. Oder eine junge Frau, sich rekelnd vor einem Berg Schuhe, die offenbar Menschen vor deren Gang in die Gaskammer abgenommen worden waren. <br \/>Am Donnerstag einen Tag vor dem Gedenktag der Bundesrepublik f\u00fcr die Opfer des Nationalsozialismus, verschwanden die Bilder. Stattdessen war eine Stellungnahme Shapiras zu lesen: Alle Abgebildeten h\u00e4tten das Angebot genutzt, ihre Fotos entfernen zu lassen. Zudem sind Reaktionen aus aller Welt zu lesen, teils lobend, teils beleidigend. Shapiras letzter Absatz geh\u00f6rt einem der Abgebildeten, der sich f\u00fcr seine Respektlosigkeit entschuldigt. <br \/>Wozu die Aufregung, mag man fragen. All die Selfie-Akrobaten haben doch nur &#8212; die meisten sicher, ohne ihn zu kennen &#8212; Gerhard Schr\u00f6der beim Wort genommen. Das Mahnmal m\u00fcsse ein Ort sein, &#171;an den man gerne geht&#187;, hatte Schr\u00f6der 2005 gesagt. Was Besucherzahlen und Stimmung angeht, hat sich Schr\u00f6ders Wunsch erf\u00fcllt. Politisch ist er absurd. Gern kann man am Holocaust-Mahnmal nur sein, wenn man sich gern schlecht f\u00fchlt &#8212; oder wenn man den Zweck des Orts ausblendet und das Stelenfeld zum Abenteuerspielplatz erkl\u00e4rt. Das ist bestenfalls gedankenlos, und Yolocaust.de hat uns das schmerzlich vor Augen gef\u00fchrt. <br \/>Das Holocaust-Mahnmal, offiziell &#171;Denkmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas&#187;, ist notwendigerweise ein neuralgischer Punkt, ein Schmerzherd. Denn der Holocaust ist Kern des Selbstverst\u00e4ndnisses der Bundesrepublik; das Gedenken daran ist ihre Staatsr\u00e4son. Daher ist es nur folgerichtig, dass das Mahnmal so zentral in der Hauptstadt liegt, direkt am Brandenburger Tor. &#171;Wir wollen Lehren ziehen, die auch k\u00fcnftigen Generationen Orientierung sind&#187; &#8212; so begr\u00fcndete Bundespr\u00e4sident Roman Herzog 1996, dass er den 27. Januar, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, als Gedenktag proklamiert hatte. Ohne Auschwitz gebe es keine deutsche Identit\u00e4t, f\u00fcgte sein Nachfolger Joachim Gauck 2015 hinzu. <br \/>Man kann nicht sagen, dass das Volk davon \u00fcberzeugt w\u00e4re. Seit Jahrzehnten stellen Demoskopen bei einer Mehrheit den Wunsch fest, einen Schlussstrich zu ziehen; die Zustimmung zu der entsprechenden Frage schwankt etwa zwischen der H\u00e4lfte und zwei Dritteln. <br \/>&#171;Nie wieder! &#187; <br \/>Das &#171;Nie wieder! &#187; f\u00fchrt die Bundesrepublik wie ein unsichtbares Motto. Und dennoch steht im Jahr 2017 dieses Motto so sehr infrage wie noch nie seit ihrer Gr\u00fcndung. Das liegt nicht daran, dass der Anteil der Schlussstrich-Bef\u00fcrworter pl\u00f6tzlich gewachsen w\u00e4re. Zwei andere Ph\u00e4nomene haben alles ver\u00e4ndert. Ein seit Langem absehbares: Die Generation der Zeitzeugen verschwindet. Und ein neuartiges, unerh\u00f6rtes: Es gibt erstmals eine politisch bedeutsame Partei, n\u00e4mlich die AfD, die den Konsens offen anzweifelt, dass das Selbstverst\u00e4ndnis dieses Staates aus dem Gedenken an deutsche Schuld erw\u00e4chst. <br \/>H\u00f6cke forderte eine &#171;erinnerungspolitische Wende um 180 Grad&#187;. Und dann war da eben noch das &#171;Denkmal der Schande&#187;. Das ist keineswegs offenes NS-Gedankengut, wenn es auch von H\u00f6cke nicht weit ist zum neonazistischen Schlagwort des &#171;Schuldkults&#187;. Aber es ist eindeutig zweideutig &#8212; gedenken wir der Schande? Oder ist das Denkmal eine Schande? Die AfD hat den fortgesetzten Grenzgang, die historische Doppeldeutigkeit zum Prinzip erhoben. Sie hat das sogar in ein Strategiepapier geschrieben, \u00fcber das diese Woche die &#171;Frankfurter Allgemeine&#187; berichtete. H\u00f6ckes Rede war die gewohnte Kriegserkl\u00e4rung an das angebliche Kartell der &#171;Altparteien&#187;, nun eben auch auf dem Feld der Geschichtspolitik. <br \/>&#171;Historisches Fundament&#187; <br \/>Ja, &#171;Spiegel&#187;-Herausgeber Rudolf Augstein (&#171;dieses Schandmal&#187;) und Schriftsteller Martin Walser (&#171;Dauerpr\u00e4sentation unserer Schande&#187;) haben ganz \u00e4hnliche Worte verwendet wie nun H\u00f6cke. Was folgte, war zum Beispiel bei Walser allerdings eher ein \u00f6ffentliches intellektuelles Fachgespr\u00e4ch als eine politische Debatte, die Massen anr\u00fchrt. Seit die AfD am Konsens r\u00fchrt, ist das anders. Die Partei will mit dem historischen Tabubruch popul\u00e4r werden, und sie droht den historischen Tabubruch damit popul\u00e4r zu machen. <br \/>Die Bundesrepublik wird ihr historisches Fundament in den n\u00e4chsten Jahren und Jahrzehnten \u00fcberarbeiten m\u00fcssen. Gedenkst\u00e4tten wie das Holocaust-Mahnmal, wie Buchenwald und Auschwitz werden dabei wichtiger sein als je zuvor. Schuldig ist von den heute lebenden Deutschen fast niemand mehr. Dennoch und deshalb ist es eben nicht vorbei mit dem Erinnern an deutsche Schuld, jetzt, da der Nationalsozialismus hinter dem Horizont der Zeitgenossenschaft verschwindet. <br \/>Es f\u00e4ngt ganz neu an.<\/p>\n<div id=\"td_post_ranks\" class=\"td-post-comments\" style=\"vertical-align: middle;\">\n<div style=\"float: left;\">\nSimilarity rank: 2.1\n<\/div>\n<\/div>\n<p><script>\njQuery(function() {\nvar mainContentMetaInfo = '.td-post-header .meta-info';\nvar tdPostRanks = '#td_post_ranks';\nif (jQuery(tdPostRanks).length) {\n    var tdPostRanksHtml = jQuery(tdPostRanks).get(0).outerHTML;\n    if (typeof tdPostRanksHtml != 'undefined') {\n        jQuery(tdPostRanks).remove();\n        jQuery(mainContentMetaInfo).append(tdPostRanksHtml);\n    }\n}\n});\n<\/script><span>&copy; Source: <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/politik\/deutschland\/holocaust-gedenktag-gedenken-als-staatsraeson-aid-1.6562723\" target=\"_blank\">http:\/\/www.rp-online.de\/politik\/deutschland\/holocaust-gedenktag-gedenken-als-staatsraeson-aid-1.6562723<\/a><br \/>All rights are reserved and belongs to a source media.<\/span><\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").remove();});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein junger Mann kniet auf dem Boden. 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