<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":531513,"date":"2017-05-15T02:16:00","date_gmt":"2017-05-15T00:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=531513"},"modified":"2017-05-15T05:03:40","modified_gmt":"2017-05-15T03:03:40","slug":"nordrhein-westfalen-und-der-bund-schulz-debakel-ist-merkels-erfolg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/ru\/2017\/05\/nordrhein-westfalen-und-der-bund-schulz-debakel-ist-merkels-erfolg\/","title":{"rendered":"Nordrhein-Westfalen und der Bund: Schulz&#039; Debakel ist Merkels Erfolg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Herzkammer? Ist jetzt Geschichte. Die SPD hat vieles falsch gemacht &#8212; nicht nur in Nordrhein-Westfalen. Ihr Parteichef will einen Neustart am Montag. Doch der Vorsprung der Kanzlerin w\u00e4chst.<\/b><br \/>\nN\u00e4chstes Jahr machen sie Prosper Haniel dicht. Noch fahren die Kumpel ein im Bottroper Norden; noch brechen Mei\u00dfel die schwarzgl\u00e4nzende Steinkohle aus dem Fl\u00f6z tausend Meter unter Tage, vor Ort, dort wo es staubig und hei\u00df hergeht. Aber n\u00e4chstes Jahr ist der Bergbau im Ruhrgebiet Geschichte, und seine Spezialbegriffe werden zu Floskeln herabsinken, deren Ursprung bald keiner mehr kennt. Nur die Sozialdemokraten werden weiter auf ihren Parteitagen aufstehen und singen, dass der Steiger kommt. Vielleicht steckt doch mehr dahinter als ein Zufall bei dem, was da gerade passiert in Nordrhein-Westfalen mit der Zeche Prosper und mit der SPD.<br \/>Hannelore Kraft ist wachswei\u00df im Gesicht, als sie in D\u00fcsseldorf auf die Trib\u00fcne steigt. \u201eDas ist kein guter Tag f\u00fcr die Sozialdemokraten in Nordrhein-Westfalen\u201c, sagt sie. Kraft muss damit gerechnet haben, dass sie nach diesem Sonntag nicht mehr Ministerpr\u00e4sidentin sein wird. Aber derart brutal vom W\u00e4hler vom Hof gejagt&#8230;<br \/>Ihr bleibt jetzt nur ein letzter Dienst f\u00fcr die Partei und f\u00fcr den Mann, auf dem deren ganze Hoffnung ruht. Sie muss die Schuld auf sich nehmen. Ja, sie war es, die Bundespolitiker gebeten hat, sich rauszuhalten aus diesem Wahlkampf. Sie hat geglaubt, dass sie das gr\u00f6\u00dfte Bundesland ganz alleine verteidigen kann. \u201eEs hat nicht gereicht\u201c, sagt Kraft. Dann tritt sie von allen \u00c4mter zur\u00fcck, Landesvorsitz, stellvertretender Bundesvorsitz, mit sofortiger Wirkung, \u201eGl\u00fcck auf\u201c.<br \/>Im Foyer des Willy-Brandt-Hauses in Berlin brandet genau in diesem Moment Beifall auf. Es ist der erste des Abends, ein leicht absurder Applaus f\u00fcr die Frau auf den gro\u00dfen Fernsehschirmen; aber irgendwie m\u00fcssen sie dem Frust und dem Entsetzen ja Luft verschaffen. Sehr still und starr war es in der SPD-Zentrale, als um 18 Uhr auf den gleichen Bildschirmen die Prognose f\u00fcr die Landtagswahl zu sehen war. 34,5 Prozent f\u00fcr die CDU. 30,5 Prozent f\u00fcr die SPD.<br \/>Gequ\u00e4ltes Aufst\u00f6hnen, leere Gesichter; viele sch\u00fctteln nur stumm den Kopf. Das ist das schlechteste Ergebnis der gesamten Landesgeschichte seit 1947. Vier Jahrzehnte haben sie regiert, mit nur einer kurzen Unterbrechung. \u201eHerzkammer der Sozialdemokratie\u201c nennen sie selbst das Land an der Ruhr, wo fr\u00fcher die Schlote rauchten und der Himmel nachts kilometerweit rot aufgl\u00fchte beim Hochofenabstich. Ist jetzt Geschichte.<br \/>Ein paar Kilometer weiter im Konrad-Adenauer-Haus geben sich derweil die Wahlsieger die Mikrofone in die Hand. Als erster taucht Daniel G\u00fcnther im Foyer auf und verk\u00fcndet zeitgem\u00e4\u00dfe Wahrheiten. \u201eWir haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen\u201c, sagt der neue CDU-Star aus Kiel, und dass ansonsten die Parteifreunde in NRW mit dem gleichen Rezept Erfolg gehabt h\u00e4tten wie er selbst in Schleswig-Holstein: die richtigen Landesthemen, um der Regierung einzuheizen, und der R\u00fcckenwind aus Berlin, der habe nat\u00fcrlich auch geholfen.<br \/>Als n\u00e4chste steht Annegret Kramp-Karrenbauer vor den Kameras. \u201eWir haben bewiesen: Wenn wir geschlossen k\u00e4mpfen, k\u00f6nnen wir Wahlen gewinnen\u201c, sagt die Frau von der Saar, mit deren Triumph die CDU-Siegesserie begann. Und das sei nat\u00fcrlich auch ein Erfolg \u201evon und f\u00fcr Angela Merkel\u201c.<br \/>W\u00e4hrend sie das sagt, erscheint hinter ihr auf dem Bildschirm der Dritte im Bunde. \u201eDas ist ein guter Tag f\u00fcr Nordrhein-Westfalen\u201c, h\u00f6rt man Armin Laschet sagen, und dann tost der Jubel in D\u00fcsseldorf aus den Fernsehlautsprechern bis nach Berlin.<br \/>Die CDU hat schon manchen unerwarteten Wahlsieger erlebt. Laschet galt bis vor kurzem als nachgerade unwahrscheinlich. Aber der joviale Rheinl\u00e4nder hat alles richtig gemacht in diesem Wahlkampf und seine Gegnerin ziemlich viel falsch. Kraft hat sich \u00fcber- und den Angreifer untersch\u00e4tzt; so kommt dann eins zum anderen. \u201eGegen die Schlusslicht-Kampagne hat die Kraft einfach nichts setzen k\u00f6nnen\u201c, sagt ein CDU-Funktion\u00e4r. Laschet hat in seinen Wahlreden dauernd vorgerechnet, dass NRW \u00fcberall Schlusslicht sei, speziell beim Kampf gegen Einbrecher und solche wie den Terroristen Anis Amri. Kraft kam aus der Defensive nie richtig raus.<br \/>Jetzt wird der kleine Armin Laschet aus Aachen also Ministerpr\u00e4sident; der \u201eT\u00fcrken-Laschet\u201c, wie sie ihn absch\u00e4tzig in der Zeit als Integrationsminister in der Regierung von J\u00fcrgen R\u00fcttgers von 2005 bis 2010 nannten. Sch\u00f6ner konnte es f\u00fcr Angela Merkel wirklich nicht kommen. Laschet stand in der Fl\u00fcchtlingskrise fest an ihrer Seite, so wie Kramp-Karrenbauer.<br \/>In der CDU haben sich gerade ein paar Gewichte verschoben. Nur in einem ist Laschet der Alte geblieben: Ganz glatt ist bei ihm nichts verlaufen, auch diesmal nicht. Am Abend muss er noch um sein Mandat im eigenen Wahlkreis zittern. Ohne Mandat kein Ministerpr\u00e4sident, das steht so in der Landesverfassung. Am Ende reicht es knapp. Notfalls h\u00e4tte jemand verzichten m\u00fcssen, damit er per Landesliste in den Landtag kommt. Aber das bleiben doch vergleichsweise Kleinigkeiten. \u201eDas ist ein toller Tag f\u00fcr die CDU\u201c, ruft Generalsekret\u00e4r Peter Tauber und beschlie\u00dft seine kurze Ansprache mit einem forschen \u201eHurra!\u201c<br \/>Dr\u00fcben bei der SPD muss Ralf Stegner als erster vor die Kameras. Der SPD-Bundesvize hat inzwischen Erfahrung mit der Kommentierung von Niederlagen. Der Tiefschlag vor einer Woche in Schleswig-Holstein traf ihn als Landesvorsitzenden direkt. Der Tiefschlag an der Ruhr ist aber von ganz anderer Wucht. \u201eDer Boxer SPD hat einen Leberhaken bekommen\u201c, sagt Stegner und sieht dabei derart zerknautscht drein, dass man unwillk\u00fcrlich denkt, der Mann hat das Ding pers\u00f6nlich abbekommen. \u201eAber er steht noch\u201c, f\u00e4hrt Stegner fort. Ob die Betonung auf dem Stehen liegt oder dem \u201enoch\u201c, l\u00e4sst sich nicht ohne Weiteres ausmachen.<br \/>Unten im Foyer beginnt die taktische Schadensbegrenzung. Verpasst in D\u00fcsseldorf die Linke die F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde? Dann langt es da f\u00fcr Schwarz-Gelb. \u201eGanz klar, alles w\u00e4re besser, als wenn wir den Juniorpartner in einer CDU-gef\u00fchrten NRW-Regierung geben m\u00fcssten\u201c, sagt einer aus dem Parteivorstand. \u201eDenn das w\u00e4re ein fatales Signal f\u00fcr die Bundestagswahl.\u201c Es s\u00e4he n\u00e4mlich aus wie eine Voraussage f\u00fcr den Mann, auf den sie alle ihre Hoffnung werfen.<br \/>Kraft ist kaum von den Bildschirmen verschwunden, da entert Martin Schulz mit schnellen Schritten die B\u00fchne. Nun klatschen sie zum zweiten Mal. Es klingt trotzig: Jetzt erst recht. \u201eLiebe Genossinnen und Genossen\u2026\u201c, beginnt der Parteichef, dann muss er sich unterbrechen: die Stimme. Schulz kann sich nicht gut verstellen. Er r\u00e4uspert sich h\u00f6rbar, dann erst geht es weiter: \u201e \u2026 liebe G\u00e4ste!\u201c<br \/>So hatte er sich das nun wirklich nicht vorgestellt, als er erst Kanzlerkandidat der SPD wurde und dann f\u00fcr ein paar rauschhafte Wochen ihr Abgott. Diesmal h\u00e4lt niemand Plakate mit Sinnspr\u00fcchen in die Luft wie \u201eJetzt ist Schulz\u201c oder dergleichen. \u201eEs ist ein schwerer Tag f\u00fcr die SPD und f\u00fcr mich selbst\u201c, sagt er. \u201eIch stamme aus dem Land, in dem wir eine krachende Wahlniederlage erlitten haben.\u201c Hannelore Kraft habe \u201ewie eine L\u00f6win\u201c gek\u00e4mpft, \u201ebis zur Selbstaufgabe\u201c. \u00dcber Krafts Fehler redet er nicht, das hat sie mit ihrem R\u00fcckzug zur gro\u00dfen Erleichterung vieler im SPD-F\u00fchrungsteam ja dankenswerterweise selbst erledigt.<br \/>Aber waren es nur Krafts Fehler? Schulz r\u00e4umt ein, dass sich wohl Dinge \u00e4ndern m\u00fcssen. Anfangs die \u201e\u00dcberpr\u00e4senz von mir in den Medien\u201c, wie er die Martin-Festspiele in einem Fernsehinterview nennt, dann folgte lange nichts&#8230; \u201eWir werden auf jeden Fall unser Programm konkretisieren.\u201c Und ja, Gerechtigkeit sei wichtig, aber Innovation schon auch. Andere Genossen werden deutlicher, wenn auch nur abseits der Kameras. Von \u201eeiner Phase der L\u00e4hmung und Nicht-Positionierung\u201c spricht ein Sozialdemokrat im Foyer des Willy-Brandt- Hauses, die nun \u201eganz schnell vor\u00fcbergehen\u201c m\u00fcsse. \u201eAb morgen muss inhaltlich ein Feuerwerk auf das andere folgen.\u201c<br \/>Nur \u2013 wie z\u00fcnden, und wo? Schulz hat kein Amt, jeder Auftritt muss f\u00fcr ihn in Szene gesetzt werden und sieht dann schnell nach Inszenierung aus. Und apropos Feuerwerk: H\u00e4tte man den Schulz-Hype, diesen manischen Jubel f\u00fcr den sozialdemokratischen Erl\u00f6ser aus W\u00fcrselen, nicht wenigstens bremsen sollen? War der harte Aufprall in der Realit\u00e4t nicht absehbar? Ist das Team um Martin Schulz richtig zusammengesetzt, in dem niemand Erfahrung in der Organisation von Bundestagswahlk\u00e4mpfen mitbringt? Und war Schulz klug beraten, als er Krafts Dr\u00e4ngen nachgab, sich zur\u00fcckzuhalten \u2013 was, weil es mit der Niederlage an der Saar zusammenfiel, f\u00fcr das breite Publikum doch geradezu zwangsl\u00e4ufig nach fr\u00fchzeitiger Resignation aussehen musste? Plan A mit dem Durchmarsch misslungen, kein Plan B in der Tasche?<br \/>Die Bilanz des Kanzlerkandidaten nach dreieinhalb Monaten jedenfalls ist vernichtend: Drei Landtagswahlen verloren, Selbstzweifel in der Mannschaft, handwerkliche Fehler gemacht, die Augenh\u00f6he zur Kanzlerin verloren. Am Montag soll der Parteivorstand \u00fcber einen Neustart reden und \u00fcber Programmbausteine. \u201eJetzt brauchen wir 100 Prozent Schulz und drei, vier Themen, die er stark machen muss\u201c, sagt ein Vorstandsmitglied .<br \/>An Aufgeben denkt keiner, Schulz selbst auch nicht. Stegners Leberhaken-Bild gef\u00e4llt ihm. \u201eStramm im Ring, wie wir nun einmal sind, geht es nun in die letzte und entscheidende Runde, und am Ende wollen wir mal sehen, wem der Ringrichter, das sind die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler, den Arm hebt.\u201c Das ist ein langer Satz, viel l\u00e4nger als das schlichte \u201eIch will Bundeskanzler werden\u201c vor ein paar Wochen.<br \/>Denn den Leberhaken abgekriegt hat ja, um im schiefen Bild zu bleiben, die Herzkammer der Sozialdemokratie. Als das letzte Mal passierte, hat Gerhard Schr\u00f6der vor Schreck Neuwahlen angesetzt. Vielleicht muss man sich daran noch einmal erinnern, um das Ausma\u00df der Katastrophe zu ermessen. NRW, das ist ein Drittel der W\u00e4hler in ganz Deutschland, die Hochburg der SPD und ihr Stimmenbringer f\u00fcr den Bund. Bleibt es hier bei 30 Prozent, kann Schulz Berlin vergessen. Noch hat Angela Merkel nicht gewonnen, ihr General Peter Tauber hat die eigenen Truppen gemahnt: Heute feiern, morgen wieder an die Arbeit. Aber wenn man die letzten Wochen zusammennimmt, hat die Kanzlerin jetzt drei gro\u00dfe Schritte Vorsprung. Mindestens.<br \/>Der Tagesspiegel kooperiert mit dem Umfrageinstitut Civey. Wenn Sie sich registrieren, tragen Sie zu besseren Ergebnissen bei. 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