<!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG:--><!--DEBUG:dc3-deutschland-mix-in-german-pdf-2--><!--DEBUG-spv-->{"id":556334,"date":"2017-06-02T17:00:00","date_gmt":"2017-06-02T15:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nhub.news\/?p=556334"},"modified":"2017-06-02T17:44:59","modified_gmt":"2017-06-02T15:44:59","slug":"der-tod-von-benno-ohnesorg-veranderte-die-republik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nhub.news\/ru\/2017\/06\/der-tod-von-benno-ohnesorg-veranderte-die-republik\/","title":{"rendered":"Wie der Tod von Benno Ohnesorg die Republik ver\u00e4nderte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Vor 50 Jahren wurde der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten t\u00f6dlich getroffen. Was als Protest gegen den Schah begann, weitete sich zu einem&#8230;<\/b><br \/>\nEr war, so bitter es klingt, einfach nur im falschen Augenblick am falschen Ort. Benno Ohnesorg, 26-j\u00e4hriger Student der Romanistik und Germanistik an der Freien Universit\u00e4t Berlin, der am Abend des 2. Juni 1967 mit seiner schwangeren Frau und Freunden vor der Deutschen Oper in der Berliner Bismarckstra\u00dfe gegen den Schah von Persien, Mohammed Reza Pahlewi, und dessen Frau Farah Diba demonstriert hatte, sah, wie mehrere Polizisten in Zivil einen Studenten in einen Hinterhof in der Krummen Stra\u00dfe zerrten. Unauff\u00e4llig folgte er ihnen in den Hof, wo etwa zehn Beamte auf ebenso viele Studenten einpr\u00fcgelten. Und auf einmal sa\u00df er in der Falle. Ein Weiterkommen war nicht mehr m\u00f6glich.<br \/>Was dann geschah, wurde nie vollst\u00e4ndig aufgekl\u00e4rt und ist auch 50 Jahre nach den dramatischen Ereignissen Stoff f\u00fcr Spekulationen. Nach Angaben von Zeugen trieb die Polizei alle Studenten aus dem Hinterhof, mit einem Schlag stand der v\u00f6llig unbeteiligte Ohnesorg den Polizisten alleine gegen\u00fcber. Der Student versuchte zu fliehen, wurde aber festgehalten, eine Frau gab an, dass drei Polizisten auf ihn einschlugen. Als Zeichen seiner Aufgabe hob er die H\u00e4nde, ein Zeuge h\u00f6rte den Ruf \u201eBitte, bitte, nicht schie\u00dfen!\u201c Da fiel um 20.30 Uhr ein Schuss, abgegeben von dem als Waffennarr bekannten Polizisten Karl-Heinz Kurras. Ohnesorg, der aus etwa eineinhalb Metern am Hinterkopf getroffen wurde, fiel stark blutend auf den Boden.<br \/>Unmittelbar darauf trafen Fotografen und Studenten, die den Schuss geh\u00f6rt hatten, am Tatort ein, ein ber\u00fchmtes Foto, das um die Welt ging, zeigt die entsetzte Studentin Friederike Dollinger (damals 22) , die den Kopf des leblosen Ohnesorgs mit ihren H\u00e4nden h\u00e4lt. Erst gegen 20.50 Uhr kam ein Krankenwagen, auf dem Weg ins Krankenhaus starb Ohnesorg. Doch laut Krankenhausakte trat der Tod erst um 22.55 Uhr ein, zudem wurde als offizielle Todesursache \u201eSch\u00e4delbasisbruch\u201c angegeben.<br \/>Bei der Obduktion am n\u00e4chsten Tag wurde festgestellt, dass ein Knochenst\u00fcck der Sch\u00e4deldecke mit dem Einschussloch herausges\u00e4gt und beseitigt worden war. Kurras selber rechtfertigte sich, der Schuss \u201eist mir losgegangen\u201c, sp\u00e4ter machte er geltend, er habe in Notwehr gehandelt. Der Schuss habe sich im Handgemenge gel\u00f6st und Ohnesorg versehentlich getroffen. Obwohl Zeugen diese Version nicht best\u00e4tigten, wurde Kurras zwei Mal freigesprochen, 2009 stellte sich heraus, dass er nicht nur Mitglied der SED, sondern auch seit 1955 Inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit gewesen war. 2014 starb er, ohne sich nochmals zu den Umst\u00e4nden der Tat zu \u00e4u\u00dfern.<br \/>Der Tod des Studenten Benno Ohnesorg vor 50 Jahren stellt eine tiefe und einschneidende Z\u00e4sur in der Nachkriegsgeschichte dar. Die Sch\u00fcsse des Polizisten auf den jungen Studenten, der sich bislang weder auff\u00e4llig politisch bet\u00e4tigt hatte noch zu den Anf\u00fchrern der Studentenproteste geh\u00f6rte, trug ma\u00dfgeblich zur Radikalisierung der Studentenbewegung und somit in seinen langfristigen Folgen auch zum Entstehen der Terrororganisation \u201e Rote Armee Fraktion \u201c (RAF) zu Beginn der 70er Jahre bei.<br \/>\u201eDer 2. Juni 1967 wurde zum historischen Datum, zum Wendepunkt im Denken und F\u00fchlen vieler, nicht nur der Studenten\u201c, schrieb der sp\u00e4tere Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust 1985 in seinem Buch \u201eDer Baader-Meinhof-Komplex\u201c. Von Berlin aus breitete sich der Funke explosionsartig auf die gesamte Bundesrepublik aus. \u00dcberall revoltierten die Studenten gegen das erstarrte politische und gesellschaftliche System sowie gegen ehemalige NS-Mitglieder, die in der Bundesrepublik ungebrochen ihre Karriere fortgesetzt hatten, sp\u00e4ter auch gegen die Notstandsgesetze der Gro\u00dfen Koalition. Selbst bis dahin v\u00f6llig unpolitische junge Menschen engagierten sich und verstanden sich als Teil der au\u00dferparlamentarischen Opposition.<br \/>Unmittelbaren Bezug auf den Tod Ohnesorgs nahm dabei die im Januar 1972 in West-Berlin gegr\u00fcndete linksextremistische terroristische Vereinigung \u201eBewegung 2. Juni\u201c, die eine Reihe von Bombenattentaten und Bank\u00fcberf\u00e4llen ver\u00fcbte, den Pr\u00e4sidenten des Berliner Kammergerichts, G\u00fcnter von Drenkmann, 1974 bei einem fehlgeschlagenen Entf\u00fchrungsversuch erschoss und 1975 den damaligen Berliner CDU-Spitzenkandidaten, Peter Lorenz, entf\u00fchrte und im Gegenzug f\u00fcr sein Leben die Freilassung mehrerer Gesinnungsgenossen erpresste.<br \/>Diese Entwicklung schien undenkbar, als Benno Ohnesorg und andere Studenten am 2. Juni 1967 auf die Stra\u00dfen gingen, um gegen den Schah von Persien zu demonstrieren, dem sie schwere Menschenrechtsverletzungen, Folter und die Etablierung eines Terrorregimes vorwarfen. Vor der Deutschen Oper, wo der Herrscher eine Vorstellung von Mozarts \u201eZauberfl\u00f6te\u201c besuchte, flogen Steine, Eier, Rauchbomben und Farbbeutel.<br \/>Kaum hatten der Schah, seine Frau und Berlins Regierender B\u00fcrgermeister Heinrich Albertz (SPD) die Oper betreten, ging die Berliner Polizei mit \u00e4u\u00dferster Brutalit\u00e4t gegen die Protestierenden vor. \u201eEs setzte ein die brutalste Kn\u00fcppelei, die man bis dahin im Nachkriegs-Berlin erlebt hatte\u201c, schrieb Aust im R\u00fcckblick. Noch in der Nacht schob B\u00fcrgermeister Albertz, ohne von den Umst\u00e4nden des Todes Ohnesorgs zu wissen, die alleinige Schuld f\u00fcr die Eskalation den Studenten zu: \u201eDie Geduld der Stadt ist am Ende. (\u2026) Die Polizei, durch Rowdies provoziert, war gezwungen, scharf vorzugehen&#8230;\u201c<br \/>In die gleiche Kerbe schlugen auch die Zeitungen des \u201eSpringer\u201c-Verlags, die \u00fcber die Studenten herfielen: \u201eIhnen gen\u00fcgte der Krach nicht mehr. Sie m\u00fcssen Blut sehen\u201c, schrieb die Bild-Zeitung. Und im Boulevardblatt B. Z. hie\u00df es: \u201eWer Terror produziert, mu\u00df H\u00e4rte in Kauf nehmen.\u201c<br \/>Die Studenten waren entsetzt, derart kriminalisiert zu werden. An der FU Berlin brodelte es, man sah in der Polizei und im Staat einen Gegner, mit dem ein Dialog nicht mehr m\u00f6glich war. Eine junge Studentin brachte es auf den Punkt: \u201eMit denen kann man nicht diskutieren, sie werden uns alle umbringen. Das ist die Generation von Auschwitz!\u201c Ihr Name: Gudrun Ensslin \u2013 sp\u00e4tere Mitbegr\u00fcnderin der RAF.<br \/>Heinrich Albertz, Politiker und Pfarrer, hingegen erkannte, dass sein bedingungsloser R\u00fcckhalt f\u00fcr die Polizei ein Fehler war, da dies einen Fl\u00e4chenbrand ausgel\u00f6st hatte, der nicht mehr zu l\u00f6schen war. \u201eIch war am schw\u00e4chsten, als ich am h\u00e4rtesten war, in jener Nacht des 2. Juni, weil ich dort objektiv das Falsche tat\u201c, sagte er im September 1967 vor dem Berliner Abgeordnetenhaus. Und in seinen Erinnerungen schrieb er \u00fcber jene Nacht, die eine Z\u00e4sur in der Nachkriegsgeschichte darstellte: \u201eIch war todm\u00fcde, angeekelt von allem, was geschehen war. Aber ich werde die Schuld f\u00fcr dieses pers\u00f6nliche Versagen tragen m\u00fcssen, bis ich vor meinem ewigen Richter stehe\u2026\u201c<\/p>\n<div id=\"td_post_ranks_tmp\" class=\"td-post-comments\" style=\"vertical-align: middle;display:none;\">\n<div style=\"float: left;\">Similarity rank: 2.1<\/div>\n<\/div>\n<p><script>\n\/*jQuery(function() {\nvar mainContentMetaInfo = '.td-post-header .meta-info';\nvar tdPostRanks = '#td_post_ranks';\nif (jQuery(tdPostRanks).length) {\n    var tdPostRanksHtml = jQuery(tdPostRanks).get(0).outerHTML;\n    if (typeof tdPostRanksHtml != 'undefined') {\n        jQuery(tdPostRanks).remove();\n        jQuery(mainContentMetaInfo).append(tdPostRanksHtml);\n    }\n}\n});*\/\n<\/script><span>\u00a9 Source: <a href=\"http:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/Wie-der-Tod-von-Benno-Ohnesorg-die-Republik-veraenderte-id41624251.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/Wie-der-Tod-von-Benno-Ohnesorg-die-Republik-veraenderte-id41624251.html<\/a><br \/>\nAll rights are reserved and belongs to a source media.<\/span><\/p>\n<script>jQuery(function(){jQuery(\"#td_post_ranks\").remove();});<\/script><script>jQuery(function(){jQuery(\".td-post-content\").find(\"p\").find(\"img\").hide();});<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 50 Jahren wurde der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten t\u00f6dlich getroffen. 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