Zehn Wähler, zehn Stimmen und ein tiefer Riss, der durch das Land geht: Hier erklären US-Bürger, wem sie ihre Stimme geben – und warum.
Es ist ein hartes Rennen mit ungewissem Ausgang. Bleibt Amtsinhaber Donald Trump US-Präsident oder wird er von seinem Herausforderer Joe Biden abgelöst? Wir fragten zehn US-Bürger aus verschiedenen Bundesstaaten, wen sie wählen werden. Ihre Begründungen offenbaren den tiefen Riss, der durch die amerikanische Gesellschaft geht. Parker Campbell, Schüler aus Phoenix, Arizona Ich will, dass Donald Trump 2020 gewinnt, weil ich seine Politik, vor allem seine Wirtschaftspolitik, mag. Er steht für die freie Marktwirtschaft, schafft Frieden im Nahen Osten und baut die Mauer an unserer Südgrenze. Das finde ich gut. Was mich stört, ist, dass in unserem Schulsystem die „Liberalen“ in der Überzahl sind, wenn man das mit der Gesamtbevölkerung vergleicht. Meine gesamte Familie ist republikanisch, das prägt. Wie der Präsident mit der Coronakrise umgegangen ist? Nun, ich bin da ganz auf seiner Seite: Wir können nicht einfach alles runterfahren und unsere Wirtschaft lahmlegen. Das Land muss wieder aufmachen! Darum stehe ich hinter den Entscheidungen, die unsere Regierung getroffen hat und trifft, auch wenn nicht immer alles hundertprozentig perfekt lief. Natürlich sind mehr als 200.000 Tote zu viele. Aber wenn Trump nicht so entschieden gehandelt hätte, dann hätten wir jetzt wahrscheinlich mehrere Millionen Tote. Er hat die Einreisen aus China gestoppt, das war wichtig. Aber die Demokraten haben ihn dafür als Rassisten und fremdenfeindlich bezeichnet. Seine Tweets? Die stören mich nicht weiter, er kann twittern, was er will. Lena und Rich Eng, Hausfrau und Manager aus Milwaukee, Wisconsin Lena: Eigentlich sind wir Republikaner, wir sind konservativ und in einer evangelikalen Kirche engagiert. Aber beim Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten 2018 in Helsinki ist mir klar geworden, wie gefährlich Donald Trump ist und man verhindern muss, dass er wiedergewählt wird. Dieses private Treffen mit Wladimir Putin und dass sich Trump nicht vor seine eigenen Geheimdienste stellte – das war schockierend, ich begann, seine Absichten zu hinterfragen. Und dann sind da seine Steuererklärungen. Warum veröffentlicht er die nicht? Ich habe lange als Buchhalterin gearbeitet. Wenn er sich intransparent verhält, wissen wir nicht, welche Interessenkonflikte er hat. Auch warten wir immer noch auf Trumps Plan für das Gesundheitssystem. Offenbar gibt es keinen, dabei wäre es für Millionen Amerikaner doch wichtig zu wissen, was kommt, wenn er Obamacare kippt. Wir werden Joe Biden wählen, auch wenn ich weiter unten auf dem Wahlzettel für Republikaner stimmen werde. Biden ist ein Mann der Mitte, er gehört nicht zur „radikalen Linken“, wie es im Wahlkampf behauptet wird. Er will keine Anarchie, nicht die Polizei abschaffen. Er steht für gesunden Menschenverstand. Rich: Es geht so einfach nicht weiter. Du lässt deine Verbündeten nicht im Stich, wie es Trump 2019 mit den Kurden getan hat. Ich reise viel, in anderen Ländern sagen sie: Euer Präsident ist verrückt. Als der Journalist Jamal Khashoggi ermordet wurde, schwieg er – das war schrecklich. Trump preist sich für die Wirtschaftsdaten, aber die sahen auch schon unter Barack Obama gut aus. Ja, er hat Bürokratie abgebaut, das hilft manchen Wirtschaftszweigen. Aber das waren vor allem Regulierungen im Umweltbereich, was langfristige Konsequenzen haben wird. Als Konservative schauen wir auf die Daten: Der Klimawandel ist real, man muss etwas dagegen tun. Genauso wie gegen die gigantische Staatsverschuldung. Takisha Smith, alleinerziehende Mutter aus Charlotte, North Carolina Jeden Abend bete ich für den Präsidenten. Donald Trump ist ein großartiger Mann. Er ist ein Werkzeug Gottes, der viel für uns Schwarze getan hat. Die Wirtschaft läuft, die Menschen haben Jobs. Gewiss, gerade läuft es nicht so gut wegen Corona. Aber das wird wieder. Wir müssen etwas Geduld haben. Die Kriminalität ist gesunken. Kinder und Jugendliche sind sicherer dank ihm. Die Grenzen werden besser geschützt. Man muss die Erfolge nur sehen wollen. Viele Menschen sind voller Hass und Zorn. Aber ich finde, man sollte positiv denken. Meine drei Kinder haben eine viel bessere Zukunft dank Präsident Trump. Das sage ich jedem, der es hören möchte. Und deshalb bete ich für ihn, morgens und abends. Debby Accardi, Rentnerin aus Newport News, Virginia In meinem Vorort sind alle, die ich kenne, Pro-Trump, auch meine drei Töchter, denen würde ich sonst was erzählen! Ich hoffe auf vier weitere Jahre, ich liebe den Präsidenten. Er ist kein Politiker. Anders als alle anderen ist er sehr ehrlich, geradeheraus und tut dem Land gut. Er hat die Steuern gesenkt, und er arbeitet sehr hart, um die Coronakrise in den Griff zu bekommen. Trump ist ein guter Verhandler und erzielt Ergebnisse. Trotzdem wird er ständig kritisiert. Das finde ich unfair, denn er will ja einfach nur das Beste für uns erreichen. Es wäre so wichtig, dass beide Seiten zusammenarbeiten, aber die Demokraten verweigern sich. Seine Tweets, über die sich viele aufregen, stören mich nicht weiter. Das ist halt sein Charakter und zeigt, dass er auch nur ein Mensch ist. Man muss doch nicht immer politisch korrekt sein, auch ein Präsident darf sagen, was er denkt. Und er korrigiert ja seine Fehler. Dass sich die Demokraten und die Medien dauernd über ihn lustig machen und seinen Erfolg verhindern wollen, ist doch verrückt. Zum Coronavirus: Das hat uns China eingebrockt. Wir müssen jetzt damit umgehen, aber wir werden das schaffen. Meine Maske trage ich aus Höflichkeit, angenehm finde ich das nicht. Sorgen mache ich mir, dass wir alle krank werden, wenn wir die Masken abnehmen, denn unser Immunsystem wird dann geschwächt sein. Ich bin mir sicher, dass wir sie nach dem Wahltag abnehmen – die Demokraten haben das Thema nur wegen der Wahl so übertrieben.