Cem Özdemir setzt vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg auf Abgrenzung zur Bundespartei. Die Grünen-Spitze ist irritiert. Geht seine Strategie auf?
Stand: 30.11.2025, 11:20 Uhr
Von: Jens Kiffmeier
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Cem Özdemir setzt vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg auf Abgrenzung zur Bundespartei. Die Grünen-Spitze ist irritiert. Geht seine Strategie auf?
Hannover – Wenn Cem Özdemir über seine Partei spricht, klingt das oft wie eine Therapiesitzung. „Wir müssen mal selbstkritisch fragen, warum wir immer noch im Verdacht stehen, die Menschen zu belehren oder noch alles besser zu wissen“, sagte der 59-jährige Grünen-Spitzenkandidat vor wenigen Tagen der Wochenzeitung Die Zeit. Es ist ein Satz, der in der Bundespartei für Stirnrunzeln sorgt – und doch eindeutig für Özdemirs Kurs der Abgrenzung steht.
Während seine Parteifreunde in Hannover auf dem Grünen-Bundesparteitag über Taurus-Raketen für die Ukraine und die Anerkennung Palästinas diskutieren, inszeniert sich Özdemir als baden-württembergischer Sonderweg auf zwei Beinen. „Wir Grünen in Baden-Württemberg wollen nicht jeden Lebensbereich regeln, sondern mit den Leuten gemeinsam die Dinge verändern“, betonte er in dem Interview – eine kaum verhüllte Kritik an der Berliner Parteizentrale.
Es ist eine besondere Beziehung zwischen Cem Özdemir und den Grünen. Der ehemalige Bundesminister tritt bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im kommenden Jahr als Spitzenkandidat an. Er soll den langjährigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann beerben, der nach drei Amtszeiten nicht mehr antritt. Am Sonntag (30. November) machten die Grünen den Auftakt zum Wahlkampf im Ländle. Beim Bundesparteitag in Hannover durfte Özdemir zum Abschluss eine Rede halten.
Auf ihrem Parteitag diskutierten die Grünen über die Wehrpflicht, die Haltung zur Israel-Politik, das 9-Euro-Ticket oder über Homöopathie – doch aus Sicht von Özdemir sind das alles keine Themen, um die Wahl in Baden-Württemberg 2026 zu gewinnen. Dem Ex-Bundesparteichef geht es vor allem um Wirtschaftsthemen – und dabei setzt er immer wieder auf „knallharte Abgrenzung zur Bundespartei“, wie die Süddeutsche Zeitung kürzlich berichtete. Etwa bei der Aufweichung vom Verbrennerverbot, was im Autoland Baden-Württemberg durchaus eine Bedeutung hat.
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Deutschland — in German „Nicht jeden Lebensbereich regeln“: Özdemir grenzt sich von Grünen-Besserwisserei ab