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Was treiben die Bakterien?

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Seit er als Siebenjähriger durch ein Mikroskop geblickt hat, fasziniert den Biologen und Chemiker Ludger Weß die Welt der Mikroben. Er gehört zu den Wenigen, die in wenigen Worten den Unterschied zwischen Viren und Bakterien erklären können. Sein „Bakterienatlas“ gibt einen Einblick in eine normalerweise unsichtbare Welt – und lehrt auch Respekt vor Wesen, ohne die der Mensch nicht leben könnte.
Herr Weß, warum schreiben Sie über Bakterien und nicht über Viren? Ich arbeite in der Tat gerade an einem Virenatlas, der in diesem Herbst erscheinen soll. Aber das aktuell sehr große Interesse an Viren war vor zwei Jahren ja nicht absehbar. Und warum dann die Bakterien? Weil sie uns umgeben, eine verborgene Welt, die eine riesige Rolle bei der Gestaltung unseres Planeten spielt. Ohne Bakterien gäbe es unser Leben auf diesem Planeten nicht. Diese Faszination begleitet mich seit frühester Jugend. Ich habe als Siebenjähriger im Naturkundemuseum von Münster durch ein Mikroskop geguckt und dabei ein Pantoffeltierchen und das Herz eines Wasserflohs gesehen. Von da an wollte ich mehr sehen und wissen. Ich habe etwa Platten im Backofen meiner Mutter sterilisiert, um darauf Bakterien zu züchten. Ein ungewöhnliches Hobby. Ja, das war es sicher. Aber ich fand es schon früh sehr beeindruckend, wie sich Bakterien Lebensräume erobern, wie sie Nischen finden, denen sie sich perfekt anpassen. Ohne Bakterien gäbe es kein Bier und keinen Gorgonzola, aber wo wirken Bakterien noch? Überall, Bakterien sind überall. Wir Menschen sind von Bakterien besiedelt. Bakterien haben im Laufe der Evolution gelernt, auf uns und mit uns zu leben. Unsere Darmflora gäbe es ohne Bakterien nicht, ebenso wie den Säureschutzmantel auf unserer Haut. Inzwischen wissen wir, dass sich Bakterien sogar im Gehirn finden. Also sind Bakterien das Gute im Menschen? Nicht ausschließlich. Bakterielle Erreger sind zum Beispiel für Milzbrand und Pest verantwortlich oder ganz profan für Fußschweiß – das ist die Kehrseite. Einige Bakterien leben mit dem Menschen in einer Symbiose, da ist es ein Geben und Nehmen. Andere Bakterien leben parasitär, die sehen uns als Nahrung.

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