Emmanuel Macron und Marine Le Pen treten am 7. Mai in der Stichwahl um das Amt des französischen Präsidenten an. Was Ökonomen dazu sagen.
MARCEL FRATZSCHER, DIW-PRÄSIDENT:
« Das Resultat ist ein vielversprechendes Zeichen auch für Deutschland und Europa. Es wird in der Wirtschaft und den Finanzmärkten ein kollektives Aufatmen auslösen. Mit Emanuel Macron steht der führende Kandidat für Wirtschaftsreformen und ein starkes Europa. Die Chancen sind sehr hoch, dass Macron sich im zweiten Wahlgang durchsetzen wird. Es ist noch zu früh, Entwarnung gegen einen Zusammenbruch der Finanzmärkte und gegen das Ende des Euro zu geben. Europa hat eine weitere wichtige Hürde zur Beendigung der Finanz- und Wirtschaftskrise genommen.
Ich erwarte eine positive Reaktion der Finanzmärkte und des Euro auf die erste Runde der französischen Wahlen. Mit dem Resultat steigen die Erwartungen auch an die Bundesregierung, sehr bald nach der zweiten Wahlrunde mit dem neuen französischen Präsidenten einen konkreten Plan zur Reform der EU und der Beendigung der europäischen Wirtschaftskrise vorzulegen. Die Bundesregierung sollte die Zeit nutzen, um die Reformen Europas voranzutreiben.
Mit Macron würde die Bundesregierung einen wichtigen pro-europäischen Partner gewinnen. Die Bundesregierung muss sich mit einem Präsidenten Macron aber auf einen starken und kritischen Partner auf Augenhöhe einstellen. »
FOLKER HELLMEYER, BREMER LANDESBANK:
« Das ist ein sehr positives Ergebnis für Europa und die Stabilität von Realwirtschaft und Finanzmärkten. Vor drei Wochen stand so ein Ergebnis für Macron noch nicht zur Debatte. In zwei Wochen dürfte er einen recht klaren Sieg einfahren. Die politischen Unsicherheiten, die zur Schwäche des Euro und zum Kapitalabzug aus Europa geführt haben, sind zwar noch nicht vollständig bereinigt, aber immerhin zu 90 Prozent.
Dass die Wahl auf Macron fiel, ist ein Zeichen dafür, dass sich die Franzosen eine Neuausrichtung der Politik wünschen. Das ist auch ein Weckruf für Berlin und Gesamteuropa, die politischen Ansätze der Vergangenheit kritischer zu überprüfen – von der Erweiterung der EU bis zur Demokratisierung der Institutionen und der Wiederbelebung des europäischen Geistes. »
HOLGER SCHMIEDING, CHEFVOLKSWIRT BERENBERG BANK:
« Das scheint für Frankreich und Europa das richtige Resultat zu sein. Es ist so gekommen, wie die Meinungsumfragen es vorausgesagt hatten.