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„Wir möchten, dass du unsere zukünftige Bundeskanzlerin bist“

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Vor den Toren Hannovers machen die alten Nachbarn der grünen Spitzenkandidatin Mut für die heiße Phase des Wahlkampfs. An den großen Erfolg glauben aber auch hier die meisten nicht so recht.
I n Pattensen sind die Fronten zwischen SPD und Grünen längst geklärt. Die Sozialdemokratin Ramona Schumann ist die gemeinsame Bürgermeister-Kandidatin der beiden Parteien. Ihre Chancen, bei der Kommunalwahl in vier Wochen wiedergewählt zu werden, stehen gut. Insofern fällt es der 41-Jährigen leicht, Annalena Baerbock Komplimente zu machen. „Ich traue ihr die Kanzlerschaft auf jeden Fall zu“, sagt Schumann. „Genauso wie ich es Olaf Scholz zutraue. Hauptsache nicht Armin Laschet.“ Na also, geht doch. Es ist ohnehin ein Heimspiel für Annalena Baerbock an diesem Sonnabend Nachmittag auf dem Schützenplatz von Pattensen, einer Kleinstadt vor den Toren Hannovers. Die Kanzlerkandidatin persönlich hat den Ort als achte Station auf die Route ihrer großen Wahlkampf-Tournee gesetzt. „Weil‘s mir wichtig ist. Weil‘s meine alte Heimat ist“, wie sie gleich zu Beginn ihrer 15-minütigen Rede berichtet, „hier bin ich geboren, hier lebt meine Familie, hier habe ich gelernt, was wichtig ist im Leben.“ Und im Übrigen, na klar, ein bisschen Zuspruch kann die grüne Spitzenkandidatin natürlich auch gebrauchen in diesen Tagen, in denen es nicht wirklich rundläuft für Baerbock, für die Grünen. Ganz im Gegenteil. Unmittelbar vor Beginn der in diesem Jahr pandemiebedingt besonders wichtigen Briefwahlphase in der kommenden Woche, droht die Partei in den Umfragen erstmals wieder hinter die SPD zu rutschen – oder ist es bereits. Bei den jüngsten Erhebungen liegen die beiden Parteien bundesweit zwar sonst meist noch gleichauf, aber anders als bei den Grünen zeigt der Trend bei den Sozialdemokraten bergauf. Schlimmer noch: Baerbocks persönliche Umfrage-Daten verharren seit Wochen im Keller. Die grüne Kandidatin steht bei der Kanzlerfrage trotz der bisher ebenfalls schwachen Performance des Unionsrivalen Armin Laschet abgeschlagen auf dem letzten Platz. Der Abstand zum SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz ist mittlerweile so groß, dass selbst in der grünen Parteizentrale in Berlin nicht mehr jeder und jede an eine gelingende Aufholjagd glaubt. Während Scholz die Sozialdemokratie langsam, aber stetig nach oben zieht, hängt Baerbocks Kandidatur den Grünen spätestens seit ihrer verunglückten Buchveröffentlichung wie ein mittelschwerer Mühlstein um den Hals.

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