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Sergej W. ist nicht der Erste, der auf die Idee kam, mit einer Bombe die Aktienkurse zu manipulieren. Aber noch niemand ging dabei so weit wie er.
Deutschland hat in den vergangenen Jahren einige Erfahrungen mit terroristischen Attacken gemacht. Wir haben gelernt, dass es keine eindeutigen Muster gibt. Dass jemand einen Sprengsatz in einem Zug deponieren und dann weggehen kann – oder mit einer Axt über Fahrgäste herfallen. Dass jemand einen Sprengstoffgürtel vor einem Festival zünden kann – oder mit einem Laster durch einen Weihnachtsmarkt fahren. Die Terroristen des “Islamischen Staats” oder von Al-Kaida nutzen jede Möglichkeit, die sich ihnen bietet. In Syrien und im Irak legen sie im großen Stil Sprengfallen aus. Warum nicht auch in Dortmund?
Dennoch gab es schon am Tag nach dem Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund irritierende Momente. Das abstruse Bekennerschreiben, gleich in dreifacher Ausfertigung. Dann gleich noch ein weiteres, angeblich linksextremes Schreiben, außerdem keinerlei Reaktion der üblichen islamistischen Propagandakanäle. Schließlich fanden Journalisten der ARD sogar ungewöhnliche Bewegungen im Handel mit BVB-Aktien.
Bombe = Terrorismus? Die Sicherheitsbehörden übten von Anfang an große Zurückhaltung, wenn es um die Frage nach dem Motiv für die Tat ging. Anders als im Fall von Anis Amri, dem Weihnachtsmarktmörder, hieß es lediglich, man gehe von einem “terroristischen Hintergrund” aus. Der Rest war Schweigen.
Schweigen, aber nicht Stillhalten. Polizeiarbeit bedeutet, systematisch und in alle Richtungen zu ermitteln. Was sind klassische Motive für Mord? Eifersucht. Hass. Geld.
Viel Geld, darum ging es. Aktienhändler reagieren schnell auf schlechte Nachrichten. Skrupellose Menschen haben schon immer versucht, das zu ihrem Vorteil zu nutzen. Soweit wie Sergej W. ist allerdings noch keiner gegangen.
Im April 2013 wurde über den Twitteraccount der Nachrichtenagentur AP verbreitet, dass es im Weißen Haus in Washington zwei Explosionen gegeben habe. Präsident Barack Obama sei verletzt worden. Die Nachricht war falsch, der Account der Agentur war gehackt worden.

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