Zwei Tage war Friedrich Merz beim Gipfel der Europäischen Volkspartei in Zagreb. Die Europäische Union muss sich verändern – soweit besteht Konsens. Nur wie? Da hat der Kanzler andere Vorstellungen als Manfred Weber, der Chef der konservativen Parteienfamilie.
Zwei Tage war Friedrich Merz beim Gipfel der Europäischen Volkspartei in Zagreb. Die Europäische Union muss sich verändern – soweit besteht Konsens. Nur wie? Da hat der Kanzler andere Vorstellungen als Manfred Weber, der Chef der konservativen Parteienfamilie.
Am frühen Samstagmorgen trifft Friedrich Merz noch schnell den irischen Vizepremier. Und dann – die Uhr zeigt gerade erst kurz nach halb neun – ist da auch noch Bojko Borissow, Bulgariens Ex-Premier, Ex-Karatekämpfer, Ex-Fußball-Profi. Er stand mal unter Verdacht, EU-Mittel missbraucht zu haben, die Ermittlungen wurden aber eingestellt. Ein schillernder Charakter in jedem Fall.
Im „Bilateral Room I“ des Westin Hotels der kroatischen Hauptstadt steht Kaffee für Merz und Borissow bereit. Kurz noch der offizielle Handshake, der für die Nachwelt festgehalten wird. Dann fragt der Kanzler: „Wie geht es in Bulgarien?“
Die Frage an diesem Wochenende in Zagreb ist nicht in erster Linie, wie die Lage in Bulgarien ist. Es geht um das große Ganze, um die Lage der Europäischen Union, die in diesen Wochen und Monaten unter Dauer-Herausforderungen steht: Donald Trump, Grönland, die transatlantische Kraftprobe, nicht zu vergessen Wladimir Putin und der Krieg in der Ukraine. Aber da ist auch die Sorge um Europas Geschäftsmodell und die Krise seiner Industrien. Ernste Zeiten eben.
Deshalb dieses Kanzler-Speed-Dating in Zagreb. Deshalb der Abstecher zum EVP-Gipfel, zum informellen Austausch mit den Spitzen der Europäischen Volkspartei. Gut 24 Stunden verbringt Merz in fensterlosen Konferenzräumen.
Das Handball-Wunder der deutschen Nationalmannschaft gegen die Kroaten kann er nur über den Liveticker verfolgen. Für Merz, über den Regierungssprecher Stefan Kornelius nicht ganz unzutreffend gesagt hat, er sei regelrecht „handballfanatisch“, müssen diese Umstände ein mittelschweres Ärgernis gewesen sein. Nach dem Familienfoto des Gipfels sieht man den Kanzler mit seinem kroatischen Kollegen Andrej Plenković frotzeln. Vorteil Merz. Das Spiel läuft da zwar noch, aber die Deutschen liegen deutlich in Führung.
Führung – ein gutes Stichwort.
Für Europas Konservative, die in Europa 13 Staats- und Regierungschefs stellen, dazu noch die Präsidentinnen von Kommission und Parlament, Ursula von der Leyen und Roberta Metsola, gehört es dazu, im Diskurs über die Zukunft der EU die Meinungsführerschaft zu beanspruchen.
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Deutschland — in German Europas Konservative in Zagreb: Warum Merz über EU-Reformen ganz anders spricht als...